Italien: Neue Wettsteuer kommt

Die italienische Regierung hat die Einführung einer zusätzlichen Wettsteuer im Kampf gegen die Auswirkungen der Corona-Krise bestätigt. Ziel ist die Rettung des italienischen Spitzensports. Von lizenzierten Betreibern werden die Pläne jedoch scharf kritisiert. Erneut wurde eine Aufhebung des geltenden Sponsoring- und Werbeverbots gefordert. Mit welchen Entwicklungen ist zu rechnen?

Eine belebte Hauptstraße in Rom, Italien.

Rom plant die Serie A ab Mitte Juni fortzusetzen, vorerst finden aber nur Geisterspiele statt. ©ClaudioHirschberger/Unsplash

90 Mio. Euro Einnahmen erwartet

Die von der italienischen Regierung Anfang des Monats angekündigte Zusatz-Wettsteuer wird tatsächlich eingeführt. Der Abschlag beträgt allerdings nur 0,5 Prozent der Sportwettumsätze, statt der ursprünglich geplanten 0,75 Prozent. Bis Ende 2021 sollen hierdurch voraussichtlich 90 Mio. Euro Steuereinnahmen generiert werden. Ziel der Maßnahme ist die Unterstützung des schwerangeschlagenen Sportsektors infolge des Corona-Lockdowns.

Die neue Steuer ist Teil des Gesetzesdekrets Nr. 34, auch als „Decreto Rilancio“ bekannt. Dieses legt eine Reihe von Sofortmaßnahmen fest, die vor allem das italienische Gesundheitssystem betreffen. Konkret geht es um die Unterstützung der Arbeitgeber und Wirtschaft bei der Erholung von der Pandemie. Nachdem das Gesetz im Eilverfahren dem Parlament des Landes vorgelegt wurde, setzte es die Regierung um Giuseppe Conte vergangene Woche in Kraft.

Rettungsfonds bis Ende 2021

Die Einnahmen aus der Wettsteuer werden in einen Rettungsfonds fließen, den das Wirtschafts- und Finanzministerium zur Wiederbelebung des nationalen Sportsystems eingerichtet hat. Im Fokus steht dabei nicht nur der Spitzenfußball. Laut Berichten von SBC News wird der Fonds zum Beispiel auch Geld an das Ministerium für Jugend und Sport verteilen, um die Erholung des Profi- und Amateursports zu unterstützen.

Die Abgabe für den Fonds muss vierteljährlich bis zum 31. Dezember 2021 gezahlt werden – ursprünglich sahen die Pläne eine Laufzeit von drei Jahren vor. Das Ministerium plant hiermit bis zu 40 Mio. Euro im Jahr 2020 und weitere 50 Mio. Euro im Jahr 2021 zu generieren. Sollte das Finanzziel schon vor Ablaufdatum der Steuer erreicht werden, könnte sie laut Dekret zu einem früheren Zeitpunkt zurückgezogen werden.

Buchmacher üben Kritik

Das Coronavirus hat sowohl den Sport- als auch den Glücksspielsektor Italiens lahmgelegt. Die land- und onlinebasierten Buchmacher erlitten infolge des Lockdowns millionenschwere Verluste. Im März gingen die Einnahmen um 59,3 Prozent auf 75,3 Mio. Euro zurück, bevor sie im April um 72,7 Prozent auf nur noch 20,6 Mio. Euro fielen.

Von der am Boden liegenden Wettbranche wird die Einführung der Steuer daher als zusätzliche Belastung wahrgenommen. Das Vorhaben stößt auf massive Kritik. Der italienische Betreiberverband LOGiCO (Lega Operatori di Gioco su canale Online) bezeichnete die Maßnahme aus wirtschaftlicher und rechtlicher Sicht als „unangemessen und unhaltbar“. Der Staat verstieße gegen den Grundsatz der Steuergerechtigkeit und würde Offshore-Betreiber begünstigen.

Der Präsident von LOGiCO, Moreno Marasco, erklärte, dass die lizenzierten Buchmacher Italiens ohnehin hochbesteuert werden. Anfang 2019 sahen sich die landbasierten Betreiber mit einer Steuererhöhung von 18 auf 20 Prozent konfrontiert. Parallel wurde der Steuersatz für Online Sportwetten von 22 auf 24 Prozent angehoben. Ziel war ein Ausgleich des Haushaltsdefizits. Schon zu diesem Zeitpunkt übten die Betreiber Kritik.

Alternative Wett-Sponsoring?

Darüber hinaus kritisierte der Industrieverband erneut das geltende Sponsoring- und Werbeverbot. Laut Marasco habe die Wettbranche den Sport stets unterstützt. Es sei daher der „logische Weg“, Finanzmittel über Sponsoring-Verträge zu generieren. Dies sei jedoch durch das im Januar 2019 eingeführte pauschale Glücksspiel-Werbeverbot unmöglich gemacht worden. Das Verbot steht in enger Verbindung zum branchenweit kritisierten „Dekret der Würde“ aus Juli 2018.

Auch die höchste italienische Fußballklasse Serie A forderte zuletzt eine Aufhebung des Verbots. Laut CEO Luigi De Siervo verlieren die Teams durch den Ausfall des Wettsponsorings zwischen 100 und 150 Mio. Euro pro Jahr. Hierdurch werde die Liga gegenüber anderen großen europäischen Ligen, zum Beispiel der Primera Division (Spanien), Bundesliga oder Premier League (England) benachteiligt und sei nicht mehr konkurrenzfähig.

Auch die Serie A ist durch die Corona-Krise schwerangeschlagen. Es werden Verluste von über 700 Mio. Euro befürchtet, sollte die Meisterschaft ins Wasser fallen. Schon jetzt sollen sich die Verluste auf mindestens 200 Mio. Euro belaufen. „Der Fußball muss aus dieser komplizierten Situation sauber herauskommen“, kommentierte zuletzt Gabriele Gravina, der Präsident des italienischen Fußballdachverbands FIGC.

Laufende Saison wird fortgesetzt

Die Entscheidung soll noch in dieser Woche gefällt werden. Nach einer Sitzung vergangene Woche hatte die Serie A den 13. Juni als Datum für den Neustart vorgeschlagen. Eine Stellungnahme des Ministerpräsident Giuseppe Conte steht noch aus. Klar ist, dass die Spiele nach dem Vorbild der kürzlich wieder gestarteten Bundesliga vor leeren Zuschauerrängen stattfinden werden.

Außerdem wird der Start unter strengen Hygiene- und Sicherheitsstandards erfolgen. Wie in Deutschland sollen nur rund 300 Personen Zutritt zum Stadion haben. Die Spieler sollen regelmäßigen Corona-Tests unterzogen werden und mit zwei Bussen in die Stadien fahren. Die zwölf fehlenden Spieltage sowie die noch ausstehenden Pokalspiele könnten laut Medienberichten bis Anfang August ausgetragen werden.

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Das Kolosseum in Rom, Italien.

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