Italien plant Wettsteuer gegen Corona

Vor dem Hintergrund der Corona-Krise will die italienische Regierung einen Rettungsfonds für die Fußballliga Serie A einrichten. Hierfür sollen auch die Einnahmen aus Sportwetten besteuert werden. Die ohnehin schwer angeschlagenen Betreiber protestieren, eine Beförderung des Schwarzmarktes wird befürchtet. Mit welchen Entwicklungen ist zu rechnen?

Italienische Fußballfans im Stadion.

Wann in italienischen Stadien wieder gejubelt wird, ist bis dato völlig unklar. ©Lillith/Pixabay

0,75 Prozent der Einnahmen

Die Regierung Italiens plant die Einführung einer neuen Wettsteuer. Ziel ist die Finanzierung eines milliardenschweren Hilfspakets, welches den von der Corona-Krise am stärksten betroffenen Wirtschaftssektoren, unter anderem dem Sport, zugutekommen soll. Laut Medienberichten sollen 0,75 Prozent der Einnahmen aus Sportwetten in den auf drei Jahre angelegten Fonds fließen.

Ein Grund für das Vorhaben ist die hohe Nachfrage. Allein 2019 hat die regulierte Sportwettbranche Italiens einen Umsatz von satten 14 Mrd. Euro erzielt. Die hohen Einnahmen könnten den geplanten Rettungsfonds, der von der Regierung mit mindestens 100 Mio. Euro pro Jahr dotiert wird, in erheblicher Weise befördern.

Ungleich sorgten die Pläne der italienischen Regierung für Proteste unter den lizenzierten Buchmachern. Diese bekundeten durch den andauernden Stillstand des Spitzensports ohnehin schwer angeschlagen zu sein. Durch die zusätzliche Besteuerung sei die „legale Sportwette“ gefährdet. Irreguläre Wettanbieter könnten durch eine notgedrungene Kostenumwälzung erhöhten Zulauf erhalten.

Die Proteste erscheinen verständlich, denn das Corona-Virus hat sowohl den Sport als auch den gesamten Glüksspielsektor Italiens lahmgelegt. Da ohne Sport kein Sportwette angeboten werden kann, avancierten die Buchmacher im Verlauf der Krise unfreiwillig zum Aushängeschild des Niedergangs. Auf globaler Ebene brachen die Wettumsätze um 90 Prozent ein.

Anbieter ohnehin hochbesteuert

Darüber hinaus werden die lizenzierten Buchmacher Italiens ohnehin hochbesteuert. Erst Anfang 2019 sahen sich die landbasierten Betreiber mit einer Steuererhöhung von 18 auf 20 Prozent auf die Brutto-Spieleinnahmen konfrontiert. Ziel war es, das Haushaltsdefizit des Landes bis 2021 von 2,4 auf 2,04 Prozent zu senken. Zugleich wurde der Steuersatz für regulierte Online Sportwetten von 22 auf 24 Prozent angehoben.

Auch in diesem Fall hatte die Steuererhöhung Proteste ausgelöst. Die Betreiber gaben an, durch die zusätzlichen Kosten „erheblich beeinträchtigt“ zu werden. Unter anderem hatte der Snaitech-Inhaber Playtech prognostiziert, dass sich sein bereinigter Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Amortisation für 2019 um etwa 25 Mio. Euro reduzieren wird, obwohl bereits Maßnahmen miteinkalkuliert wurden, um die Steuererhöhung abzuschwächen.

Immer höhere Verluste

Welche langfristigen Folgen die Pandemie hat, ist derzeitig kaum absehbar. Klar ist, dass die italienischen Buchmacher zurzeit immer höhere Millionenverluste verbuchen. In diesem Kontext zeigte eine Analyse des Magazins EGR Global erst kürzlich, dass die Gesundheitskrise die Wett-Einnahmen stark einschränkt. Zwischen Februar und März gingen die Einnahmen aus Online Sportwetten demnach um 34,4 Mio. Euro zurück.

Dies bedeutet, dass sich die Online Sportwetten der 18 größten italienischen Buchmacher im Vorjahresvergleich fast halbiert haben. Während im Februar noch immerhin 80 Mio. Euro generiert wurden, sanken die Einnahmen im März um weitere 43 Prozent auf nur noch 45,6 Mio. Euro. Auch in den kommenden Monaten rechnet die Branche mit weiteren „dramatischen“ Rückläufen.

Da Wettbüros landesweit geschlossen wurden, machten sich negativen Auswirkungen von Covid-19 im Einzelhandelssektor allerdings viel stärker bemerkbar als im Internet. Hier fielen die Einnahmen von 98,6 Mio. Euro im Februar auf nur noch 25,9 Mio. Euro im März, was einem monatlichen Rückgang von 74 Prozent entspricht. Besonders stark betroffen war das Snaitech-Geschäft des bekannten Anbieters Playtech.

Serie A unter Druck

Während die Buchmacher den Steuerclinch mit der Regierung suchen, versucht diese den Sport zu retten. Besonders unter Druck steht die höchste Fußballliga Serie A, die Verluste von über 700 Mio. Euro befürchtet, sollte die Meisterschaft ins Wasser fallen. Aus diesem Grund soll die Liga einen Großteil des Rettungsfonds erhalten. Der italienische Fußballverband FIGC hatte vorab eine entsprechende Finanzspritze gefordert.

„Der Fußball muss aus dieser komplizierten Situation sauber herauskommen“, lautete das Statement von Präsident Gabriele Gravina. Ziel sei es, die Meisterschaft 2019/20 zu Ende zu führen. Italiens Ministerpräsident Giuseppe Conte hatte folglich angekündigt, diese ab Ende Mai fortzusetzen. Zu einer Einigung kam es bisher jedoch nicht. Aktuell erklärte Sportminister Vincenzo Spadafora sich nicht auf einen Zeitplan festlegen zu wollen.

Spielertests und Wettsponsoring

Um den Spielbetrieb schnellstmöglich wieder aufzunehmen – wenn nötig, auch mit Geisterspielen – ist die Liga bereits dabei, umfangreiche Serie A-Spielertests in Kooperation mit der Politik durchzuführen. Darüber hinaus hat die Liga Pläne vorgestellt, um den langfristigen Folgen der Pandemie entgegenzutreten. Gefordert wurde unter anderem eine Annullierung des seit 2019 geltenden Wettwerbe- und Sponsoringverbots.

Eine Aufhebung des Verbots könnte laut Angaben der Serie A millionenschwere Einnahmen generieren und für schnelle Liquidität sorgen. Allerdings sei eine Aufhebung des Werbeverbots nur einer von vielen Lösungsvorschlägen, die derzeitig von der Liga überprüft werden. Man wolle diesen „schwierigen Zeiten Sinn geben“, so das Kredo von FIGC-Präsident Gabriele Gravina. Die weiteren Entwicklungen bleiben vorerst abzuwarten.

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Italienische Flaggen vor einem römischen Monument.

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