Muss Flutter Paddy Power verkaufen?

Die kürzlich erfolgte Fusion zwischen den Marktgiganten Flutter Entertainment (Irland) und The Stars Group (Kanada) könnte Flutter zum Verkauf seiner Hauptmarke Paddy Power zwingen. Grund sind die Richtlinien der britischen Wettbewerbsbehörde CMA (Competition & Markets Authority). Wie steht es um die Zukunft des neuen kombinierten Unternehmens?

Eine Paddy Power-Filiale in Tottenham.

Paddy Power betreibt Hunderte Wettbüros in Großbritannien, muss Flutter sein Zugpferd verkaufen? (©flickr)

Gefahr der Wettbewerbsverzerrung

Der irische Glücksspiel- und Sportwettgigant Flutter Entertainment muss sich infolge der kürzlich bekanntgegebenen Fusion mit The Stars Group (TSG) eventuell von seinem Flaggschiff Paddy Power trennen. Grund für einen möglichen Verkauf der Marke sind die Richtlinien der britischen Wettbewerbsaufsicht CMA. Damit die Fusion zwischen den beiden Unternehmen erfolgen kann, ist die Zustimmung der unabhängigen und nicht-ministeriellen Behörde erforderlich. Aufgabe der Instanz ist es unter anderem „Wettbewerbsverzerrungen“ zu unterbinden.

Zu diesem Zweck hat die Behörde einen Korpus an Vorschriften erlassen, der Flutter laut Aussagen der britischen Tageszeitung The Times zu einem Verkauf von Paddy Power zwingen könnte. Der Kodex legt vor allem Wert auf den „Schutz der Verbraucher beim Kauf von Waren und Dienstleistungen“. Außerdem steht die „Gewährleistung des gesetzmäßigen Verhaltens von Unternehmen“ im Vordergrund.

Des Weiteren obliegt der Behörde die „Untersuchung der Märkte im Falle von Wettbewerbs- und Verbraucherproblemen“, außerdem darf die Instanz „gegen Unternehmen, die an wettbewerbswidrigen Verhaltensweisen beteiligt sein könnten, vorgehen“. Eine letzte und für die Thematik maßgebliche Aufgabe der CMA liegt außerdem in der „Überwachung von Fusionen zwischen Unternehmen, um einer Wettbewerbsbeschränkung entgegenzuwirken“.

Eine schwerwiegende Entscheidung

Die Fusion zwischen Flutter und TSG wurde Anfang Oktober bekanntgegeben. Ziel der Partnerschaft ist nicht weniger als die Marktführerschaft auf dem seit Mai 2018 frisch-legalisierten US-Sportwettmarkt. Flutter plant den ehemaligen Konkurrenten TSG für umgerechnet rund 11,2 Mrd. Euro zu übernehmen. Mit 55 Prozent hält Flutter künftig den Mehrheitsanteil am neuen kombinierten Unternehmen, welches somit drei der sieben größten Online Sportwett- und Glücksspielmarken der Branche besitzt.

Aus der Fusion resultiert damit nicht nur das größte börsennotierte Glücksspielunternehmen überhaupt, sondern auch der mit Abstand größte Online Glücksspielanbieter: Zahlreiche renommierte Marken werden durch den Zusammenschluss unter einem Dach vereint: Zu Flutter gehören bis dato Marken wie Paddy Power, Betfair, Sportsbet oder der US-amerikanische Daily Fantasy Sports (DFS)-Anbieter FanDuel. TSG verfügt dagegen über die beiden weltgrößten Pokernetzwerke PokerStars und Full Tilt Poker. Dazu kommen die Wettunternehmen SkyBet, BetStars und Oddschecker.

Laut Aussagen der Londoner Investmentbank Canaccord Genuity könnte jedoch eben diese außergewöhnlich hohe Marktstärke des kombinierten Unternehmens für Schwierigkeiten bei der Fusion sorgen. Durch den hohen Marktanteil könnten sich die Behörden dazu veranlasst sehen, entsprechende „Abhilfemaßnahmen“ von den Unternehmen einzufordern, um die Marktbalance aufrechtzuerhalten. Wie ein Banksprecher mitteilte, sei ein Verkauf von Paddy Power daher eine vernünftige, wenn auch „emotional schwerwiegende Entscheidung“, vor allem da sich der Hauptsitz des neuen Unternehmens in Dublin befinden soll, wo auch Paddy Power seit seiner Gründung 1988 ansässig ist.

Angesichts der Bedenken meldete sich unlängst Flutter-CEO Peter Jackson zu Wort und bekundete „großen Respekt vor der Wettbewerbsbehörde“. Über die Reaktion der CMA sei man „besorgt“, der Geschäftsführer räumte allerdings ein, dass eine entsprechende Marktanalyse der Behörde hinsichtlich der Fusion verständlich und notwendig sei.

Live Casino-Deal mit Evolution

Abseits des Transaktionsprozesses sind die beiden Flutter-Marken Paddy Power und Betfair übrigens erst kürzlich einen Live Casino-Deal mit dem auf Malta lizenzierten Gaming-Softwarehersteller Evolution Gaming eingegangen. Im Rahmen der Vereinbarung dürfen Paddy Power und Betfair zukünftig über das gesamte Portfolio der Live Casino-Spiele von Evolution verfügen, einschließlich aller Deal- oder No Deal-Varianten sowie aller proprietären Spielvarianten, wie zum Beispiel Lightning Roulette.

Die Vereinbarung wird von Evolution als „Großauftrag“ bezeichnet und wird in diesem Sinne auch das internationale muttersprachliche Roulette-Paket des Anbieters umfassen. Aufgrund der hohen Beliebtheit des Evolution-Sortiments kommentierte der Paddy Power-Marketingchef Mike Phelan:

“Wir haben die starke Leistung der Evolution-Produktlinie in den letzten Jahren beobachtet. Wir freuen uns sehr darüber, unser Live Casino-Angebot erweitern zu können, indem wir unseren Spielern alle exklusiven Brands und großen Attraktionen des Evolution-Spieleportfolios anbieten können.”

Unterstützung erhält Phelan an dieser Stelle von Sebastian Johannisson, Entwicklungsleiter bei Evolution. Dieser spricht von einer der bedeutsamsten Partnerschaften der letzten Jahre. Fortführend heißt es im Zitat:

“Dies ist eine bahnbrechende Vereinbarung für Evolution und eine wichtige Vereinbarung, an der wir seit einigen Jahren arbeiten. Wir fühlen uns geehrt, mit Flutter Entertainment zusammenzuarbeiten. Unsere Unternehmen sind in Bezug auf Ehrgeiz und Kultur sehr gut aufeinander abgestimmt. Wir sind davon überzeugt, dass wir der perfekte Partner sind, um Flutters Live Casino-Angebot auf die nächste Stufe zu heben.”

Der neue Flutter-Deal kommt zustande, kurz nachdem Evolution in der letzten Woche ein Fortbestehen der Partnerschaft mit Scientific Games bestätigt hat. Evolution und Scientific Games arbeiten bereits seit Anfang 2016 zusammen und bieten Spielinhalte für Online Casinos auf der ganzen Welt an. In diesem Kontext ist Evolution seit Juni auch auf dem strengregulierten schweizerischen Glücksspielmarkt eingestiegen. Hier wurde ein Deal mit dem Grand Casino Baden bestätigt.

Ob der jüngste Vertrag angesichts der aktuellen Entwicklungen in Großbritannien jedoch auch zukünftig unter dem Dach von Flutter Entertainment existieren kann, bleibt vorerst abzuwarten.

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