Kindred: Gewinnrückgang durch Regulierungskosten

Der auf Malta lizenzierte Glücksspielanbieter Kindred hat seine H1-Ergebnisse veröffentlicht und gibt an von schwedischen Regulierungskosten belastet zu werden. Trotz eines Umsatzanstiegs ist ein Rückgang des Gewinns zu verzeichnen. Der neuregulierte Glücksspielmarkt Schweden hat seine Pforten seit Jahresbeginn unter vergleichsweise strengen Regulierungsvorschriften geöffnet. Hier die wichtigsten Infos.

Der schwedische Regierungssitz in Stockholm.

Die schwedische Regierung hat den Glücksspielmarkt seit Jahresbeginn für europäische Anbieter geöffnet. (©Wikipedia)

Kritik an schwedischer Lizenzverordnung

Der Unibet- und 32Red-Inhaber Kindred hat seine H1-Ergebnisse präsentiert und macht die hohen Regulierungskosten auf seinem Heimatmarkt Schweden für einen Ergebniseinbruch im zweiten Quartal verantwortlich. Obgleich Kindred in der ersten Hälfte des Geschäftsjahres einen Umsatzanstieg gegenüber dem Vorjahr verzeichnen kann, kam es dennoch zu einem Rückgang des Gewinns: Im Vorjahresvergleich fiel der Bruttogewinn des Unternehmens um ganze sieben Prozent. Dies sei laut Geschäftsführer Henrik Tjärnström „zum Teil auf neue Regulierungskosten in Schweden“ zurückzuführen. Die Lizenzkosten Schwedens hatte der CEO binnen letzter Monate mehrfach kritisiert. Tjärnström fortführend im Zitat:

“Wie wir schon länger hervorgehoben haben und wie wir im ersten Quartal 2019 gesehen haben, hat die neue Lizenzverordnung in Schweden zu einem kurzfristigen, aber erheblichen Margendruck geführt – durch höhere Wettgebühren und durch ein stärkeres Marketing. Auf dem schwedischen Markt verzeichneten wir eine deutliche Verbesserung gegenüber dem Vorquartal, aber der EBITDA-Beitrag liegt immer noch unter 9,2 Mio. Pfund im Vergleich zum zweiten Quartal des Vorjahres.”

Insgesamt stabile Entwicklung

Die Entwicklung des börsennotierten Betreibers verläuft insgesamt stabil: Trotz einer deutlichen Erhöhungen der Betriebskosten kann Kindred für die ersten sechs Monate des Jahres 2019 einen Umsatzanstieg von sechs Prozent auf umgerechnet 505,1 Mio. Euro verbuchen. Das Wachstum wurde teilweise durch einen Anstieg im Bereich Sportwetten vorangetrieben, die Umsätze stiegen hier von 117,9 Mio. Euro auf 122,4 Mio. Euro. Im Q2-Vergleich ist dieser Wachstumsschub umso bemerkenswerter, da Kindred hier auf Grund der Fifa-WM 2018 mit einem schwierigen Vergleichszeitraum zu kämpfen hat.

Doch wie bereits angedeutet verzeichnete das Unternehmen auch einen Anstieg der Umsatzkosten um 19 Prozent, dazu eine Erhöhung der Wettgebühren um ganze 32 Prozent. Daraus resultierend betrug das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) rund 68,3 Euro. Zum Vergleich: Das EBITDA des Vorjahres lag dagegen bei rund 99 Mio. Euro.

Innerhalb des Berichtszeitraums reduzierte dies den Bruttogewinn um drei Prozent, was einen Abstieg auf rund 252,5 Mio. Euro markiert. Durch die höheren Marketingkosten und Verwaltungskosten fiel der Betriebsgewinn im Vergleich zum Vorjahr folglich um mehr als 50 Prozent auf rund 41 Mio. Euro. Zudem sank auch der Vorsteuergewinn um 32 Prozent auf rund 36,4 Mio. Euro, der Reingewinn sank im Vergleich zum Vorjahr ebenfalls um 50 Prozent auf rund 31,1 Mio. Euro.

Höchsten Marketingkosten seit 2013

Im Rahmen einer Präsentation sprach Tjärnström außerdem von erhöhten Marketing-Ausgaben im Q2 als Grund für die Einbußen – die Marketingkosten (rund 120 Mio. Euro) seien im Vergleich zu den Vorjahren die höchsten seit 2013, mit Ausnahme des WM-Jahres 2018. Um zukünftiges Wachstum zu generieren, werde Kindred jedoch auch weiterhin in moderne Technologien sowie den seit Mai 2018 legalisierten US-Sportwettmarkt investieren. Hierzu erklärte der CEO:

“Auch wenn die Investitionen die Profitabilität kurzfristig beeinträchtigen können, sind wir zuversichtlich, dass diese das zukünftige Wachstum der Bruttogewinne und Gewinne auf unseren lokal lizenzierten Märkten vorantreiben werden. Die wesentlichen Faktoren, bilden die künftigen Investitionen in den USA.”

Zum Verständnis

Der reformierte Glücksspielmarkt Schweden ist seit Anfang des Jahres geöffnet. Eine ganze Reihe europäischer Anbieter tummelt sich seitdem auf dem Markt, darunter Unternehmen wie LeoVegas, Mr Green oder Betsson. Insgesamt wurden über 70 Lizenzen vergeben, allerdings gegen ebenso stringente wie kostspielige Auflagen der örtlichen Regulierungsbehörde Spelinspektionen.

Allein die Bewerbung für die Zulassung von Online Casino-Spielen kostet umgerechnet 38.000 Euro. Wer Online Casinos plus Sportwetten anbieten will, zahlt 74.000 Euro. Zudem gilt ein Steuersatz von 18 Prozent auf die Bruttoumsätze.

Darüber hinaus sind die Werbeauflagen des Landes in Bezug auf „übertriebene Gewinnbotschaften“ besonders streng. Pop-Up-Werbung ist gänzlich verboten, außerdem müssen alle Marktteilnehmer ein national anerkanntes Selbstausschlusssystem implementieren. Dass es die Behörden ernst meinen zeigte sich jüngst am Lizenzentzug von Global Gaming.

Dem Betreiber wurde vorgeworfen seine Einsatzlimits auf mehren Webseiten nicht hinreichend überprüft zu haben. Konkret ging es um die Spielaktivitäten von zehn Kunden, die laut Behörden erhebliche Summen zwischen 50.000 und 1,1 Mio. SEK ausgegeben haben, ohne dass der Anbieter die Kunden überprüft hat. In Schweden gilt laut Gesetz ein Einsatzlimit von 10.000 SEK (~ 1.053 Euro).

Im Übrigen führt das ehemalige Staatsmonopol Svenska Spel nach wie vor den neuregulierten Markt an. Allein im Q1 2019 beliefen sich die Gesamtumsätze im Bereich Online Casino auf 86,9 Mio. Euro.

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