Lotterie: DCMS berät über Mindestalter

Im Rahmen der britischen Glücksspielreform hatte das DCMS (Department for Digital, Culture, Media & Sport) Ende letzten Jahres angekündigt, das Mindestalter zur Teilnahme an der Nationallotterie (UK National Lottery) von 16 auf 18 Jahre zu erhöhen. Vom derzeitigen Betreiber Camelot wurde der Schritt begrüßt. Nun mehrt sich aber doch Kritik an dem Vorhaben, was zu einer Konsultation des DCMS führte. Welche Lösungen bietet das Ministerium an?

Die London Tower Bridge bei Nacht.

Konkurrenzkampf um UK’s Lotterie: Im Rennen sind Camelot, Sazka und Sugal & Damani. ©jonkilmartin/Pixabay

Gleichsetzung von Lotterie und Alkohol?

Längst hat der Konkurrenzkampf um die britische Lotterie Fahrt aufgenommen, nun mehren sich zusätzlich Diskussionen um die geplante Anhebung des Mindestalters von 16 auf 18: Das zuständige DCMS hat diesbezüglich eine Konsultation einberufen. Hintergrund sind kritische Stimmen aus der Industrie. Der derzeitige Betreiber Camelot und viele Einzelhändler, die Lottoscheine verkaufen, haben Bedenken über sinkende Verkaufszahlen geäußert.

Laut neuesten Meldungen erwägt das DCMS nun einen neuen gesetzlichen Rahmen, der es Personen zwischen 16 und 17 Jahren auch weiterhin erlauben soll, Lottoscheine und Lose unter bestimmten Beschränkungen zu kaufen. Grundvoraussetzung für den Erwerb wäre demnach die Vollmacht eines erziehungsberechtigten Erwachsenen. Eine ähnliche Regelung besteht in England, Schottland und Wales bereits in Bezug auf den Verkauf von Alkohol.

Laut DCMS habe man nach einschlägigen Untersuchungen festgestellt, dass 16- und 17-Jährige nicht nur einen bedeutenden Teil der Einnahmen im Einzelhandel generieren, sondern auch vermehrt Nebentätigkeiten in den Filialen nachgehen. Dies insbesondere an den verkaufsträchtigen Samstagen. Weil die Einnahmen (u. a.) wohltätigen Zwecken in ganz Großbritannien zugutekommen, seien diese Tatsachen bei der zukünftigen Regulierung zu berücksichtigen.

Die National Lottery ist die größte Lottoagentur Großbritanniens und wird seit 1994 von Camelot betrieben. Kontrolliert werden die Ziehungen, welche dem deutschen 6 aus 49 entsprechen, durch die National Lottery Commission. 25 Prozent der Einnahmen kommen der Allgemeinheit zugute, 12 Prozent werden direkt an die Regierung abgeführt, Camelot selbst erhält 4,5 Prozent. Die Lizenz für die Verwaltung der Lotterie wurde bisher alle sechs Jahre erneuert, weshalb immer wieder Konkurrenzkämpfe um die Lotterie entstanden. Bisher konnte Camelot das Rennen aber jedes Mal für sich entscheiden. Weitere Anwerber sind aktuell Sazka und Sugal & Damani.

Minister: Regel fördert Einzelhändler

Laut John Whittingdale, Minister für Medien und Daten, hat Camelot bereits bestätigt, dass die vorgeschlagene Regel für den Kauf und Verkauf von Lottoscheinen die Einzelhändler erheblich unterstützen würde. Man sei sicher, dass die Regel, sowohl die Interessen junger Menschen schützt und gleichzeitig sicherstellt, dass die Nationallotterie weiterhin genügend Mittel für gute Zwecke aufbringen kann. Die derzeitige Konsultation soll am 12. August 2021 um 12 Uhr mittags enden.

Auch, wenn die Regel sofort greifen soll, wird der neue modifizierte Gambling Act erst im kommenden Oktober in Kraft treten. Ab diesem Zeitpunkt müssen UK-lizenzierte Betreiber mit einigen Einschränkungen rechnen: Neben der Erhöhung des Mindestalters für die Lotterie wird eine 2-Euro-pro-Spin-Grenze bei Online Spielautomaten erwartet. Obendrein planen die Gesetzgeber, die Spiele zu verlangsamen und mehr Pausen zwischen den Spielrunden einzubauen.

Der populärste Aspekt der Reform ist die Beschränkung von Glücksspielwerbung, was sich vor allem auf die Partnerschaften zwischen Wettanbietern und Sportvereinen auswirken wird: Ein Verbot von Trikotwerbung steht in den Startlöchern, die Diskussion dreht sich allerdings auch um ein generelles Sponsoringverbot. Ausgelöst wurde die Debatte 2018 durch einen Skandal: Auf den Juniorenseiten von 15 britischen Profifußballklubs waren Wettreklamen abrufbar. Darüber hinaus laufen Untersuchungen des DCMS über ein potenzielles Verbot von Lootboxen, die in UK ebenfalls Teil vieler hitziger Kontroversen sind.

Wer wird neuer Betreiber der Lotterie?

Das nächste Ausschreibungsverfahren für die Verwaltung der Nationallotterie ist im November 2020 angelaufen: Mit von der Partie sind der derzeitige Inhaber Camelot, die tschechische Sazka Group und das indische Lottounternehmen Sugal & Damani. Wer das Rennen machen wird, ist derweil noch völlig unklar. Bekannt ist, dass die Ausschreibung anders als in den Jahren davor ablaufen wird.

Die zuständige UKGC (UK Gambling Commission) erklärte, dass einige neue Vorgabe gelten. Die Lizenz würde fortan für eine Laufzeit von zehn Jahren (anstatt sechs Jahre) vergeben. Dies, so die Behörde, würde dem künftigen Lizenznehmer einen klaren Zeitraum für seine Investitionsplanung geben.

Infolge einer Interessensbekundung haben die benannten Unternehmen eine Einladung zur Bewerbung sowie unterstützende Dokumente erhalten, die nun bearbeitet und ausgewertet werden müssen. Die Ausschreibung läuft bis zum kommenden September. Dem künftigen Lizenznehmer soll mehr Flexibilität in der Lotterieführung eingeräumt werden. Kulturminister Nigel Huddleston betonte jedoch, dass die Lotterie ein nationaler Schatz sei, der nur in verantwortungsvolle Hände gegeben werden dürfe.

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