Mallorca will Spielstätten reduzieren

Die hohe Dichte an Spielhallen und Wettbüros auf Mallorca wird schon seit längerem kritisiert. Nun plant die Regierung der Hauptstadt Palma eine drastische Reduktion: Eine neue Mindestabstandsregel soll dafür sorgen, dass ein Großteil der Spielstätten von der Bildfläche verschwindet. Auch die Vergabe von Lizenzen für Neueröffnungen soll erschwert werden. Wie sehen die Pläne der Regierung im Detail aus?

Die Kathedrale von Palma de Mallorca.

Die Regierung von Palma will die Zahl der Spielstätten künftig auf ein Minimum senken. ©Matthias_Lemm/Pixabay

Öffentliche Gesundheit im Fokus

Neus Truyol, Stadtratsmitglied von Palma, will der Zunahme von Spielsalons auf Mallorca künftig einen Riegel vorschieben. Laut Truyol sei die massive Ausbreitung von Spielhallen und Wettbüros hochgradig problematisch für die öffentliche Gesundheit. Zudem würden die zahlreichen Spielstätten das Panorama der Balearen-Hauptstadt ruinieren.

Auch der Nachbarschaftsverband von Palma meldete sich zu Wort: Die zunehmenden Spielprobleme gingen häufig mit Drogenkonsum einher, was einen gefährlichen Kreislauf darstelle. Die Mehrheit der Bürger sei daher ebenfalls für eine Beschränkung des Marktes, so das Ergebnis einer Umfrage. Der Stadtrat habe sich im letzten Dezember gegen Spielhallen ausgesprochen und müsse nun Worten Taten folgen lassen.

Einführung von Mindestabstandsregel

In einer Pressekonferenz erklärte Truyol, dass der Stadtrat zurzeit an einem neuen Modell für menschenwürdiges Wohnen und Nachhaltigkeit arbeite. Das Modell sehe eine Reihe neuer Beschränkungen vor, um der Expansion von Spielhallen und Wettbüros Einhalt zu gebieten. Unter anderem sollen Mindestabstände zwischen den Spielstätten eingeführt werden. Ähnliche Abstände sollen zwischen den Einrichtungen und Schulen sowie Kindergärten gelten.

Auf diesem Wege soll die Anzahl der Einrichtungen auf ein Minimum reduziert werden. Dies führe einerseits zu einem Rückgang von Spielproblemen, andererseits werde das Stadtbild verbessert. Bisher wurden den Bürgern und Touristen in Palma vielfältige Möglichkeiten des Spielens und Wettens geboten, doch ähnlich wie auch schon beim Thema Alkohol, sei das hohe Maß an Glücksspielaktivitäten nicht mehr mit dem neuen Image der Insel zu vereinbaren.

Das hohe Aufgebot an Spielstätten auf Mallorca ist ein hausgemachtes Problem: Denn pünktlich zur Fußball-WM 2018 hatte Mallorca 140 zusätzliche Spielsalons etabliert. Noch bis August 2017 durften die Spielhallenbetreiber Mallorcas überhaupt keine Wetten auf etwaige Sportereignisse anbieten. Mittlerweile gehört jener Glücksspielzweig aber zum festen Betriebskern für über 50 mallorquinische Spielhallen, von denen sich die meisten in Palma befinden. Bis zum Anstoß der WM hatte sich die Anzahl der Etablissements verdreifacht, dazu wurden vor allem in den Touristenregionen zahlreiche Betting-Terminals installiert.

Wird illegales Glücksspiel gestärkt?

Die Debatte um schärfere Restriktionen kam ins Rollen, nachdem ein Betreiber beim Stadtrat Palma einen Antrag auf Erweiterung seiner Spielstätte eingereicht hatte. Dieser wurde vom Stadtrat abgelehnt. Hierbei fiel unter anderem auf, dass sich die besagte Spielstätte in einem Abstand von weniger als 70 Meter zu einem Spielplatz befindet. Der Stadtrat bat folglich die Regierung um eine Stellungnahme.

Von der Mindestabstandsregel betroffen ist unter anderem der deutsche Glücksspielriese Gauselmann. Auf Mallorca ist der Merkur-Inhaber mit seiner Marke Merkur-Dosniha vertreten und betreibt dort insgesamt vier Spielhallen. Jüngst warnte der CEO Carlos Chacón vor einer Durchsetzung der Regel, da diese zum Aus vieler legaler Spielhallen führe, was das illegale Glücksspiel wiederum bestärken würden.

Die legalen Spielhallen würden, so Chacón, ein hohes Maß an Spielerschutz bieten, man halte sich unter anderem an verantwortungsvolle Werbestrategien und hohe Verifizierungsmaßnahmen. Beim illegalen Glücksspiel sei dies jedoch nicht der Fall. Daher würde eine Überregulierung eher zu unerwünschten Ergebnissen führen. Das illegale Glücksspiel könne sich ausbreiten.

Spielhallen-Reduktion in ganz Spanien

Den Startschuss zur landesweiten Spielhallen-Reduktion lieferte die katalanische Hauptstadt Barcelona im Oktober 2019. Für Furore gesorgt hatte im Vorfeld eine Razzia der spanischen Nationalpolizei, die unter dem Namen Operation Arcade Schlagzeilen machte. 1.881 von über 3.000 spanischen Spielhallen und Wettbüros wurden überprüft. Die Polizei registrierte dabei 28 minderjährige Spieler und 184 Erwachsene, die sich nicht ausweisen konnten.

Infolge gerieten die spanischen Spielhallen – und besonders Palma de Mallorca – immer mehr unter Druck: Denn mit insgesamt 59 Spielsalons (sogenannten Salas de juegos) und fünf reinen Wettbüros (Casas de apuestas deportivas) gehört Palma offiziell zu den Städten mit der höchsten Dichte an Spielhallen in ganz Spanien. Die Behörden sorgten sich folglich um eine Zunahme des problematischen Glücksspiels, insbesondere mit Blick auf Kinder und Jugendliche.

Miguel Piñol, Leiter der Abteilung für Gewerbe der balearischen Landesregierung, kritisierte, dass sich die Spielstätten von Palma vor allem in den ärmeren Vierteln befinden. Grund seien die besonders günstigen Mieten im Vergleich zu wohlhabenderen Gegenden. Folglich begannen Inspektorenteams damit, die Einhaltung aller Vorschriften, insbesondere Alterskontrollen, sowie Überprüfungen der Lizenzen vorzunehmen. Bis heute hält die Debatte um die Spielhallen an.

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