Immer mehr Spielsalons auf Mallorca

Die Behörden von Palma de Mallorca kritisieren das zunehmende Aufgebot von Spielsalons und Wettbüros. Besonders in den weniger wohlhabenden Vierteln der Balearen-Hauptstadt sollen sich immer mehr Glücksspielstätten etablieren, inzwischen gehört Palma zu den Städten mit der höchsten Dichte an Spielhallen in ganz Spanien. Die Regierung hat schärfere Kontrollen angekündigt, doch was steckt hinter der fragwürdigen Entwicklung?

Das Parlamentshaus der Balearen in Palma.

Die Regierung von Palma de Mallorca fordert strengere Eingangskontrollen in Spielsalons. (©MARIA ROSA FERRE [CC BY-SA 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)])

Kinder- und Jugendschutz im Blick

„Wir werden alles dafür tun, dass die Balearen nicht zu einem Low-Cost-Las-Vegas werden und die Situation überwachen“, so das aktuelle Kredo von Miguel Piñol. Der Leiter der Abteilung für Gewerbe der balearischen Landesregierung hat die Zunahme von Spielsalons und Wettbüros kritisiert und plant schärfere Kontrollen. Vor allem in den ärmeren Vierteln von Palma sollen sich immer mehr Spielhallen ansammeln, Grund sind die besonders günstigen Mieten im Vergleich zu wohlhabenderen Gegenden. Der Vormarsch der Glücksspielstätten ist dabei auf eine Gesetzesänderung im August 2017 zurückzuführen, womit Sportwetten für die Spielhallenbetreiber der besonders unter Deutschen beliebten Urlaubsinsel erstmals legalisiert wurden.

Mit insgesamt 59 Spielsalons (sogenannten Salas de juegos) und fünf reinen Wettbüros (Casas de apuestas deportivas) wurde Palma de Mallorca im September 2019 offiziell zu einer der Städte mit der höchsten Dichte an Glücksspielbetrieben in ganz Spanien gezählt. Die Behörden sorgen sich folglich um eine Zunahme des problematischen Glücksspiels – insbesondere mit Blick auf Kinder und Jugendliche.

Mindestabstandsregel und Alterskontrollen

Ein Schwerpunkt der zukünftigen Kontrollen soll sich aus diesem Grund auf die Einhaltung der gesetzlichen Mindestabstandsregel zwischen Spielsalons und Spielplätzen sowie Schulen beziehen. Der Mindestabstand liegt bei 100 Metern, innerhalb der Hauptstadt gilt zudem eine 500 Meter-Abstandsregel zwischen den einzelnen Spielbetrieben. Des Weiteren wird der Fokus auf den Eingangskontrollen liegen, hier kritisiert Piñol vor allem die unzureichenden Altersüberprüfungen. Im Gespräch mit der mallorquinischen Tagezeitung Mallorca Zeitung (MZ) heißt es:

“Die Betreiber sind verpflichtet, sich von jeder Person, die das Lokal betritt, den Ausweis zeigen zu lassen. Nicht nur den Minderjährigen, auch den aktuell 650 Menschen, die sich der Gefahr der Spielsucht bewusst sind und sich daher freiwillig in eine Liste eingetragen haben, muss der Zutritt verweigert werden. Theoretisch hätte das Personal der Spielsalons sie auch vorher schon kontrollieren sollen, bald ist es aber dazu verpflichtet.”

Überprüfung durch Inspektorenteam

Bereits ab Mitte November soll ein Inspektorenteam der Landesregierung mit täglichen Inspizierungen der einzelnen Betriebe beginnen. Im Fokus steht dabei die Einhaltung der besagten Vorschriften sowie die Überprüfung der Lizenzen. Sollten schwerwiegende Vergehen wie Geldwäsche oder illegale Kartenspiele festgestellt werden, soll die Nationalpolizei umgehend miteinbezogen werden. Diese hat in der Vergangenheit schon häufiger mit der spanischen Spielhallenbranchen zu tun gehabt. Zuletzt im Rahmen der sogenannten „Operation Arcade“, einer landesweiten Überprüfung der Spielhallen.

Im Verlauf der Operation kontrollierte die Polizei 1.881 von insgesamt 3.000 Spielsalons und Wettbüros in ganz Spanien. Die Polizei registrierte dabei 28 minderjährige Spieler sowie 184 Erwachsene, die sich nicht ausweisen konnten. Unter dem Strich kam es bei der Aktion zu vier Festnahmen.

Bußgelder und Lizenzentzug

Wie die Behörden weiter erklären, haben mallorquinische Spielsalonbetreiber bei Verstößen gegen die Vorschriften mit Geldstrafen von bis zu 700.000 Euro zu rechnen. Häufen sich die Missachtungen an, kann im härtesten Fall auch die komplette Betriebslizenz entzogen werden. Laut Piñol gilt ein Bußgeld in Höhe von 10.000 Euro allein dafür, dass einem Minderjährigen Einlass gewährt wird. Das Bußgeld wächst auf satte 30.000 Euro an, sofern dem Minderjährigen zudem das Spielen oder Wetten erlaubt wird.

Investigationen der MZ haben an dieser Stelle erwiesen, dass die Verschärfung der Kontrollen und Strafen bereits für mehr Sicherheit an den Türen gesorgt hat: Strichproben-Besuche in diversen Spielsalons haben gezeigt, dass die Betreiber inzwischen mit großflächigen Verbotsschildern für Minderjährige an den Eingängen Position beziehen. Außerdem werden die gesetzlichen Vorschriften öffentlich ausgestellt. Darüber hinaus wird auf die möglichen Gefahren problematischen Glücksspiels hingewiesen. In den meisten Fällen habe es „keine zehn Sekunden“ gedauert, bis das Personal die Ausweise der Gäste kontrollierte, so das Fazit der Redakteure.

Ein selbstkreiertes Problem?

Der exorbitante Zuwachs an Spielhallen ist letztendlich ein hausgemachtes Problem. Nicht nur die 2017 erfolgte Gesetzesänderung ist Teil der Entwicklung, sondern auch die Fußball-WM 2018. Im Kontext Sportwetten hatte der „Ballermann“ das Fußballfest großspurig inszeniert, um maximale Einnahmen zu erzielen, wurden Betting-Terminals in insgesamt 140 Spielsalons etabliert. Dass die übertrieben wirkende Maßnahme die örtlichen Spielsuchtverbände im wahrsten Sinne des Wortes auf die Palme brachte, verwundert kaum. Ob sich das redensartliche „17. Bundesland“ auf Dauer tatsächlich von einer Partyhochburg in eine Glücksspielinsel verwandelt, bleibt jedoch vorerst abzuwarten.

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