Irische Buchmacher erhalten Steuervergünstigung

Die irische Regierung hat bestätigt, dass die Buchmacher der Republik Irland ab 2020 eine Steuerentlastung von bis zu 50.000 Euro erhalten. Grund ist die seit Januar 2019 erhöhte Umsatzsteuer von zwei Prozent. Infolge der Anhebung kam es zu landesweiten Protesten unter den Wettanbietern. Der irische Glücksspielmarkt befindet sich zurzeit in einer Phase der Umstrukturierung. Hier die wichtigsten Infos zum Geschehen.

Der irische Finanzminister Paschal Donohoe.

Der irische Finanzminister Paschal Donohoe versucht landbasierte Wettbüros vor dem Aus zu bewahren. (©Wikipedia)

Schutz nationaler Buchmacher im Fokus

Die Regierung der Republik Irland hat einen Budgetplan veröffentlicht in dem bestätigt wird, dass landbasierte Buchmacher ab kommenden Jahr mit bis zu 50.000 Euro von der neueingeführten zwei-prozentigen Umsatzsteuer entlastet werden. Es handelt sich hierbei um eine von mehreren steuerpolitischen Änderungen im irischen Haushaltsplan – unter anderem wird die Befreiung von der Wettsteuer sowie der Wettvermittlungspflicht ab 2020 vorgesehen. Der Regierung geht es hierbei vor allem darum, die unabhängigen Buchmacher des Landes vor der drohenden Pleite zu schützen.

Konkret bedeutet die Maßnahme, dass die Buchmacher ihre ersten 50.000 Euro an Jahreseinnahmen zukünftig nicht mehr versteuern müssen. Die Obergrenze von 50.000 Euro soll fortan in jedem neuen Kalenderjahr gelten, wie bereits angedeutet gilt die Entlastung jedoch nur für landbasierte Einzelunternehmen.

Laut Finanzminister Paschal Donohoe liefere sich Irlands unabhängiger Wettsektor derweil „einen harten Kampf“ mit größeren Glücksspielunternehmen wie Paddy Power, Boylesports und Ladbrokes Coral. Durch die im letzten Jahr beschlossene Steuerverdopplung habe sich die Lage besonders für kleinere Buchmacher zugespitzt. Der Schritt, die landbasierten Buchmacher zu entlasten, unterliege laut Aussagen der örtlichen Tageszeitung The Irish Times dem sogenannten EU-Beihilferecht.

Donohoe betonte gegenüber der Zeitung, die Anhebung der Steuer abermals überprüft und persönlich mit der landbasierten Buchmacherbranche zusammengearbeitet zu haben, um ein alternatives System für unabhängige Buchmacher zu gestalten.

Zum Verständnis: In Kooperation mit dem irischen Staatsminister David Stanton hatte Donohoe die Wettsteuer im vergangenen Jahr von ein auf zwei Prozent angehoben. Buchmacher zahlen die Steuer auf jede Wette, die sie abschließen. Die Politiker erwarten, dass dieser Schritt schon 2019 rund 95 Millionen Euro mehr Steuereinnahmen generieren wird. Die neue Gesetzgebung ist in diesem Kontext an die staatlichen Abgaben gebunden, die zur Unterstützung der Pferde- und Windhund-Industrie verwendet werden. Der Sektor soll 2020 über 80 Mio. Euro Fördergelder erhalten.

Droht dennoch ein Steuerfiasko?

Trotz der geplanten Entlastung könnten die positiven Vorhersagen der Politik auf wackeligen Füßen stehen. Zumindest wenn es nach einer im November 2018 veröffentlichen Wirtschaftsstudie des emeritierten Volkwirtschaftsprofessors Anthony Foley (Dublin City University, kurz: DCU) geht. Die Studie wurde im Auftrag der Irish Bookmakers Association (IBA) durchgeführt und besagt, dass Irland aufgrund des Wegfalls vieler kleinerer Buchmacher ein 35 Mio. Euro schweres Haushaltsdefizit zu erwarten hat. Laut Foley habe die Regierung ihre Pläne „ohne die Berücksichtigung möglicher negativer Auswirkungen“ bewilligt. Die Verluste könnten die Gewinne daher bei weitem übersteigen.

Das langfristige Minus resultiert laut Foley vor allem aus dem Wegfall von Einkommenssteuern und Arbeitsplätzen, basierend auf möglicherweise über 400 Schließungen. Das macht rund 47 Prozent von insgesamt 850 irischen Wettbüros aus. Bis zu 2.500 Arbeitsstellen seien dadurch bedroht. Laut einem IBA-Sprecher seien „zehntausende Menschen“ betroffen.

Angesichts der drohenden Krise haben die Buchmacher bereits gegen Ende letzten Jahre alle Register gezogen, um die Steuererhöhung zu vermeiden. Es kam zu landesweiten Protesten und halbtägigen Schließungen. Zudem hat die IBA eine nationale Petitions- und Marketingkampagne namens “United” ins Leben gerufen. Die Initiative wurde von der irischen Marketingfirma McEnaney Media koordiniert.

Die Sorgen der irischen Buchmacher sind angesichts der zunehmenden internationalen Konkurrenz durchaus nachvollziehbar. Die nun angekündigte Steuerentlastung kann daher durchaus als positive Reaktion auf die dramatischen Entwicklungen verstanden werden. Ob die Prognosen der Regierung aufgehen – oder ob sich Foleys Berechnungen letztlich doch noch bewahrheiten, bleibt an dieser Stelle abzuwarten.

Neue Regulierungsbehörde geplant

Abseits aller Steuerreformen plant Irland derweil auch die Einrichtung einer neuen Glücksspielbehörde, die Etablierung soll bis Mitte 2020 erfolgen und die derzeitigen Arbeiten am neuen Gambling Control Bill abrunden. Folglich soll die neue Instanz sämtliche Lizenzaktivitäten überwachen sowie Werbestandards, Kundenüberwachung und Kundenschutzmaßnahmen für den Sektor festlegen. Darüber hinaus wurde auch der sogenannte Gaming and Lotteries Amendment Act von 1956 aktualisiert. Die maximalen Spieleinsätze und Gewinne von Spielautomaten wurden auf 10 bzw. 750 Euro festlegt. Außerdem steht ein neues Lizenzsystem für Lotterien ins Haus.

Die umfassenden Reformpläne des irischen Glücksspielsektors fußen unter anderem auch auf aktuellen Zahlen des nationalen Gesundheitsdienstes (Health Service Executive, kurz: HSE), hierbei handelt es sich um ein staatliches Gremium für die Bereitstellung von Gesundheits- und Sozialdiensten. Laut HSE ist die Zahl an Menschen, die wegen problematischen Glücksspiels im Jahr 2018 behandelt wurden, auf ein Rekordhoch von 257 geklettert. Dass die Regierung daher zurzeit alle Hebel in Bewegung setzt, um den Sektor zu modernisieren und an europäische Standards anzugleichen, verwundert kaum. Die Entwicklungen am irischen Mark bleiben in diesem Sinne vorerst abzuwarten.

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