Illegale Sportwetten: 8.000 GBP-Strafe gegen Paul Scholes

Der ehemalige Manchester United-Spieler Paul Scholes ist wegen der Platzierung illegaler Sportwetten mit einem Bußgeld von 8.000 GBP belangt worden. Das Verfahren gegen den einstigen Mittelfeld-Star wurde bereits Anfang April eingeleitet, Anklage hatte die englische Football Association (FA) erhoben. In einer öffentlichen Ansprache hat sich Paul Scholes inzwischen für seine Vergehen entschuldigt. Hier ein Überblick zu den Entwicklungen.

Der Ex-Manchester United-Spieler Paul Scholes.

Die Fußballlegende Paul Scholes musste sich wegen illegal platzierten Sportwetten verantworten. (©Wikipedia)

„Letzte Gelegenheit“ für Scholes

Die offizielle Anhörung des 44-jährigen Ex-ManU-Stars Paul Scholes wurde von der englischen FA organisiert und fand Anfang letzter Woche in den Räumlichkeiten der Sports Resolution Ltd. vor einem unabhängigen Prüfungskomitee statt. Dem ehemaligen Profifußballer wurde hier eine „letzte Gelegenheit“ geboten, sich zu den Verdächtigungen in Bezug auf insgesamt 140 illegal platzierten Sportwetten zwischen August 2015 und Januar 2019 zu äußern.

Auf Grund der schwerwiegenden Vorwürfe hatte Paul Scholes selbst den Wunsch nach einer umfassenden Aussprache geäußert, bevor sämtliche Details von Seiten der FA publik gemacht werden. Scholes nutzte die Chance für eine ebenso umfassende wie aufrichtige Entschuldigung:

“Ich akzeptiere das Urteil und möchte mich entschuldigen. Ich verstehe und akzeptiere die von der FA verhängte Geldbuße voll und ganz. Es war ein großer Fehler und ich hatte nicht die Absicht, die Regeln zu missachten. Ich glaubte fälschlicherweise, dass es kein Problem geben würde, solange es keine persönliche Verbindung zwischen mir und einem der Spiele, auf die ich gewettet habe, gibt. Aber jetzt verstehe ich, dass dies nicht der Fall war. Ich hätte früher Schritte unternehmen sollen, um die Sachlage zu überprüfen.”

Dennoch ist klar: Paul Scholes ist in der Angelegenheit schuldig und muss ein Strafgeld von 8.000 GBP (umgerechnet rund 9.000 EUR) zahlen. Obendrauf kommen 1.800 GBP (~ 2.000 EUR) Verfahrenskosten. Besonders brisant an dem Fall ist die Tatsache, dass Paul Scholes innerhalb des Zeitraums zwischen dem 17. August 2015 und dem 12. Januar 2019 als Manager des englischen Viertligisten Salford City tätig war. Innerhalb dieser Zeit platzierte Scholes über 140 Wetten mit einem Gesamtvolumen von rund 26.200 GBP (~ 29.500 EUR) bei diversen Online Wettanbietern. Seine Gewinne beliefe sich dabei auf etwa 5.800 EUR (~ 6.570 EUR).

Zum Verständnis: Um die Integrität der Sportverbände, insbesondere der FA, in Bezug auf den Missbrauch von Spieldaten zu schützen und um Spielmanipulationen vorzubeugen, ist es sämtlichen offiziellen Mitarbeiten der englischen FA laut Paragraph E8, Abschnitt 1A, des offiziellen FA-Regelwerks ausdrücklich untersagt, Sportwetten zu platzieren. Im Wortlaut heißt es hier:

“Ein Beteiligter darf weder direkt noch indirekt auf das Ergebnis, den Fortschritt, die Spielführung oder irgendeinen anderen Aspekt oder eine andere Gegebenheit wetten, die im Zusammenhang mit einem Fußballspiel oder einem Turnier stehen.”

Fragliches PPB-Kundenkonto

Die Sportwett-Debatte um Paul Scholes kam bereits Anfang April in Rollen. Die FA wurde durch den irisch-englischen Buchmacherriesen Paddy Power Betfair auf die Aktivitäten des Ex-Fußballers und Mitarbeiters aufmerksam gemacht. Auf der PPB-Onlineplattform verfügte Scholes verbotenerweise über ein Kundenkonto, infolge konsultierte der börsennotierte Konzern die FA und verwies auf die Regelwidrigkeit, weiterführende Schritte wurden von dem Fußballverband umgehend eingeleitet. In den darauf folgenden Wochen holte die FA auch bei anderen bekannten Online Buchmachern ähnliche Informationen ein, unter anderem besaß Scholes auch ein Konto auf der Plattform von Bet365.

Private und offizielle Verbindungen

Das aktuell verhängte Bußgeld gegen Scholes fällt vergleichsweise milde aus, da der laut eigenen Aussagen „unwissende“ Wettkunde glücklicherweise nicht auf seinen eigenen Verein FC Salford City gesetzt hat. Die FA betonte jedoch, dass Scholes durchaus auf Spiele getippt hat, die mit den Spielen des Salford City in Verbindung standen.

Die meisten Wetten wurden demnach auf Paul Scholes Ex-Klub Manchester United abgegeben. Bei dem englischen Rekordmeister verbrachte Scholes quasi seine gesamte Karriere. Bei insgesamt acht Wettplatzierungen waren in diesem Kontext auch die beiden Ex-Profis Nicky Butt und Ryan Giggs involviert. Letzterer war unter anderem sogar als ManU-Manager im Einsatz.

Ein ähnlicher Kontext besteht in Bezug auf eine Wette, die sich um ein Spiel zwischen dem FC Valencia und dem FC Barcelona drehte: Zum Zeitpunkt der Platzierung arbeiteten die Ex-Spieler Gary und Philip Neville beim FC Valencia, beide sind zudem auch als Partner von Salford City aktiv und zählen zu den privaten Freunden von Paul Scholes. In der Kritik stand außerdem eine im Januar platzierte Wette auf den Oldham Athletic über das Bet365-Konto – nur kurze Zeit bevor Scholes als Trainer bei Oldham Athletic aktiv wurde.

Des Weiteren wurden von der FA explizit acht weitere Wetten als illegal deklariert, bei denen auf Spiele des FA-Cups gesetzt wurde – genau in der Saison, in der auch der FC Salford City an dem Turnier teilnahm. Scholes setzte hier zwar nicht auf das eigene Team, doch habe sich dieser Umstand laut FA „nicht mildernd“ auf die Angelegenheit ausgewirkt. Nur auf Grund der hohen Kooperationsbereitschaft, die Scholes an den Tag legte, habe man sich für eine überschaubare Geldstrafe und eine Verwarnung entschieden. Ob Paul Scholes tatsächlich aus seinen Fehlern gelernt hat, bleibt an dieser Stelle abzuwarten.

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