MGM Hand in Hand mit IAC

Der US-amerikanische Casinobetreiber MGM Resorts hat 12 Prozent seiner Anteile an den digitalen Medienriesen IAC (InterActiveCorporation) abgetreten. Der Wert der Beteiligung liegt bei 1,0 Mrd. US-Dollar. Ziel der Kooperation ist eine erhöhte Internetpräsenz von MGM. Der Glücksspielgigant sieht sich zurzeit mit vielen Herausforderungen konfrontiert und befindet sich in einer Phase der Umstrukturierung. Mit welchen Entwicklungen ist zu rechnen?

Das berühmte MGM Grand in Las Vegas.

Das Online Glücksspiel bildet bei MGM bisher nur eine vergleichsweise winzige Einnahmequelle. ©ThomasHaas/Unsplash

Ausbau des MGM-Online Glücksspiels

Nachdem im Januar bekannt wurde, dass MGM Teile seiner Casinos an Blackstone verkauft, folgt nun ein weiterer großangelegter Umschwung. Für eine Milliarde US-Dollar tritt MGM Anteile von 12 Prozent an IAC ab. Das digitale Medienunternehmen ist vor allem für Online Dating-Portale wie Tinder oder Match.com bekannt. Zudem steht der Konzern hinter dem Online Reisebüro Expedia sowie hinter ANGI Homeservices.

Die Beteiligung an dem in Las Vegas stationierten Glücksspielkonzern MGM beschreibt IAC als einmalige Gelegenheit zum Ausbau seines Geschäftsbereichs. Laut Barry Diller, Vorsitzender von IAC, befindet sich das Internetunternehmen zurzeit auf dem Höhenflug. Man sei mit einem Vermögen von 3,9 Mrd. US-Dollar in bar ausgestatten, habe keine Schulden und verfüge über eine außergewöhnliche Energie.

An der MGM-Beteiligung reize Diller vor allem seine Führungsposition in den Bereichen Freizeit, Gastgewerbe und Glücksspiel. Was derzeitig jedoch nur einen geringfügigen Anteil ausmacht, sei das Online Glücksspiel. Die Partnerschaft mit MGM sei für IAC daher der logische Schritt, um die Sparte in das MGM-Portfolio so integrieren und mehr Reichweite zu erzielen.

Dass die Pläne erfolgreich verlaufen, ist wahrscheinlich, denn Diller ist ein erfahrener Medienmanager, der bereits als Vorstandsvorsitzender von Paramount Pictures fungierte und Filme wie Indiana Jones, Beverly Hills Cop und Grease produziert hat. Später, als Vorsitzender und CEO von 20th Century Fox, gründete er das Fox-Sendernetzwerk und verhalf Kult-TV-Serien wie The Simpsons zum Erfolg.

Außergewöhnliche Investition für IAC

In einem Brief an die Aktionäre erklärten Diller und der leitende CEO Joey Levin, dass sich die Investition in MGM erheblich von den üblichen IAC-Investitionen unterscheidet. Erstens habe man eine große Minderheitsposition in einem öffentlichen Unternehmen aufgebaut, was bei IAC keine gängige Methode sei.

Zweitens handle es sich bei den erworbenen Wertpapieren um Stammaktien, also genau die gleichen Wertpapiere, die jeder Investor zurzeit mit genau 19 US-Dollar kaufen und verkaufen könnte. Drittens habe man Wertpapiere eines Unternehmens gekauft, das aktuell relativ wenig mit dem Internet zu tun hat. Damit habe man viertens einen Teil des IAC-Vermögens in eine neue Richtung für das Unternehmen gelenkt.

Man würde es daher begrüßen, in einer Weise zum Erfolg von MGM beizutragen, dass die Vorstände beider Unternehmen die Beteiligung befürworten. Die Gelegenheit einem so erfolgreichen Konzern wie MGM zum Onlinestart zu verhelfen, biete sich nicht oft. Man könne einzigartige Expansionen vorantreiben und damit an einem enormen Potenzial teilhaben.

Laut Diller habe IAC schon seit einiger Zeit nach Möglichkeiten gesucht, in den boomenden Online Glücksspielmarkt einzusteigen, in diesem Feld herrsche bei IAC Nachholbedarf. Um eine gute Marktposition im Internet zu erreichen, ließe sich die starke physische Präsenz von MGM hervorragend nutzen.

Vorteile durch GVC-Joint Venture

Natürlich spielte auch die aktuelle Gesundheitskrise um Covid-19 eine Rolle – wie allen großen landbasierten Glücksspielunternehmen hat der Casino-Shutdown in Las Vegas auch MGM schwer zugesetzt. Aus diesem Grund sei auch der Ausbau des Online Glücksspiels das Hauptmotiv der Partnerschaft. MGM verfüge über eine kultige Marke und viele Möglichkeiten, geistiges Eigentum über verschiedene Kanäle zu monetarisieren.

Hervorgehoben wurde an dieser Stelle das im Juni 2019 besiegelte Joint Venture zwischen MGM und GVC. Mit einem so kompetenten Partner wie dem britischen Ladbrokes-Inhaber, verfüge man über die perfekten Voraussetzungen, um ein gemeinsames Onlinegeschäft zu etablieren.

Im Zentrum der Partnerschaft zwischen MGM und GVC stand der Ausbau der neuen Marke Roar Digital. Im Zuge des 50/50-Deals erhielt GVC außerdem eine Lizenz im US-Bundesstaat Nevada. Beide Vertragspartner hatten satte 100 Mio. US-Dollar in die Kooperation investiert. Hauptziel war die Etablierung eines gemeinsamen Sportwettprogramms infolge der PASPA-Aufhebung im Mai 2018. Seitdem obliegt die Regulierung von Sportwetten den einzelnen US-Staaten.

MGM begrüßt Partnerschaft

Das von der Corona-Krise schwerangeschlagene Unternehmen MGM, das seine Onlinegeschäfte bereits durch einen Sportwett-Deal mit Yahoo auszubauen versuchte, kann die Beteiligung von IAC nur begrüßen. Der Vorsitzende von MGM Resorts, Paul Salem, hieß den neuen Investor daher Willkommen. Im selben Atemzug wurde IAC dazu eingeladen, an den Nominierungen für den künftigen Vorstand mitzuwirken.

Gelobt wurde die große Erfahrung, die Barry Diller und Joey Levin aus der Welt des Internets mitbringen. Diese wolle man, so Salem, voll und ganz ausnutzen. Die Markenfamilie und das digitale Fachwissen von IAC seien eine großartige Ergänzung für MGM. Auch bei der Nutzung von digitalen Vermögenswerten könne IAC behilflich sein. Ob der gewünschte Erfolg tatsächlich eintritt, bleibt vorher allerdings abzuwarten.

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