Italien: Glücksspiel-Missstände

Die italienische Regierung will ein Untersuchungsausschuss ins Leben rufen, der sich dem Glücksspiel widmen soll. Die beiden rechtsorientierten Parteien „Italia Viva“ und „Lega“ sollen nach Angaben übereinstimmender Medienberichten die Initiatoren für das Vorhaben gewesen sein, das im Kern die zunehmenden Missstände des hiesigen Glücksspielmarktes aufdecken soll. Aufgrund des Wachstum der Branche sei die Branche in Italien von kriminellen Energien unterwandert worden sein.

Geld und Waffe.

Die organisierte Kriminalität unterwandert zunehmend den italienischen Glücksspielmarkt und lässt die Grenzen zwischen legalen und illegalen Angeboten verschwimmen. ©QuinceCreative/Pixabay

Organisierte Kriminalität im Fokus

Kaum eine Branche hat in den letzten Jahren so ein Wachstum zu verzeichnen wie die Glücksspielindustrie. In den meisten Regionen des Erdballs steigt die Zahl der Spieler stetig an und beschert dem Glücksspiel einen immer höheren Zulauf. Auch in Italien ist die Branche auf dem Vormarsch und zieht immer mehr Menschen in ihren Bann. Diese positive Entwicklung hat die Umsätze und die Gewinnmarge explosionsartig in die Höhe schnellen lassen, was im Umkehrschluss kriminelle Energien auf den Plan gerufen hat, die seit geraumer Zeit den italienischen Glücksspielmarkt unterwandern und destabilisieren.

Das italienische Parlament will diesem Treiben nun ein Ende bereiten und plant ein Untersuchungsausschuss, der den wachsenden Missständen Einhalt gebieten soll. So heißt es, dass die Regierung zwar dank des steigenden Interesses am legalen Glücksspiel finanziell profitieren würde, die Bedrohung durch das illegale Angebot jedoch ebenfalls wachse.

Verbindung zur Mafia. Im Untersuchungsantrag des italienischen Parlaments haben die Abgeordneten der Parteien „Italia Viva“ und „Lega“ ein klares Bild der gegenwärtigen Missstände auf dem Markt gezeichnet. Dabei gingen sie explizit auf den wachsenden Einfluss der Mafia ein, die systematisch die Branche unterwandern würde. Im Antrag heißt es, dass die mafiösen Organisationen gewaltige Summen aus dem Sektor erwirtschaften würden. Speziell die Gegebenheiten des Marktes würden günstige Voraussetzungen zur Geldwäsche bieten.

Manipulation legaler Angebote

Die kriminellen Machenschaften sind der Polizei und den Behörden bereits seit mehren Jahren ein Dorn im Auge, dennoch haben die Gesetzeshüter in den meisten Fällen das Nachsehen. Da die jeweiligen Organisationen und Banden das legale Glücksspielangebot mit illegalen Methoden manipulieren, fallen die Delikte erst im Nachhinein auf. Meist führen dann die Ermittlungen in eine Sackgasse, da die Täter mit Beute bereits über alle Berge sind.

Aus diesem Grund sei nach der italienischen Regierung diese immer enger werdende Verbindung zwischen legalem und illegalem Glücksspiel das Hauptproblem. Es würden etwa vermehrt lizensierte Spielautomaten von den mafiösen Organisationen so präpariert werden, dass die Einnahmen nicht voll umfänglich registriert werden. Das hat zur Folge, dass die zu zahlenden Steuern geringer ausfallen. Die kriminellen Banden nutzen diesen erwirkten Steuervorteil, um illegales Glücksspiel mit attraktiveren Gewinnquoten anzubieten.

Gefahr für Spieler. Die italienische Spielerschaft gehe vermehrt auf illegale Glücksspielangebote ein, würde sich nach Auffassung der Regierung jedoch so in ein ungeschütztes und unreguliertes Terrain begeben. Speziell Spieler, die ohnehin an Sucht- oder Geldproblemen leiden, seien dem illegalen Glücksspielangebot hilflos ausgeliefert und würden im schlimmsten Fall einem finanziellen und sozialen Ruin entgegensteuern.

Missstände aufdecken und beseitigen

Die zunehmende Unterwanderung des italienischen Glücksspielmarktes soll nun der Untersuchungsausschuss aufdecken, gleichzeitig aber auch Lösungsansätze ausarbeiten. Dabei stehe vor allem eine transparente und einheitliche Regulierung des Sektors im Mittelpunkt, die nicht durch illegale Glücksspielangebote manipuliert werden kann. Nur so sei es möglich, die Spieler effektiv zu schützen und einen fairen Wettbewerb zu garantieren. Auch aus Sicht der Anbieter und Unternehmen sei eine schnelle Beseitigung der Missstände erstrebenswert, da nur ein regulierter Markt zukunftsfähig sei.

Um solch eine Regulierung zu erreichen, müsse der Untersuchungsausschuss den gesamten Glücksspielmarkt unter die Lupe nehmen. Sämtliche Strukturen, Systematiken und Abläufe seien dabei zu beäugen. Dazu würden etwa die Produktion, Vermarktung und der Betrieb von Sofortspielen, Sportwetten und Spielautomaten gehören. Nur auf diese Art und Weise sei es möglich, die Missstände an der Wurzel zu packen und einer reinen Symptombekämpfung zu entgehen. In den nächsten Wochen und Monate werde die Untersuchungskommission einen Schlachtplan mit den nötigen Maßnahmen auf die Beine stellen, um die gesteckten Ziele zu erreichen. Exakte Informationen gibt es entsprechend zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht.

Spielerschutz hat Priorität. In den Überlegungen des italienischen Parlaments stehe nach Angaben verschiedener Medienberichte der Spielerschutz an oberster Stelle. Diese Thematik wolle der Ausschuss großflächig behandeln. Dabei würden auch die Medien selbst eine zentrale Rolle einnehmen, da diese als gesellschaftliches Sprachrohr dienen sollen. Dieser strategische Ansatz soll gewährleisten, dass die schwächsten und gefährdetsten Spieler besser vor illegalen Machenschaften in der Branche geschützt werden.

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