Londoner Supreme Court verhandelt Phil Iveys Betrugsfall

2012 hatte der 10-fache Braceletgewinner der World Series of Poker Phil Ivey 7,7 Millionen Pfund (rund 9 Millionen Euro) beim Baccarat im Londoner Crockfords Casino gewonnen. Ihm wird „edge sorting“, eine Art des Kartenzählens, vorgeworfen. Das höchste Gericht Großbritanniens soll nun die Rechtslage zu diesem Streitpunkt klären.

Phil Ivey der Pokerspieler am Tisch

©Matt Waldron, Lizenz Pokerprofi Phil Ivey

Der Prozessgegner von Phil Ivey ist die Genting-Gruppe, sie gehört zu den größten Casinobetreibern in Südostasiens zu der auch das Crockfords Casino in London gehört. Das Vorgehen beim „edge sorting“ war dabei das Gleiche wie beim Borgata Casino 2012 in Atlantic City. Hier hatte der Pokerstar 10,1 Millionen Dollar (rund 9 Millionen Euro) als Preisgeld gewonnen. Auch das Borgata Casino verweigerte die Auszahlung.

Springender Punkt ist in diesem Fall, ob man das „edge sorting“ beim Punto Banco Baccarat als Betrug ansieht oder eben nicht. Rechtlich gesehen handelt es sich um eine Grauzone, die von vielen Casinobetreibern toleriert wird. Der Supreme Court soll nun entscheiden, ob Phil Ivey betrogen hat, oder nicht.

Worum geht es bei der „edge sorting“-Debatte?

Bei dieser Art des Kartenzählens macht sich der Spieler minimale Unterschiede auf der Rückseite der Karten zunutze. In der Regel weichen die geometrischen Muster an den langen Kanten in einem Kartendeck sehr minimal ab. Phil Ivey konnte diese Unterschiede selbst nicht feststellen, hatte aber die Partnerin Cheung Yin Sun, die darin geübt war. Sie hatte den Croupier im Casino gebeten, die Karten mit dem höchsten Wert um 180 Grad zu drehen. Begründet wurde diese Bitte mit einer Art des Aberglaubens. Sie konnte so hohe und niedrige Karten voneinander unterscheiden. Die genauen Kartenwerte sind zwar nicht bekannt, allerdings kann man besser abschätzen, ob es sich um ein gutes Blatt handelt und dann die Wetten platzieren. Laut einigen Experten kann man den normalen Hausvorteil beim Punto Banco Baccarat von einem Prozent aufheben. In diesem Falle habe sich Phil Ivey einen Vorteil von sechs Prozent verschafft. Diese Art der Auslegung ist jedoch sehr umstritten und dieser Punkt soll vom Supreme Court verhandelt werden.

Zweimal bekam das Casino bereits recht

Der Pokerprofi selbst gibt zu, dass er die Karten zu einem gewissen Grad anhand von kleinen Unterschieden auf der Rückseite erkennen konnte. Damit bringt Ivey einen Präzedenzfall ins Rollen, denn bisher ist nicht geklärt, ob es sich bei dieser Art des Kartenzählens um Betrug handelt oder nicht. Seine Anwälte argumentieren, dass es sich nicht um Betrug handelt, da das Casino seinen Hausvorteil behalten kann.

In den letzten 3 Jahren hatten zwei untergeordnete Instanzen den Fall verhandelt. 2-mal hatten sie gegen Ivey entschieden, allerdings hat er sein Recht auf Revision vor dem Supreme Court genutzt, sodass der Streit vor dem Obersten Gerichtshof Großbritanniens in eine neue Runde geht.

Verhandlungen vor dem Supreme Court

Am Donnerstag in der vergangenen Woche teilten beide Parteien ihre Argumente dem Gerichtshof mit. Der Anwalt von Ivey fokussierte sich dabei auf das Verhalten seines Mandanten und stellte klar, dass dies nicht unehrlich war. Laut dem Oxford English Dictionary von 1989 wäre dies eine Grundvoraussetzung für Betrug. Der Anwalt Richard Spearman zog folgende Schlussfolgerung aus dem Vorgehen seines Mandanten:

Es gibt überhaupt keine Feststellung, dass Herr Ivey in irgendeiner Weise unehrlich war. Er war ein ehrlicher Zeuge, der nicht glaubte, was er tat, war unehrlich.

Die Anwälte Crockfords stützten sich dagegen auf die Definition des Concise Oxford English Dictionary, das besagt, dass es bereits Betrug ist, wenn man sich einen Vorteil verschafft. Christopher Pymont, der rechtliche Vertreter der Genting-Gruppe entgegnete deshalb Folgendes:

Der Schlüssel zum Betrug ist nicht, ob der Spieler unehrlich gehandelt hat, sondern ob er bewusst gehandelt hat, um einen unfairen Vorteil im Spiel zu erlangen.

17 Millionen Euro sind der Gesamtstreitbetrag

Nicht nur im Crockfords Casino in London, sondern auch im Borgata Hotel Casino & Spa in Atlantic City hatte der Pokerstar diesen Vorteil beim Baccarat genutzt. Auch hier gab es bereits einige Verhandlungen vor amerikanischen Gerichten. Jetzt möchte Ivey den Fall auch in den USA vor die nächste Instanz bringen. Somit geht es hier folglich um eine Summe von mehr als 17 Millionen Euro Preisgeld. Der Pokerstar verzichtet in diesem Jahr auch auf die Teilnahme an der World Series of Poker, da seine Gerichtstermine zu viel Zeit einnehmen. Trotz dieses Betrugsfalles ist Phil Ivey einer der Anwärter für die Poker Hall of Fame und wird dort sehr hoch gehandelt. Ende dieser Woche wird entschieden, wer der Ehrenhalle beitreten kann.

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