Isai Scheinberg bekennt sich schuldig

Isai Scheinberg, der Gründer von PokerStars, hat sich vor einem New Yorker Gericht schuldig bekannt, ein illegales Internet-Glücksspielgeschäft im Wert von mehreren Millionen US-Dollar betrieben zu haben. Ihm droht eine Haftstrafe von bis zu fünf Jahren. Ende Januar hatte sich Scheinberg den US-Behörden nach fast neun Jahren im Ausland gestellt. Was sind die Hintergründe des Verfahrens?

Die Skyline von New York City.

Scheinberg hatte sich am 17. Januar den Behörden von New York City übergeben. ©LukasKloeppel/Pexels

Jahrelanger Rechtsstreit beendet?

In einem Prozessmarathon um Bankenbetrug, Geldwäsche und illegales Glücksspiel hat sich der Gründer und ehemalige Geschäftsführer von PokerStars, Isai Scheinberg, vor einem New Yorker Bundesgericht für schuldig bekannt. Unter dem Vorsitz von Richterin Sarah L. Cave gab er zu, sein Online Pokerunternehmen jahrelang illegal, also entgegen den Vorgaben des 2006 erlassenen Unlawful Internet Gaming Enforcement Acts (UIGEA) betrieben zu haben.

Laut Staatsanwaltschaft beweise das Schuldgeständnis, dass Scheinberg umfassende Kenntnisse darüber besaß, dass das Betreiben seines Geschäfts gegen bundesweite Gesetze verstößt. Dennoch habe der israelisch-kanadische Staatsbürger sein millionenschweres Online Pokergeschäft in den USA bis 2011 weitergeführt. Mit in den Fall involviert sind auch Full Tilt Poker und Absolute Poker. Die Staatsanwaltschaft erklärte in einer offiziellen Stellungnahme:

“Mit dem Erlass des UIGEA haben alle führenden Online Glücksspielunternehmen ihre Geschäftsaktivitäten in den Vereinigten Staaten eingestellt. PokerStars sowie Full Tilt Poker und Absolute Poker machten jedoch bis März 2011 weiterhin illegales Online Poker für US-Kunden verfügbar.”

Finaler Urteilsspruch erwartet

Vor über zwei Monate hatte sich Scheinberg den US-Behörden gestellt. Er wurde gegen eine Kaution von 1 Mio. US-Dollar freigelassen, nachdem er zunächst in allen Anklagepunkten auf nicht schuldig plädiert hatte. Laut Bundesstaatsanwältin Olga Zverovich habe man mit Scheinberg allerdings „eine grundsätzliche Einigung über die Grundbedingungen“ erzielt.

Das finale Urteil soll in absehbarer Zeit verkündet werden. Laut Pressemitteilung des Justizministeriums empfiehlt der Kongress zwar die höchstmögliche Freiheitsstrafe von fünf Jahren, dennoch scheint es eher unwahrscheinlich, dass der PokerStars-Gründer seine Strafe tatsächlich im Gefängnis verbringen wird.

Komplexe Vorgeschichte

Die New Yorker Staatsanwaltschaft erklärte, dass Isai Scheinbergs Schuldgeständnis verdeutliche, dass das US-Justizministerium sich „nicht vom Lauf der Zeit untergraben“ lasse. In der Tat ist in den Jahren zwischen der Anklageerhebung und der jetzigen Verhandlung viel auf dem US-Markt passiert. Mit der Aufhebung der bundesweit geltenden PASPA-Verordnung im Mai 2018 trat die USA in einen Liberalisierungsprozess des Online Glücksspiels ein.

Seitdem obliegt die Regulierung in den USA den einzelnen Bundesstaaten, was in erster Linie zu einem regelrechten Online Sportwett-Boom führte. Doch auch im Poker legen einzelne Länder nach. Bereits in sechs Staaten wurden Online Pokerräume legalisiert. Zuletzt brachte Pennsylvania seinen ersten legalen Online Pokerraum ans Netz. Kurz darauf wurde auch in Michigan eine Gesetzesnovelle verabschiedet.

Der Fall Isai Scheinbergs bleibt von diesen positiven Entwicklungen jedoch unberührt. Scheinberg ist die letzte von insgesamt 11 Personen, die im April 2011 wegen Bankbetrug, Geldwäsche und illegalem Glücksspiel infolge des sogenannten „Black Friday“ angeklagt wurden. Die übrigen zehn Angeklagten, darunter zum Beispiel der Zahlungsdirektor von PokerStars, Paul Tate, oder der CEO von Full Tilt, Raymond Bitar, hatten sich bereits schuldig bekannt.

Kooperation vom Ausland aus

Es kam zu Geld- und Gefängnisstrafen. Um den juristischen Auseinandersetzungen zu entgehen, setzte sich Scheinberg, der PokerStars 2001 gründete, bereits Anfang 2011 ins Ausland ab. Die letzten neun Jahre verbrachte er bevorzugt in Kanada oder auf der britischen Offshore-Insel Isle of Man. Obwohl die US-Behörden seine Verfolgung niemals aufgaben, leistete Scheinberg weiterhin Unterstützung vom Ausland aus.

So erklärte sich PokerStars dazu bereit, eine von den US-Behörden 2012 eingereichte Zivilklage wegen Verfalls und ziviler Geldwäsche beizulegen, wodurch das Unternehmen 547 Mio. US-Dollar an die USA verlor. Die Vereinbarung sah außerdem vor, dass PokerStars die offenen Rechnungen seines damals insolventen Konkurrenten Full Tilt übernimmt. Hierfür wurden 184 Mio. US-Dollar eingesetzt.

Des Weiteren wurde es Scheinberg verboten, weiterhin eine leitende Funktion bei seinem Unternehmen auszuüben, was dazu führte, dass sein Sohn Mark Scheinberg die Geschäftsführung übernahm. Im Jahr 2013 stimmte dieser zu, weitere 50 Mio. US-Dollar an das Justizministerium zu verlieren, um somit von allen zukünftigen Ansprüchen im Zusammenhang mit den Anklagen befreit zu werden.

PokerStars heute Weltmarktführer

Schließlich verkaufte Mark Scheinberg die PokerStars-Muttergesellschaft Rational Group im Juni 2014 für 4,9 Mrd. US-Dollar an die Amaya Gaming Group. Diese ist heute unter dem Namen The Stars Group (TSG) berühmt und gilt als eine der größten börsennotierten Glücksspielgesellschaften überhaupt. Die Marke PokerStars ist in der globalen Pokerbranche längst Weltmarktführer.

Während der Angeklagte Scheinberg, der Mathematik an der Staatlichen Universität Moskau studierte, inzwischen zum Volkshelden unter Online Poker-Fans avancierte, gab der neue PokerStars-Schirmherr TSG zuletzt eine 11,2 Mrd. Euro schwere Fusion mit Flutter Entertainment bekannt. Aus der Transaktion könnte der größte Online Glücksspielkonzern der Welt entstehen. Momentan wird das Vorhaben von den hiesigen Marktaufsichtsbehörden überprüft.

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Ein Pik-Ass beim Poker.

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