Millionenstrafe gegen Crown Resorts

Infolge eines Skandals um Geldwäsche wurde der australische Glücksspielriese Crown Resorts zu einer Strafe von umgerechnet 14,4 Millionen Euro verurteilt. Darin inkludiert sind die Untersuchungskosten. Parallel laufen die Verhandlungen für eine Übernahme des Konzerns. Inhaber und Multimilliardär James Packer (53) steht einem Verkauf prinzipiell offen gegenüber, doch wer macht das Rennen – Blackstone oder Star Entertainment?

200-Euro-Scheine auf einer Wäscheleine.

Chinesische Syndikate sollen im Crown Casino Melbourne Geldwäsche betrieben haben. ©Alexas_Fotos/Pixabay

Moderne Kartensysteme und Bargeldverbot

Knapp vier Monate nach dem harten Urteil gegen Crown Resorts, welches mit dem Lizenzentzug für ein drittes Casino in Barangaroo, Sydney, einherging, hat die Aufsichtsbehörde ILGA (Independent Liquor & Gaming Authority) einen weiteren Beschluss getroffen: Das Unternehmen von James Packer muss ein Strafgeld von umgerechnet 14,4 Millionen Euro entrichten. Die Summe deckt die Untersuchungskosten, außerdem werden Aufsichtsabgaben für 2021/22 fällig.

Ferner wird der australische Glücksspielmarktführer möglicherweise dazu gezwungen, eine weitere millionenschwere Abgabe für 2023 zu leisten. Um potenziellen Betrügereien vorzubeugen, muss Crown außerdem all seine Casinospiele mit einer Kartentechnologie ausstatten und darf obendrein kein Bargeld mehr akzeptieren. Darüber hinaus sind sämtliche Abkommen mit internationalen Junket Operator-Partnern aufzulösen. Nach Angaben von Crown ist dies allerdings längst geschehen.

Die ILGA merkte an, dass Crown unter der Leitung von Helen Coonan, welche den zurückgetretenen CEO Ken Barton ersetzt, bereits deutliche Fortschritte gemacht hat, um wieder als geeigneter Lizenznehmer eingestuft zu werden. Es würden viele Probleme angegangen, die zum Lizenzentzug führten, kommentierte der ILGA-Vorsitzende Philip Crawford gegenüber australischen Medien, welche den Skandal um Crown im August 2019 ins Rollen brachten.

Die ehemalige Senatorin und derzeitige Crown-Geschäftsführerin Helen Coonan (73), sieht die Anerkennung der ILGA als positives Signal – man hoffe das nunmehr dritte Casino in New South Wales bald in Betrieb nehmen zu dürfen. Die Umsetzung der von der ILGA verlangten Reform sei, auch wenn noch viel Arbeit zu bewältigen ist, weit fortgeschritten. Das Feedback der Aufsichtsbehörde sei höchstbedeutsam, um alle Änderungen zur Verbesserung der Governance- und Compliance-Prozesse durchzuführen. Man werde weiterhin eng mit der ILGA kooperieren, um das verlorene Vertrauen zurückzugewinnen.

Schwere Vorwürfe gegen Crown Resorts

Neben dubiosen Aktiendeals zwischen James Packer und dem umstrittenen Melco-CEO Lawrence Ho, waren es vor allem Beweise für Geldwäsche, die zum Lizenzentzug führten. Sowohl die Konten von Tochtergesellschaften als auch die der Crown Casinos Melbourne und Perth waren in kriminelle Aktivitäten verwickelt. So kam es unter anderem zu Kooperationen mit chinesischen Junket Operator-Agenturen, die in Kontakt mit Verbrechersyndikaten stehen.

Junket Operators sind Agenturen, die schwerreiche Casinogäste anwerben und diese auf organisierten Glücksspielreisen betreuen. Zum Beispiel werden Auskünfte über hohe Gewinnchancen geliefert. Die Tätigkeit ist in Australien (noch) erlaubt, es dürfen aber keine Kunden aus Ländern in denen Glücksspiele verboten sind angeworben werden, wie zum Beispiel China. Crown hatte von Kontrollen abgesehen, obwohl bereits 2014 Berichte über kriminelle Verbindungen auftauchten.

Die ILGA sprach folglich von unzureichender Sorgfalt bei der Auswahl der Geschäftspartner. Im Abschlussbericht unterstellte die Behörde Crown einen ungerechtfertigten Glauben an sich selbst, unternehmerische Arroganz sowie einen Mangel an gründlichen Überprüfungen. Um wieder als geeigneter Lizenznehmer eingestuft zu werden, hat die ILGA eine Umstrukturierung des Managements und der Firmenphilosophie gefordert.

Crown lehnt Angebot von Blackstone ab

Inmitten der Affäre um Crown hatte die New Yorker Investmentgesellschaft Blackstone Ende März überraschend ein Übernahmeangebot in Höhe von 6,1 Milliarden US-Dollar vorgelegt. Die Private-Equity-Gruppe breitet sich zurzeit rasant im Glücksspielsektor aus und besitzt bereits Anteile an mehreren Casinos in Las Vegas und Macau. Auch an Crown hält Blackstone bereits einen Anteil von 9,99 Prozent.

Folglich hatte sich Hauptaktionär James Packer gegenüber einem Verkauf von Crown offen gezeigt, nun wurde das Angebot jedoch zurückgewiesen. Hauptgrund dürfte sein, dass Blackstone seinen Anteil nicht von Crown, sondern von Melco erhalten hatte. Dies basiert wiederum auf einem dubiosen Aktiendeal im Juni 2019 zwischen Packer und Melco-CEO Lawrence Ho, dessen Vater beschuldigt wird, mit kriminellen Syndikaten zu kooperieren.

Der Vorgang hatte erheblich zum Entzug der dritten Crown-Lizenz beigetragen – laut Lizenzvereinbarung durfte Crown in keinerlei Geschäftsbeziehungen mit Melco treten. Dennoch hatte Packer Ho 20 Prozent seiner Aktien zu einem Preis von 2,5 Milliarden Dollar angeboten. Eine erste Transaktion von 1,2 Milliarden Dollar wurde im Juni 2019 durchgeführt. Im September sollte der Deal abgeschlossen werden. Der Chef der Rechtsabteilung, Joshua Preston, bekundete im August 2020 von diesen Aktivitäten nichts geahnt zu haben.

Neues Übernahmeangebot von Star

Anfang diese Woche schlug der rivalisierende Betreiber Star Entertainment Group eine Fusion mit Crown vor, die schätzungsweise einen kombinierten Betriebswert von umgerechnet 7,76 Milliarden Euro hat. An dem Angebot bekundete Crown jüngst großes Interesse und forderte mehr Informationen ein. Schon jetzt ist klar: Das fusionierte Unternehmen würde zu 59 Prozent den Crown-Aktionären und zu 41 Prozent den Star-Aktionären gehören. Die Entwicklungen bleiben abzuwarten.

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