Holland vor Lizenzvergabe

Nun ist es beschlossene Sache: In den Niederlanden können sich private Online-Glücksspielanbieter ab dem 01. Januar 2021 für eine Glücksspiellizenz bewerben. Damit öffnet auch der nächste deutsche Nachbarstaat seinen Markt und steht einer Liberalisierung kurz bevor. Allerdings hat die niederländische Glücksspielbehörde Kansspelautoriteit (KSA) bereits zu verstehen gegeben, dass es für lizenzierte Unternehmen strenge rechtliche Auflagen geben wird, wie sie in keinem anderen europäischen Staat derzeit vorzufinden sind. Zudem soll illegales Glücksspiel fortan strenger bestraft werden als in der Vergangenheit.

Auf Bildschirm eines Notebooks ist das Europa-Symbol mit goldenem Schloss zu sehen; daneben liegen Zettel und Stift.

Das niederländische Gesetz besitzt im Vergleich zu anderen europäischen Staaten die strengsten Auflagen für Online-Glücksspielanbieter. ©Mohamed_hassan/Pixabay

René Jasen mit guten Nachrichten für Glücksspielindustrie

Die Gaming-Plattform „Gaming in Holland” aus dem Dezember letzten Jahres ist auch für die Glücksspielindustrie von großem Interesse gewesen. Denn auch der Vorsitzende der niederländischen Glücksspielbehörde Kansspelautoriteit, René Jansen, war vor Ort und gewährte vielsagende Einblicke in die Entwicklung des holländischen Glücksspielmarktes.

Denn auch in den Niederlanden gab es einen langen und kontroversen Disput darüber, ob sich das Land privaten (Online-)Glücksspielanbietern, also vornehmlich Online-Casinos, öffnen soll. Nun gibt es darauf eine klare und für betroffene Unternehmen gewiss erfreuliche Antwort von Jansen: ja.

Allerdings gibt es auch eine Einschränkung: Denn die Bewerbung für Lizenzen, die zur rechtlich legalen Aktivität auf dem niederländischen Markt berechtigen, wird nicht wie ursprünglich geplant in diesem Jahr, sondern erst ab dem 01. Januar 2021 möglich sein.

Zudem wies der Vorsitzende der KSA darauf hin, dass sich die Ausarbeitung der notwendigen gesetzlichen Vorschriften länger hinziehe als erwartet, was ebenfalls ein Grund sein soll, weswegen sich der Start des Bewerbungsprozesses für die Lizenzen verzögert.

Spezifische Einzelheiten über die Entwicklung der Gesetzesvorlage gab Jansen auf der Gaming-Messe allerdings nicht, betonte aber, dass Glücksspielunternehmen äußerst strenge Vorlagen einzuhalten hätten, die staatlich ebenso streng kontrolliert würden.

“Um sich für eine Lizenz zu qualifizieren, werden Sie beweisen müssen, dass Sie all diese Anforderungen erfüllen. Und lassen Sie mich Ihnen versichern: Wir werden definitiv herausfinden, ob Ihre Maßnahmen lediglich auf dem Papier existieren.”

Suchtprävention größtes Streitthema

Als besonders schwierig stelle sich derzeit die Formulierung des Gesetzestextes zum Thema Suchtprävention heraus. Denn viele politische Parteien fordern bei diesem Thema deutlich detailliertere und strengere Vorgaben, als sie in den meisten anderen europäischen Ländern existieren, in denen private Glücksspielanbieter bereits legal aktiv sein dürfen.

Qua Gesetz sollen diesbezüglich konkrete Forderungen an die jeweiligen Glücksspielunternehmen gestellt werden, beispielsweise:

  • Nachweispflicht konkreter Maßnahmen, die zum Spielerschutz und zur Suchtprävention getroffen werden
  • Nachweispflicht von Weiterbildungsmaßnahmen verantwortlicher Mitarbeiter, die mit Spielerschutz und Suchtprävention betraut sind
  • Verantwortung zur Ausarbeitung individueller Maßnahmen, um speziell die Kundengruppe im Alter zwischen 18 und 25 Jahren vor pathologischem Glücksspielverhalten zu schützen
  • Umsetzung neuster technischer Systeme zur Alters- und Identitätsüberprüfung neu registrierter Spieler

Neben der Suchtprävention wollen sich niederländische Politiker laut Jansen aber auch eindringlich mit der Glücksspielwerbung auseinandersetzen, und sich dabei an europäischen Vorbildern wie Italien orientieren. Demnach sollen bestimmte öffentliche Orte sowie bestimmte Sportveranstaltungen von Glücksspielbewerbung befreit sein.

Hohe Strafen für illegales Glücksspiel

Parallel zu den grundsätzlich erfreulichen Nachrichten zur Entwicklung des niederländischen Glücksspielmarktes wurden allerdings auch strenge neue Regelungen getroffen, die illegal agierende Glücksspielanbieter fortan härter sanktionieren als zuvor.

Bislang mussten nicht-lizenzierte Unternehmen eine Mindeststrafe von 150.000 Euro hinnehmen, wenn ihnen illegales Glücksspiel in den Niederlanden nachgewiesen werden konnte. Dieser Betrag wurde nun auf 200.000 Euro angehoben. Zudem gibt es keine Beschränkung nach oben mehr, was im Umkehrschluss bedeutet, dass bei besonderer Schwere des Vergehens auch Strafen im höherstelligen Millionenbereich denkbar sind.

Dass diese Regionen gar nicht so schwierig zu erreichen sind, wird deutlich, wenn man sich etwas näher mit dem Strafenkatalog beschäftigt. Denn reagiert ein illegales Glücksspielunternehmen nicht auf die Forderungen der niederländischen Behörden, wird bereits ab der zweiten Verwarnung das Bußgeld um ein Viertel erhöht.

Doch auch dieser Satz kann gegebenenfalls noch weiter auf 50 Prozent steigen, wenn die illegale Aktivität in Verbindung mit Glücksspiel von Minderjährigen oder Problemspielern steht. Ein Grund für derartig strenge Sanktionierungen könnte auch sein, dass jährlich äußerst hohe Summen durch illegale Anbieter generiert werden. Dies könnte nun aber bald vorbei sein.

“Laut dem Statistikinstitut (Centraal Bureau voor de Statistiek) erwirtschaftete der niederländische Glücksspielsektor 2018 Gelder in Höhe von 2,05 Mrd. Euro. Seit 2015 ist der Umsatz um elf Prozent angestiegen. Pikant dabei: Den größten Anteil am Umsatz sollen nicht-lizenzierte Glücksspielanbieter haben. Deren Einnahmen sollen im selben Vergleichszeitraum gar um 20 Prozent angestiegen sein, was einer Gesamtsumme von circa 600 Mio. Euro entspricht.”

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