Illegales Glücksspiel: Mafia Familie zu hohen Haftstrafen verurteilt

In Italien ist die Betreiberfamilie mehrerer illegaler Online Gambling Angebote zu hohen Haftstrafen verurteilt worden. Das Gericht in Emilia-Romagna spricht dem 56-jährigen Vater Nicola Femia die Hauptverantwortung zu, er muss für 26 Jahre und zehn Monate ins Gefängnis. Sein Sohn Nicola Rocco (26) und seine Tochter Guendalina (32) kommen für 15 sowie 10 Jahre hinter Gitter. Das Verfahren gegen die Familie Femia hatte vor drei Jahren begonnen und Verbindungen zur italienischen Mafia offenbart.

Nicola Femia geht für 26 Jahre ins Gefängnis

BildquelleDer Kopf des illegalen Glücksspielimperiums:  26 Jahre Haft für Nicola Femia

Den Anstoß zu den staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen hatten die Recherchen des Journalisten Giovanni Tizian von der Zeitung Gazzetta di Modena gegeben. Er stellte den Zusammenhang zwischen der Familie Femia und einigen Online Gambling Webseiten her. Diese hatte die Familie über Strohmänner im europäischen Ausland betreiben lassen.

Die regelmäßigen Treffen Nicola Femias mit seinem Partner in London konnte die italienische Polizei überwachen und den Verdacht damit erhärten. Daneben unterhielt die Familie bis zu 50 illegale Spielhallen in Italien. In diesen hatten sie bis zu 1.500 manipulierte Spielautomaten aufgestellt, die weniger auszahlten als gesetzlich vorgeschrieben. Die Familie besaß für keine ihrer Aktivitäten eine in Italien gültige Glücksspiellizenz. Stattdessen waren die Unternehmen aus Großbritannien und Rumänien heraus tätig.

Die Mafia drohte dem Journalisten

Während des Verfahrens waren Verbindungen der Familie zur kalabrischen Mafia Organisation ´Ndrangheta bekannt geworden. Diese gehört zu den drei großen Gruppen des organisierten Verbrechens in Italien, neben der sizilianischen Cosa Nostra und der Camorra aus Neapel. Die Organisation ist weltweit vor allem im Drogenhandel und in der Müllentsorgung aktiv und soll mit Großkonzernen vergleichbare Umsätze erzielen. Prozesse gegen die Mafia sind in Italien auch heute noch recht selten, da die Organisationen erheblichen politischen Einfluss ausüben und häufig mit Gewalt gegen Zeugen vorgehen.

Dennoch wurden im Zusammenhang mit dem Verfahren gegen die Femias etwa 30 Personen festgenommen, die dem illegalen Glücksspielring angehört haben sollen. In von der Polizei abgehörten Telefongesprächen bot ein Anrufer der Familie an, Giovanni Tizian zum Schweigen zu bringen – er würde ihm „den Mund wegschießen“. Der Journalist erstritt daraufhin wegen Bedrohung gegen Nicola Femia eine Schmerzensgeldzahlung in Höhe von 50.000 Euro.

Die nun verhängten hohen Haftstrafen gegen die Femias beziehen sich nicht nur auf den Betrieb der Glücksspielangebote. Stattdessen sieht es das Gericht als erwiesen an, dass sich die Familie der Mitgliedschaft und Verschwörung in einer kriminellen Vereinigung schuldig gemacht hat.

Das Online-Netzwerk der Mafia Familie

Die Familie bot im Internet mehrere Casinoseiten sowie Pokerräume für italienische Spieler an. Über ihre lokalen Niederlassungen animierten sie die Kunden, auch die Online Angebote zu besuchen. Zu den illegalen Seiten gehörten unter anderem 888Suite.com, Vivacasinoelite.com, Vanillascasino.com und Davidcasino.com. Die von keiner offiziellen Stelle lizensierte Seiten dürften viele Kunden um Geld betrogen haben, Details hierzu wurden allerdings nicht bekanntgegeben. Der Gesamtwert des illegalen Netzwerks inklusive der lokalen Shops wurde vor Gericht jedenfalls auf etwa 60 Millionen Euro geschätzt.

Die Internetseiten wurden aus London von Massimiliano Rizzo, einem Geschäftspartner Nicola Femias, betrieben. Auch Rizzo wurde im Verfahren verurteilt. Er muss allerdings lediglich für drei Jahre ins Gefängnis, da ihm keine Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen wird. Das Gericht verurteilte ihn ausschließlich wegen des Betriebs betrügerischer Online Gambling Angebote. Für die Illegalität der Angebote in Italien sei er nicht verantwortlich zu machen und auch eine tiefere Verbindung zur Mafia konnte ihm nicht nachgewiesen werden.

Der Fall Femia macht deutlich, wie wichtig staatliche Regulierung und Überwachung für Glücksspielangebote ist. Die Umgehung eines Lizensierungsprozesses schadet in erster Linie den Kunden aber auch dem Ansehen der gesamten Branche. Nur strenge Regulierung verhindert betrügerisches Verhalten. Es wäre zu begrüßen, wenn die harten Urteile der italienischen Justiz für weitere schwarze Schafe, die ohne Lizenzen operieren, ein Warnsignal darstellen würden. Das Gericht in Emilia-Romagna hat jedenfalls bereits jetzt Rechtsgeschichte geschrieben, indem es die Existenz der ´Ndrangheta in der Region in einem Urteil bestätigt.

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