KSA sieht Boom für Online Glücksspiel

Nach einigen Verzögerungen steht die Legalisierung des niederländischen Online Glücksspiels unmittelbar bevor. Die Lizenzierung internationaler Anbieter startet ab April. Laut Aussagen der zuständigen Glücksspielbehörde KSA (Kansspelautoriteit) sei mit einem regelrechten Boom zu rechnen: Bis 2024 sollen die Bruttoumsätze auf 1,1 Milliarden Euro ansteigen. Hiervon würden 69 Prozent im legalen Sektor generiert. Wie sehen die Prognosen im Detail aus?

Ein Tablet zeigt verschiedene Umsatzcharts.

Die Londoner Finanzagentur Regulus Partners stellt für Holland ebenfalls gute Prognosen. ©PhotoMix-Company/Pixabay

Spielerschutz geht vor Wachstum

Wenige Wochen vor dem Start der Lizenzvergabe in Holland hat die nationale Glücksspielbehörde KSA positive Prognosen für die künftige Marktentwicklung in Aussicht gestellt. Ein umfassender Bericht unter dem Titel Scope of the Online Games of Chance Market erörtert die Chancen des regulierten Online Glücksspiels und untersucht zugleich die potenziellen Konsequenzen der Legalisierung.

Prinzipiell wird der Branche ein starkes Wachstum bescheinigt. Bis zum Jahr 2024 sei mit einem Anstieg der Bruttoumsätze auf 1,1 Milliarden Euro zu rechnen, wobei 69 Prozent (~ 757 Millionen Euro) der Einnahmen auf dem legalisierten Markt erzielt würden. Unter anderem beruft sich die KSA hierbei auf aktuelle Ergebnisse von den Marktforschungsunternehmen H2 Gambling Capital und Regulus Partners (London).

Regulus bescheinigte dem niederländischen Online Glücksspielmarkt zuletzt Bruttoumsätze von 827 Millionen Euro, unterschied dabei aber nicht zwischen legal und illegal. Laut KSA-Vorstandschef René Jansen bestehe nach der Legalisierung ein erheblicher Anteil der Arbeit darin, das verbleibende illegale Angebot so klein wie möglich zu halten. Der vorliegende Bericht sei ein wichtiger Baustein in diesem Prozess.

Wie Jansen weiter ausführte, blicke man zurzeit vor allem in Richtung Dänemark und Schweden, wo ebenfalls Glücksspielreformen zugunsten des Onlinesektors durchgeführt wurden. Im Raum stehe dabei die Frage, wie sich die Aufsicht über das Online Glücksspiel am besten organisieren lässt. Die Erfahrungen auf anderen bereits regulierten Märkten seien entscheidend für eine gute Überwachung. Bei der Beaufsichtigung zukünftiger Lizenznehmer solle vor allem die Wahrung eines optimalen Spielerschutzes im Fokus stehen. Dieses Ziel habe bei der Reform die oberste Priorität.

Ziele des Remote Gaming Acts

Beim Remote Gaming Act handelt es sich um ein sogenanntes Fernglücksspielgesetz, welches die Legitimation und Regulierung internationaler Online Glücksspielanbieter auf dem Markt ermöglicht. Die Gesetzesnovelle wurde im Februar 2019 durch den Senat und das Oberhaus der niederländischen Legislative verabschiedet und ebnete somit den Weg zur offiziellen Legalisierung des Online Glücksspiels.

Wie bereits angedeutet, müssen alle interessierten Betreiber umfassende Strategien für verantwortungsbewusstes Spielen nachweisen, um eine Lizenz am Markt zu erhalten. Das oberste Ziel des Gesetzes ist die Kanalisierung der Kundschaft in den legalen Markt, womit eine Parallele zum neuen deutschen Staatsvertrag (GlüStV) geschlagen werden kann. In der Bundesrepublik hat das Lizenzverfahren allerdings schon gestartet – Tag der Marktöffnung ist der 01. Juli 2021.

Laut KSA nehmen eine Million Niederländer gelegentlich oder häufig an Online Glücksspielen teil. Bisher konnten diese jedoch nur bei irregulären Anbietern spielen, die zumeist in der EU lizenziert sind und damit innerhalb der europäischen Dienstleistungsfreiheit agieren. Dadurch, dass bisher keine nationale Regulierung bestand, seien die Kunden laut KSA nicht hinreichend geschützt worden. Es sei jedoch statistisch möglich, mindestens neun von zehn Spielern von nicht-lizenzierten Anbietern abzuziehen.

Der neue Bericht der KSA zeigt für Online Glücksspiele, trotz Illegalität, ein kontinuierliches Wachstum binnen letzter Jahre. Eine Marktöffnung nach europaweit bewährten Standards erscheint daher sinnvoll und bietet zudem eine Reihe von Chancen: Bessere Kontrollmöglichkeiten, mehr Arbeitsplätze und höhere Steuereinnahmen. Aus dem Bericht geht hervor, dass das Wachstum ohne die Ankündigung einer Legalisierung wahrscheinlich noch stärker ausgefallen wäre. Aufgrund der zunehmenden Digitalisierung sei kontinuierliches Wachstum aber sowohl in regulierten als auch in nicht-regulierten Ländern zu beobachten.

Gefährdet Steuersatz die Kanalisierung?

Davon geht das Unternehmen H2 Gambling Capital aus. Es wird angemerkt, dass der (vergleichsweise) hohe Steuersatz von 29 Prozent bei Online Glücksspielen ein großes Hindernis für die Kanalisierung in den legalen Markt darstellen könnte. In Schweden liege der Steuersatz zum Beispiel bei nur 18 Prozent, in Dänemark bei 20 Prozent. Das oberste Ziel des Remote Gaming Acts könnte dadurch in erheblicher Weise gefährdet werden.

Hier kann eine weitere Parallele zur Bundesrepublik gezogen werden, wo derzeitig eine Einsatzsteuer von acht Prozent auf Spielautomaten diskutiert wird. Normalerweise werden die Bruttospielerträge und nicht die Spieleinsätze besteuert. Laut Forschungsergebnissen der Universitäten von Bochum und Düsseldorf wären Online Casinos unter dieser Steuerlast dazu gezwungen, die Auszahlungsquoten herabzusetzen. Die Angebote wären dadurch nicht mehr attraktiv genug, um eine erfolgreiche Kanalisierung aufrechtzuerhalten.

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