Lootbox-Debatte: Zwangsvollstreckung durch Apple

Angesichts der international geführten Diskussion über Glücksspielelemente in Gaming-Apps hat sich der Marktriese Apple eingeschaltet. Nachdem bereits im letzten Dezember neue Zulassungsrichtlinien im App-Store präsentiert wurden, hat der US-Konzern nun diverse iOS-Updates für Lootbox-Spiele blockiert.

Schatztruhe mit Schloss im Apfelstil

Apple stoppt die Updates von Lootbox-Spielen. Bis die neuen Richtlinien umgesetzt sind, bleiben wohl einige Schatztruhen verschlossen.

Die Diskussion entfachte im November 2017 mit der Lootbox-Kontroverse um das Videospiel „Star Wars: Battlefront 2“. Ein „Star Wars-Onlinecasino für Kids“, nannte es zum Beispiel Chris Lee, Mitglied des Repräsentantenhauses Hawaii. In Europa und den USA wird seither über ein potenzielles Verbot von Lootboxen diskutiert. Auch in diversen sozialen Netzwerken werden kritische Stimmen immer lauter, doch wächst zeitgleich auch das Angebot an Gaming-Apps auf Lootbox-Basis. Spezifische Kennzeichnungen werden an dieser Stelle nicht nur von Seiten der Politik, sondern auch von den Spielern selbst gefordert. Wo genau liegt das Problem?

Gekaufter Sieg und Glücksprinzip

Bei Lootboxen handelt es sich um virtuelle Schatztruhen in Computerspielen. Diese beinhalten eine Auswahl an Spielgegenständen, zum Beispiel Waffen, Werkzeuge und bestimmte Kleidungsstücke. Um sich einen vermeintlichen Spielvorteil zu sichern, können Spieler, oftmals Kinder und Jugendliche, einen Schlüssel zur Truhe gegen kleinere Geldsummen erwerben – ohne zu wissen, welchen Gegenstand sie letztlich erhalten. Den Anbietern wird daher vorgeworfen Glücksspielsysteme zu befördern, da die Gegenstände nur durch sogenannte Mikrotransaktionen zu erwerben sind und zudem aufs Zufallsprinzip setzen. Auf diese Weise würden Kinder und Jugendliche zum einen an das Glücksspiel gewöhnt, zum anderen steigere das System auch das generelle Suchtpotenzial der Spiele.

Der Verdacht, dass sich moderne Gaming-Apps zunehmend den Glücksspielen annähern, wird auch durch die Ergebnisse einer bisher unveröffentlichten Studie der Hamburger Universität nahegelegt: Ein großer Teil der (Milliarden-)Umsätze wird demnach von relativ wenigen Kunden generiert, was ein typisches Merkmal von Glücksspielmärkten sei und somit auf eine Suchtproblematik hindeuten könnte.

Zwang zur Transparenz

Allein durch die iOS-Games generiert der Smartphone-Gigant Apple jährlich gigantische Umsätze –vom Erlös jeder verkauften Schatztruhe erhalte Apple einen Gewinnanteil von 30 Prozent, wie das IT-Portal Golem berichtet. Im Jahr 2017 waren es rund eine Milliarde US-Dollar, die von iPhone-Nutzern im App-Store von Apple ausgegeben wurden. Lootboxen für ursprünglich kostenloser Spiele können hier als sogenannte In-App-Käufe erworben werden. Das Game „Clash of Clans“ führt dabei mit einem Umsatzanteil von allein 90 Millionen US-Dollar die Tabelle an.

Aus diesem Grund – vor allem, um einem generellen Verbot durch die Politik vorzubeugen – geht das kalifornische Milliardenunternehmen aus dem Silicon Valley aktiv gegen die Glücksspielelemente in Gaming-Apps vor. In seinem App-Store hatte Apple bereits im Dezember 2017 aktualisierte Entwicklerrichtlinien präsentiert, welche die Spieleanbieter zu Transparenz bezüglich der Gewinnwahrscheinlichkeit bei Lootbox-Inhalten verpflichten. In den vergangenen Tagen ließ Apple seinen Worten Taten folgen – und blockierte kurzum die iOS-Updates für Lootbox-Spiele wie „Fire Emblem Heroes“ von Nintendo, „Final Fantasy Brave Exvius“ von Square Enix und „The Alchemist Code“ von Gumi. In ihrer aktuellsten Form waren die Spiele lediglich noch als Android-Versionen im Google-Play-Store erhältlich. Inzwischen soll zumindest Nintendo eingelenkt haben – „Fire Emblem Heroes“, so heißt es, sei bereits wieder in aktuellster Version auf iTunes erhältlich.

Mit den damit auch in der Praxis umgesetzten Apple-Richtlinien werden die Hersteller zur Offenlegung der Gewinnchancen hinsichtlich bedeutsamer Spielgegenstände gezwungen. Inwiefern dies die Lootbox-Regulierung in Deutschland beeinflusst, bleibt abzuwarten. Fakt ist: Noch diesen Monat soll die Entscheidung der Landesmedienanstalten gefällt werden. Dann könnte es sogar zu einem generellen Verbot der virtuellen Schatzkisten kommen. Das deutet zumindest die Aussage von Wolfgang Kreißig, Vorsitzender der Jugendschutzkommission, an: „Ich halte es für denkbar, dass Lootboxen gegen das Verbot von Kaufappellen an Kinder und Jugendliche verstoßen könnten.“ Möglicherweise kommt der Versuch Apples, das Geschäftsmodell durch mehr Transparenz zu retten, also zu spät.

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