MGM: Kein festes Angebot an Entain

Anfang Januar sorgte ein milliardenschweres Übernahmeangebot von MGM Resorts an Entain (früher GVC) für Schlagzeilen. MGM hatte allerdings noch keine konkreten Bedingungen genannt, zudem fühlte sich Entain mit der Angebotshöhe unterbewertet. Gemäß dem City Code on Takeovers and Mergers hatte MGM bis zum 01. Februar Zeit, um ein festes Angebot zu stellen. Nun hat sich der US-Casinoriese dagegen entschieden. Was sind die Hintergründe?

Die Wasserfontänen des Bellagios in Las Vegas.

MGM Resorts ist in Las Vegas vor allem für das Bellagio und das MGM Grand berühmt. ©AntonioJaneski/Unsplash

Megafusion auf Eis gelegt

Die Möglichkeit einer Fusion zwischen MGM und Entain sorgte Anfang Januar in der gesamten Glücksspielwelt für Aufsehen. Die beiden Marktgiganten sind schon seit August 2018 durch ein Joint Venture am wachsenden US-Markt für Sportwetten vereint. Eine Übernahme von Entain durch MGM wäre als eine der größten Fusionen in die Geschichte eingegangen, doch MGM zieht es laut eigenen Aussagen nicht in Erwägung, die Fusionspläne weiter zu konkretisieren.

Der US-Casinokonzern erklärte, sich nach einer sorgfältigen Prüfung und weiterführenden Überlegungen dazu entschieden zu haben, dem ursprünglichen Vorschlag kein überarbeitetes Angebot folgen zu lassen. Damit fällt die Entscheidung mehr als eine Woche vor dem Fristende (01. Februar), welches der sogenannte City Code on Takeovers and Mergers vorgeschrieben hat. Das ursprüngliche Angebot belief sich auf 11 Mrd. US-Dollar.

Joint Venture besteht weiter

Das Angebot bezog sich auf eine Tauschoption von 0,6 MGM-Aktien für jede Entain-Aktie, basierend auf den Schlusskursen am 31. Dezember 2020 (1.383 Pence pro Entain-Aktie). Dies hätte einem Aufschlag von 22 Prozent auf den Aktienkurs von Entain entsprochen. Die Entain-Aktionäre hätten folglich etwa 41,5 Prozent des kombinierten Unternehmens besessen, wobei den Aktionären eine begrenzte Baralternative angeboten wurde. Dennoch hätte das Angebot, so Entain, das Unternehmen signifikant unterbewertet.

Entain, die neue Firmierung des Ladbrokes-Inhabers GVC hat schon 2018 ein Joint Venture mit MGM begründet. Infolge der US-weiten Legalisierung von Online Sportwetten konnte sich Entain damit eine Lizenz am US-Markt sichern. MGM wiederum profitiert vom Knowhow des stark onlinefokussierten Eintain. Das Joint Venture wurde unter dem Namen Roar Digital gegründet. Die Hauptwettmarke heißt BetMGM, die seit September durch das Engagement des Hollywoodstars Jamie Foxx für Aufsehen sorgte. Beide Konzerne sind zu jeweils 50 Prozent am Unternehmen beteiligt.

Der Mehrheitsaktionär von MGM Resorts, InterActive Corp (IAC), hatte zu Jahresbeginn noch angekündigt, den Vorschlag zur Übernahme von Entain zu unterstützen. Man wollte bis zu einer Milliarde US-Dollar zur Verfügung zu stellen, um ein Barangebot für Investoren zu finanzieren, die nicht bereit sind, ihre Anteile in Aktien einzutauschen. Sowohl MGM als auch Entain erklärten indessen, dass die gescheiterte Übernahme keinen Einfluss auf die laufende Partnerschaft habe.

BetMGM ist Schlüsselmarke

BetMGM wurde 2018 durch eine erste Investition von 200 Mio. US-Dollar unterstützt. Im Juli 2020 wurden die Investitionen auf 450 Mio. US-Dollar ausgedehnt. Laut Bill Hornbuckle, CEO von MGM, bilde die Wettmarke weiterhin eine Schlüsselpriorität für das Unternehmen. Obgleich man bereits über herausragende landbasierte Spiel-, Unterhaltungs- und Hospitality-Formen verfüge, wolle man digital weiter expandieren.

Die Zusammenarbeit mit Entain sei an dieser Stelle von herausragender Bedeutung: MGM könne sich langfristig unter den Top 3 der US-amerikanischen Marktführer für Sportwetten etablieren. Bis Ende 2021 wolle man in mehr als 20 Staaten operieren, so Hornbuckle im Rahmen einer Pressemitteilung. Man freue sich daher weiterhin eng mit Entain zusammenzuarbeiten.

Momentan sind Online Sportwetten in 19 US-Staaten legal und boomen wie niemals zuvor. 2020 meldete die AGA (American Gaming Association) einen Umsatzrekord am US-Wettmarkt für August, der gleichzeitig den vierten Wachstumsmonat hintereinander darstellte. Die Einsätze beliefen sich auf 2,1 Mrd. US-Dollar, das größte monatliche Wettvolumen in der US-Geschichte. Die Rückkehr des landesweiten Spitzensports führte zu Einnahmen von 119,4 Mio. US-Dollar, was den zweithöchsten Bruttomonat aller Zeiten markierte.

Entain treibt Enlabs-Übernahme voran

Entain sorgt derweil nicht nur Übersee für Schlagzeilen. In Europa hat der iGaming-Riese ein vollständiges Angebot zur Übernahme des baltischen Optibet-Betreibers Enlabs veröffentlicht. Das Angebot beläuft sich auf umgerechnet rund 276,4 Mio. Euro. Auch hierbei steht ein Aktientausch im Fokus: Dieser wartet für die Enlabs-Aktionäre mit einer Prämie von 1,1 Prozent basierend auf dem Börsenschlusskurs am 05. Januar auf.

Laut Entain sei der Hauptgrund für das Angebot ein Zugang zum baltischen Markt. Entain erklärte, dass sowohl der Markt Lettland, wo Enlabs Marktführer ist, als auch die Märkte Estland und Litauen, gut ins Portfolio von Entain passen und mit der Expansionsstrategie des Unternehmens übereinstimmen. Bis Ende 2023 wolle man auf diesem Weg 100 Prozent der Einnahmen aus lokal regulierten Märkten generieren. Die Entwicklungen bleiben abzuwarten.

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