Lootboxen: Sammelklage gegen Apple

Der Technologiekonzern Apple (Silicon Valley, USA) sieht sich mit einer Sammelklage von Eltern konfrontiert, die den iPhone-Hersteller wegen der Verbreitung von Lootbox-Spielen zur Rechenschaft ziehen wollen. Seit Jahren wird darüber diskutiert, ob es sich bei den zufallsbasierten Schatztruhen um Glücksspielelemente handelt, die Kinder und Jugendliche gefährden. Mit der Klage nimmt die Debatte nun weiter Fahrt auf.

Ein Playstation-Pad in den Händen eines Fifa-Spielers.

Neben Mario Kart Tour werden in der Klage auch Spiele wie FIFA von EA Sports genannt. ©EVGPhotos/Pexels

Spielvorteile gegen kleinere Geldsummen

Nur wenige Monate nach der Klage gegen EA in Frankreich steht in Kalifornien, USA, eine Sammelklage gegen den Tech-Gigant Apple wegen der Verbreitung von Lootbox-Spielen im Raum. Die Kläger sind eine Gruppe von Eltern, die der Meinung sind, dass die umstrittenen Lootbox-Elemente die Spielsucht bei Kindern und Jugendlichen fördern. Apple würde zur Verbreitung der Spiele beitragen und daran mitverdienen.

Lootboxen sind virtuelle Schatztruhen in Videospielen und Gaming-Apps wie zum Beispiel Mario Kart Tour. Sie beinhalten ein Sortiment an bestimmten Spielgegenstände, zum Beispiel Waffen, Werkzeuge, Trikots oder Kostüme, womit Spielvorteile gesichert werden können. Der Schlüssel für eine Truhe ist gegen kleinere Geldsummen, sogenannte Mikrotransaktionen erwerblich. Welcher Gegenstand sich in der jeweiligen Kiste befindet, bleibt dem Zufall überlassen.

Den Klägern zufolge handelt es sich bei den Truhen deshalb um ein Glücksspielelement, welches problematische Spielweisen bei Heranwachsenden fördert. Derartige Produkte seien im US-Bundesstaat Kalifornien als illegal zu deklarieren. Obwohl Apple nicht Hersteller der Spiele sei, würde der Konzern die Spiele über seinen App Store vermarkten und Milliarden verdienen. Bei der Abrechnung der In-App-Käufe kassiere der Konzern 30 Prozent Provision.

Niedrige Altersstufen in der Kritik

Eingereicht wurde die Klage beim Bezirksgericht der Vereinigten Staaten für den nördlichen Bezirk von Kalifornien (United States District Court Northern District of California). Gefordert wird unter anderem, dass Apple alle bisherigen Einnahmen durch die Verbreitung von Lootbox-Spielen zurückerstatten muss. Außerdem soll es dem Konzern zukünftig verboten werden, Lootbox-Spiele über seinen App Store zu verbreiten.

Bemängelt werden die niedrigen Altersfreigaben der Spiele, die somit auch von Kindern heruntergeladen werden können. Im Zentrum der Kritik steht Mario Kart Tour von Nintendo, das im App Store ab 4 Jahren freigegeben wird. Ein weiterer Titel ist das Fußballspiel FIFA, das ebenfalls ab 4 Jahren gespielt werden darf. Dazu werden Spiele wie Brawl Stars (ab 9 Jahren) oder Roblox (ab 12 Jahren) genannt.

Lootbox-Spiele ähnlich wie Lotterien?

Darüber hinaus wird kritisiert, dass Apple seit 2017 in seinen Richtlinien von den jeweiligen Spieleanbietern fordert, bei den Lootbox-Elementen Gewinnchancen anzugeben. Dies sei laut Klägern dasselbe Prinzip wie bei einer Lotterie. Apple sei sich eindeutig bewusst, dass es sich bei den Schatztruhen um ein Glücksspielelement handelt. Die Ergänzung der Richtlinien sei daher lediglich eine minimale Absicherung aufgrund der wachsenden Kritik.

In den vergangenen Jahren hatte Apple die Altersstufen für Apps mit simulierten Glücksspielen immer weiter heraufgestuft, auch der Zugang zu Gambling-Apps wurde eingeschränkt. Trotz der Kritik von Spielerschützern, Suchtforschern und Eltern verbreiten sich die Lootbox-Spiele aber immer weiter. Laut Klägern würden diese von Apple bisher nicht als Glücksspiel oder simuliertes Glücksspiel eingestuft.

Hintergrund der Lootbox-Debatte

Die Diskussion um Lootboxen entfachte im November 2017 mit einer Kontroverse um das Videospiel „Star Wars: Battlefront 2“. Der Politiker Chris Lee, ein Mitglied des Repräsentantenhauses Hawaii, verglich das Spiel mit einem Online Casino für Kinder und Jugendliche. In Europa und den USA wird seither über die Risiken von Lootboxen diskutiert. In sozialen Netzwerken wurden die kritischen Stimmen immer lauter.

Apple geriet zunehmend ins Fadenkreuz der Kritiker. Durch die ursprünglich kostenlosen Spiele, generiert Apple gigantische Umsätze, was 2018 in einem Report des IT-Portals Golem bestätigt wurde. Im Jahr 2017 waren es demnach rund eine Milliarde US-Dollar. Die Lootboxen werden als sogenannte In-App-Käufe erworben. Allein die Umsätze des Games „Clash of Clans“ haben eine Marge von 90 Mio. US-Dollar pro Jahr.

Verbote in Holland und Belgien

In Ländern wie Holland und Belgien sind Lootbox-Elemente bereits verboten, bei Verstößen ist mit strengen Strafverfolgungen zu rechnen. Die Spiele unterstehen in diesen Ländern sogar dem Glücksspielgesetz. In diesem Sinne hatte Belgien im September 2018 bereits ein Verfahren gegen den FIFA-Entwickler EA Sports eingeleitet. Anfang 2019 knickte der Publisher ein und nahm die Lootboxen vom Makrt.

Unterdessen werden auch in Großbritannien und den USA Verbote und Kennzeichnungen gefordert. Die Debatte in Großbritannien dauert noch an, in den USA fiel bereits im letzten April die Entscheidung, Lootbox-Spiele mit einem neuen Label auszustatten. Dieses weist den Verbraucher darauf hin, dass die Spiele zufallsbasierte Features enthalten. Die Maßnahme konnte Apple jedoch nicht vor der Sammelklage bewahren. Die Entwicklungen bleiben abzuwarten.

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