Löwen Gruppe gibt Admiral-Filialen auf

Der Glücksspielkonzern Löwen-Gruppe gibt seine Wett-Filialen von Admiral auf. Dabei lässt das Unternehmen kein gutes Haar an der deutschen Politik. So sei nicht nur das Corona-Virus für die Schließung verantwortlich, sondern auch das Verhalten der Politik. Im Detail kritisiert das Unternehmen vor allem die deutsche Glücksspielregulierung als Ursache. Diese sei trotz jahrelangen Verhandelns noch immer nicht eindeutig geregelt.

Mit Holzbrettern vernageltes, geschlossenes Geschäft.

Viele Glücksspielunternehmen haben aufgrund der Coronakrise mit enormen Einbußen zu kämpfen. ©PixaPexel/Pixabay

Stationäre Wetten: Ein privater Anbieter weniger

Der stationäre Sportwetten-Markt in Deutschland ist um einen prominenten und privaten Anbieter ärmer. Der Sportwettenanbieter Admiral Sportwetten zieht sich aus dem stationären Geschäft zurück und gibt sein Filialgeschäft damit auf. Das teilte der Konzern jüngst mit. Als Grund hierfür wird neben der Coronakrise auch das Versagen der Politik aufgeführt, bzw. das Scheitern der deutschen Glücksspielregulierung. Admiral Sportwetten ist eine Tochterfirma der bekannten Löwen-Gruppe.

Wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet, gibt mit Admiral Sportwetten einer der wenigen legalen privaten Sportwettenanbieter mit Sitz in Deutschland sein Filialgeschäft auf. Der Konzern hat seinen Sitz in der norddeutschen Stadt Rellingen in Schleswig-Holstein, direkt vor den Toren Hamburgs.

Weiter heißt es, dass Admiral Sportwetten seine Wettshops in Deutschland bereits Mitte März aufgrund der Vorgaben zur Eindämmung der Corona-Pandemie schließen musste. Die Angestellten der insgesamt 17 Wettbüros befinden sich in Kurzarbeit. Besonders bitter für die Angestellten: In einigen Bundesländern wurden die Lockerungen jüngst aufgehoben und die Betriebe dürfen wieder öffnen. Für Admiral kommt dieser Schritt aber offenbar zu spät. Wie es heißt, sollen die Läden nicht mehr wiedereröffnet werden.

Wett-Branche mit massiven Einbußen

Im Zuge der Corona-Krise hat die gesamte Wettbranche derzeit mit enormen Einschränkungen zu kämpfen. Große Veranstaltungen werden abgesagt, Ligen pausieren oder werden ebenfalls abgebrochen. Branchenweit sollen die Einbußen im Umsatz so bei mehr als 95 Prozent liegen. Allerdings macht Admiral nicht nur die aktuelle Coronakrise für die Schließungen verantwortlich, sondern auch die Politik.

2014 wurden laut dem Unternehmen im Rahmen eines zweistufigen Prüfungsverfahrens 20 Konzessionen vergeben worden. Also rund drei Jahre nach der Verabschiedung des Glücksspielstaatsvertrages. Als einer der wenigen Anbieter, die sich für eine Lizenz beworben haben, hat Admiral seine Lizenz tatsächlich erhalten. Allerdings berichtet die Firma, dass das Verfahren schon damals als rechtlich nicht ganz wasserfest galt. Die Folge waren in der Tat zahlreiche Klagen von nicht-lizenzierten Anbietern, worauf in der Folge der Graumarkt deutlich an Fahrt gewann.

2017 habe sich Admiral dann nach einer staatlichen Duldung dazu entschieden, in das Wettgeschäft in Deutschland einzuholen. Im weiteren Verlauf sei dann im April nach der Verabschiedung der Änderungen am Staatsvertrag wieder ein Lizenzverfahren gerichtlich gestoppt worden. Daniel Henzgen, Mitglied der Geschäftsführung von Löwen Entertainment erklärt: „Damit fehlt es weiter an Rechtssicherheit.“

Mangelnde Motivation in der Politik

Zumindest in Teilen dürften die Vorwürfe von Admiral bzw. der Löwen Gruppe gerechtfertigt sein. Die deutsche Politik hat es in den letzten fast zehn Jahren bisher nicht geschafft, eine einheitliche Regulierung für das Online Glücksspiel ins Leben zu rufen. Dass diese Situation gefährlich ist, zeigt das aktuelle Beispiel von Admiral deutlich. Bislang galten vor allem die staatlichen Wettanbieter wie Oddset als gefährdet durch die Online-Konkurrenz. Offenbar sind aber auch die privaten stationären Anbieter nicht vor einer Schieflage geschützt. Die gute Nachricht, wobei auch diese für Admiral zu spät zu kommen scheint: Die Länder planen eine Überarbeitung des Glücksspielstaatsvertrags. Die Vorbereitungen hierfür laufen bereits.

In ersten Verhandlungen konnten sich die Minister darauf einigen, dass Glücksspiele im Internet großflächig legalisiert werden sollen. Darunter dann nicht nur Sportwetten, sondern zum Beispiel auch Online Casinos. Hierfür wird erst einmal eigene bundesweite Glücksspielbehörde benötigt, welche die erforderlichen Rahmenbedingungen für den Glücksspielmarkt festlegt.

Diese Behörde kann Bewerbungen von Unternehmen prüfen und diesen anschließend eine Lizenz für den deutschen Markt erteilen. Wie weit die Verhandlungen und Beratungen der Minister aktuell aufgrund der Coronakrise sind, ist allerdings unklar. Der ursprünglich gesteckte Zeitplan jedenfalls ist sportlich: Schon 2021 sollen die ersten Anbieter mit einer bundesweiten Lizenz aus Deutschland an den Start gehen können. Bis dahin ist allerdings noch eine ganze Menge zu tun. Dennoch ist die Entwicklung für die Glücksspielbranche – und nicht zuletzt die Spieler – enorm erfreulich.

Branche durch Corona in Schieflage

Die Industrie beschäftigt neben der Entwicklung der deutschen Gesetze aber aktuell natürlich vor allem die Corona-Pandemie. Die Sportwetten-Branche hat durch die Spielabsagen und Veranstaltungen enorm an Zulauf verloren. Die Umsätze brechen ein, gleichzeitig ist in vielen Fällen noch ungewiss, wie es weitergehen könnte. Fakt ist: Zahlreiche Ligen, zum Beispiel im Fußball, wurden in Europa bereits für beendet erklärt. Unwahrscheinlich, dass hier vor Herbst wieder gespielt wird. Diese Situation bedeutet für die Wettanbieter im schlimmsten Fall eine enorme Belastungsprobe. Es gibt aber auch ein paar kleine Hoffnungsschimmer. In Deutschland steht die Bundesliga Gerüchten zufolge vor einem möglichen Neustart. Der würde den Wettanbietern dann zumindest wieder ein bisschen Geld in die Kassen spülen.

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