Hessische Spielhallen atmen auf

Das deutsche Bundesland Hessen hat seine Corona-Schutzverordnungen seit dem 15. August gelockert. Damit einher geht die Abschaffung der Maskenpflicht für Besucher herkömmlicher Spielhallen und Casinos. Auch in Baden-Württemberg wurde die Maskenpflicht bereits abgeschafft. Ist der Beschluss ein Segen für die schwerangeschlagene Branche oder kommen die Lockerungen zu früh?

Spielautomaten in einer herkömmlichen Spielothek.

Noch Ende Mai warnte der bekannte Virologe Christian Drosten vor voreiligen Corona-Lockerungen. ©kaisender/Pixabay

Neue Regel gilt nicht für das Personal

Ab sofort müssen die Besucher|-innen von hessischen Spielhallen und Casinos keinen Mund- und Nasenschutz mehr tragen, so lautet der Beschluss des Corona-Kabinetts der Hessischen Landesregierung. Die neue Regelung gilt allerdings nicht für die Mitarbeiter, von denen weiterhin das Tragen einer Maske erwartet wird. Alle anderen Regelungen wurden außerdem bis zum 31. Oktober 2020 verlängert.

Weiterhin ist der Barbetrieb in Spielhallen untersagt. Auch die Ausgabe von Speisen, Getränken oder Snacks über Automaten ist nach wie vor untersagt. Zudem gelten weiterhin strenge Hygieneregeln, Spielhallen müssen Desinfektionsmittel bereitstellen. Darüber hinaus sind die Regeln zur sozialen Distanzierung einzuhalten. Dies bedeutet, dass Warteschlangen zu vermeiden sind. Über Zugangskontrollen wird sichergestellt, dass nur eine bestimmte Anzahl von Gästen zugegen ist.

Es gilt darauf zu achten, dass sich pro 20 Quadratmeter Spielfläche nur ein Gast aufhält. Beispielsweise dürfte eine Spielhalle von 150 Quadratmetern maximal sieben Besucher einlassen. Auch die Spielgeräte müssen kontinuierlich desinfiziert werden, um eine Ausbreitung des gefürchteten Lungenerregers Covid-19 zu verhindern. Sollte es dennoch zu Infektionen kommen, droht eine Rückkehr zur Maskenpflicht oder die Zwangsschließung.

Um Infektionsketten nachverfolgen zu können, müssen die Gäste weiterhin ihren Namen, Anschrift und Telefonnummer abgegeben. Die Daten müssen einen Monat lang für die zuständigen Behörden aufgehoben werden. Nach Ablauf der Frist müssen die Betreiber die Daten, die keinesfalls zu Werbezwecken verwendet werden dürfen, jedoch unwiderruflich löschen.

HMV begrüßt die Lockerung

Wie auch schon bei der Wiedereöffnung der Spielhallen, meldeten sich Branchenverbände mit Blick auf die Lockerungen in Hessen zu Wort. So bekundete zum Beispiel der Hessische Münzautomaten-Verband (HMV) in einer Pressemitteilung seine Freude über die Aufhebung der Maskenpflicht. Gleichzeitig wies der Verband jedoch darauf hin, dass neue Beschränkungen im Falle von Infektionen unvermeidlich seien.

Der Verband ermahnte seine Mitglieder deshalb dazu, die noch bestehenden Vorschriften ernst zu nehmen. Das Personal wurde weiterhin dazu angehalten, Disziplin walten zu lassen und die Hygiene- und Sicherheitsvorschriften einzuhalten. Keinesfalls dürfe mehr Kunden als vorgeschrieben Einlass gewährt werden, ebenso sei auf die Einhaltung des Mindestabstands zu achten. Auch die Registrierung der Kunden sei weiterhin erforderlich.

Lockerungen auch in Baden-Württemberg

Das Bundesland Hessen folgt mit seiner neuen Verordnung dem Beispiel Baden-Württembergs, wo bereits seit Anfang Juli entsprechende Lockerungen in Spielhallen eingeführt wurden. Der Automaten-Verband des Bundeslandes hatte seine Mitglieder über die grundlegenden Änderungen informiert. Für Gäste wurde die Maskenpflicht ebenfalls aufgehoben, nicht jedoch für die Mitarbeiter.

Ein Jurist des Verbandes wies allerdings darauf hin, dass die Pflicht nur aufgehoben wird, wenn die Spielstätten alle weiteren Sicherheitsvorkehrungen einhalten. Zum Beispiel müsse ein gleichwertiger Schutz, zum Beispiel durch Trennwände, gegeben sein. Das in Baden-Württemberg geltende Rauchverbot, welches mit der Maskenpflicht einherging, wurde ebenfalls aufgehoben. Dennoch habe die Wahrung aller sonstigen Maßnahmen höchste Priorität.

Kommen die Lockerungen zu früh?

Darüber lässt sich diskutieren. In den letzten sieben Tagen (Stand 18.08.) meldete Hessen 828 Neuinfektionen. In Baden-Württemberg waren es 228. Dass sich die Situation schnell zuspitzen kann, zeigte sich jüngst im Ruhrgebiet, das seit wenigen Tagen als Corona-Hotspot gilt. Allein in Herne kam es am 13.08. zu 30 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner. Ab 50 Infektionen in sieben Tagen droht ein neuer Lockdown.

Noch Ende Mai hatte der deutschlandweit bekannte Virologe Christian Drosten gegenüber Welt.de vor zu schnellen Lockerungen gewarnt. Der Ansatz mehr Eigenverantwortung zuzulassen, wie es zurzeit auch bei den Spielhallen geschieht, wurde kritisiert. Drosten forderte außerdem bessere Vorschriften für bedeutsame soziale Institutionen wie Schulen und Kitas. Es bleibt abzuwarten, ob die derzeitigen Experimente der Bundesländer glücken.

Gauselmann geht auf Nummer sicher

Die Schließung der deutschen Spielhallen aufgrund von Covid-19 hat der Branche zweifellos schwerzugesetzt. Ein Grund für den deutschen Spielhallen-Marktführer Gauselmann (Merkur) auf Nummer sicherzugehen. In der vergangenen Woche wurde bekannt, dass das Unternehmen aus Espelkamp über 800 seiner Mitarbeiter auf Corona testen lassen hat. Laut eigenen Aussagen waren alle Ergebnisse negativ.

Die Tests waren für die Mitarbeiter kostenlos und fanden in Kooperation mit dem Johannes Wesling Klinikum Minden innerhalb von drei Tagen statt. Auch der Firmeninhaber Paul Gauselmann (85) ließ sich untersuchen. Man habe die Pandemie als Unternehmen gut gemeistert, flächendeckende Tests seien nötig, um der Krise zu begegnen, so der deutsche Automatenkönig, der inzwischen natürlich auch ein Merkur-Online Casino betreibt.

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