Kanada: Parlament bewilligt Wettreform

Die kanadische Wettreform schreitet weiter voran: Der Gesetzentwurf des Abgeordneten Kevin Waugh hat die zweite Lesung erfolgreich bestanden. Die Legalisierung von Einzelwetten geht damit in die letzte Phase der Anhörung. Parallel arbeitet die Provinz Ontario an der Abschaffung des Glücksspielmonopols zugunsten des Online Glücksspiels. Wie sehen die Entwicklungen im Detail aus?

Das kanadische Parlamentsgebäude in Ottawa.

Vertreter aus Industrie und Sport hatten die Gesetzesänderung seit Jahren gefordert. ©BenoitDebaix/Unsplash

Positive Auswirkungen auf Gemeinden

Kanadas Gesetzentwurf für Einzelwetten hat erfolgreich die zweite Lesung passiert. Mit einer deutlichen Mehrheit von 303:15 wurde Kevin Waughs Safe and Regulated Sports Betting Act (Bill C-2018) bewilligt. Der Entwurf geht nun in die letzte Phase der Anhörung: Hierfür wird er zuerst dem Ständigen Ausschuss für Justiz und Menschenrechte (JUST) vorgelegt, bevor er für die königliche Zustimmung (Royal Assent) weitergeleitet wird.

Der Gesetzentwurf wurde im November vom konservativen Abgeordneten Kevin Waugh ins Parlament eingebracht. Das Gesetz würde den Paragrafen 207(4)(b) des kanadischen Strafgesetzbuches aufheben. Dieser besagt, dass Sportwetten nur dann legal sind, wenn Spieler gleichzeitig auf mindestens drei oder mehr Spiele wetten. Schon seit längerem hatten Buchmacher und Sportligen wie die NHL (National Hockey League) eine Wettreform in Kanada gefordert.

Innerhalb der Lesungen drückten mehrere Parlamentarier ihre Unterstützung für den Entwurf aus: Hervorgehoben wurden vor allem die positiven Auswirkungen der Reform auf die Gemeinden und die zusätzlichen Chancen für Staat und Wirtschaft. Der parlamentarische Sekretär des Arbeitsministers, Irek Kusmierczyk, erklärte, dass das Gesetz mehr Arbeitsplätze und eine größere Jobsicherheit verspreche. Zudem könne der Markt besser kontrolliert und der Verbraucherschutz gestärkt werden.

Kevin Waugh (66), der Initiator der Wettreform, ist seit 2015 Abgeordneter der Konservativen Partei. Vor seiner politischen Karriere war er langjähriger Sportreporter bei CTV Saskatoon. Bevor er sich dem Thema Sportwetten widmete sorgte er 2016 mit einem Gesetzentwurf für Steuerrabatte im Bildungssektor für Aufsehen. Der Gesetzentwurf C-241 sah einen Waren- und Dienstleistungssteuerrabatt für Schulen und Schulbehörden vor. Das Gesetz hätte dafür gesorgt, dass Schulen effektiv von der Steuerzahlung befreit worden wären, es wurde jedoch in zweiter Lesung von der liberalen Mehrheit abgelehnt.

Mehr Transparenz und Steuereinnahmen

Kevin Waughs Wettreform erhielt Zuspruch von mehreren Seiten: Sébastien Lemire, Abgeordneter des Blocks für Abitibi-Témiscamingue in Quebec, erklärte, dass die Verabschiedung des Gesetzes die Transparenz des Marktes verbessere. Sportwetten würden besser reguliert, parallel würden der Regierung zusätzliche Ressourcen zur Verfügung gestellt, um den Spielerschutz zu verbessern. Der Gesetzentwurf sei das Mindeste, was Kanada tun könne.

Kevin Waugh fügte hinzu, dass das Gesetz sicherstelle, dass die Gewinne aus Sportwetten zukünftig in die Gemeinden, das Gesundheitswesen, die Bildung und den Jugendsport fließen können. Offshore-Anbietern, die nichts in den Markt zurückführen würden, könne damit Einhalt geboten werden. Derweil würden internationale Anbieter in Kanada rund 14 Milliarden Dollar pro Jahr verdienen. Nichts davon unterliege bisher den staatlichen Regulierungen oder Steuern.

Aus ähnlichen Gründen plant die Provinz Ontario derweil sogar eine Beendigung des Glücksspielmonopols und die Legalisierung des regulierten Online Glücksspiels. Der kanadische Glücksspielverband CGA (Canadian Gaming Association) hat den Schritt bereits begrüßt: Mit einem neuen Regelwerk könnten Kunden Zugang zu seriösen Online Glücksspielangeboten erhalten, hiervon würden auch landbasierte Casinos profitieren.

Obwohl Kanada zu den fortschrittlichsten Ländern der Welt zählt, wurde das Glücksspielgesetz schon seit den 1980er Jahren nicht mehr aktualisiert. Welche Auswirkungen das hat, zeigt sich am Beispiel der 14 Mio. Einwohner zählenden Provinz Ontario, wo den Kunden lediglich zwölf Spielbanken und ein veraltetes staatliches Lotteriemonopol zur Verfügung steht. Lediglich die OLG durfte bislang verschiedene Casino-ähnliche Spiele auf ihrer PlayOGA.ca-Webseite anbieten. Da bislang kein modernerer Lösungsansatz vorliegt, berät sich die Regierung zurzeit mit verschiedenen Branchenvertretern über eine optimale Regulierung.

Zuspruch der Glücksspielbranche

Auch kanadische Glücksspielunternehmen meldeten sich zu Wort und begrüßten das neue Wettgesetz: Quentin Martin, Geschäftsführer des eSports-Wettanbieters Luckbox, sprach von einem überwältigenden Ergebnis mit parteiübergreifender Unterstützung. Die Änderung des veralteten Gesetzes sorge für sichere, verantwortungsvolle und unterhaltsame Einzelwetten in Kanada. Die Legalisierung sei das beste Mittel, um die hohe Nachfrage der zahlreichen Sport- und eSports-Fans zu bedienen.

Die British Columbia Lottery Corporation (BCLC) fordert das Parlament hingegen dazu auf, weiterhin kooperativ zu arbeiten, um den Gesetzentwurf über die Ziellinie zu bringen. Die Spieler würden nach Einzelwetten verlangen. Man sei dazu bereit, ihnen ein erweitertes Angebot zu liefern. Auf sichere und verantwortungsvolle Weise wolle man zusätzliche Einnahmen für die Provinzen Kanadas generieren.

John Levy, CEO des digitalen Medienunternehmens theScore, fügte hinzu, dass die Legalisierung von Einzelwetten ein bedeutender Schritt vorwärts sei – es handle sich um eine dringend notwendige Reform, die wichtige Verbraucherschutzmaßnahmen und neue Einnahmequellen verspricht. Das Unternehmen rechnet mit zusätzlichen Einnahmen für Kanada zwischen 3,8 bis 5,4 Milliarden Dollar, bemessen an den jährlichen Bruttospielerträgen.

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