GVC streitet Wirecard-Verbindungen ab

Der britische Glücksspielkonzern GVC Holdings hat Berichte dementiert, die eine frühere türkische Tochtergesellschaft mit dem Wirecard-Skandal in Verbindung bringen. Laut Berichten der Tageszeitung The Times, soll der Zahlungsabwickler Kalixa, den GVC im Juni 2017 nach der Übernahme von bwin veräußerte, in fragwürdige Deals mit dem inzwischen insolventen Zahlungsdienstleister Wirecard verflochten gewesen sein.

Eine Zahlung wird per Smartphone an einem Scanner durchgeführt.

Wirecard wird Bilanzverfälschung in Höhe von rund 1,9 Mrd. Euro vorgeworfen. ©JonasLeupe/Unsplash

Wie nah stand GVC an Wirecard?

Vor dem Hintergrund des Wirecard-Skandals, der innerhalb der letzten Monate regelmäßig für Schlagzeilen sorgte, kämpft der britische Glücksspielriese GVC Holdings nun um seine Reputation am Finanzmarkt. Die Zeitung The Times stellte in einem Bericht Vermutungen darüber an, dass die ehemalige türkische GVC-Tochter Kalixa in dubiose Geschäfte mit dem schwerangeschlagenen Zahlungsdienstleister verwickelt gewesen sein könnte.

Zurückzuführen ist der Bericht auf die Ermittlungen der britischen Finanzaufsicht (HMRC), wonach Verbindungen des früheren türkischen GVC-Ablegers mit Wirecard bestehen könnten. 2015 war Kalixa im Rahmen der bwin-Akquisition in den Besitz von GVC gelangt. Nach der Ladbrokes Coral-Übernahme, die 2017 eingeleitet wurde, wurde Kalixa für 29 Mio. Pfund an Senjō Group (Singapur) verkauft. Fortan firmierte das Unternehmen unter PXP Financial.

Wie aus dem Times-Bericht hervorgeht, könnte PXP anschließend innerhalb des Wirecard-Netzwerks als Bindeglied fungiert haben, um bestimmte Zahlungsflüsse und Geschäftsaktivitäten zu verschleiern. Besonders brisant ist der Vorwurf, dass PXP auch nach dem Verkauf weiterhin Transaktionen für GVC vorgenommen haben soll. Dies wird vom Management des börsennotieren Marktriesen nun entschieden zurückgewiesen.

“Die Untersuchung des HMRC bezieht sich auf frühere Zahlungsdienstleister, deren einzige Verbindung zu GVC in der Bereitstellung von Dienstleistungen für das türkischsprachige Geschäft bestand. Der Ausschuss kann bestätigen, dass er keine Beweise für eine Verbindung zwischen der Untersuchung des HMRC und den im Zeitungsbericht erwähnten Zahlungsdienstleistern gibt.”Robert Hoskin, Sprecher, GVC Holdings, Pressemitteilung

Reaktionen an der Londoner Börse

Wirecard war auch schon vor dem Skandal ein berüchtigter Name, der in den Medien häufig mit Transaktionen für Pornografie und Glücksspiel in Verbindung gebracht wurde. Das Unternehmen implodierte, nachdem aufgedeckt wurde, dass eine angebliche Finanzrücklage von rund 1,9 Mrd. Euro in Wahrheit gar nicht existiert. Die Verknüpfung mit GVC ist laut Times rein spekulativ, dennoch sorgte die Meldung für Reaktionen an der Börse.

Am Donnerstag (30.07) ist der Aktienkurs von GVC beim frühen Handel an der Londoner Börse um knapp neun Prozent gesunken. Die Aktien erholten sich später ein wenig, schlossen aber immer noch fünf Prozent unter dem Wert vom Mittwoch. GVC erklärte folglich, dass man die Untersuchungen des HMCR weiterhin vollständig unterstützen werde und den Status Quo regelmäßig aktualisieren werde.

Ist Kenny Alexander verwickelt?

Ein weiterer Sachverhalt sorgt für zusätzliche Brisanz, im Mittelpunkt steht hierbei der kürzlich zurückgetretene GVC-CEO Kenny Alexander. Im Jahr 2019 soll GVC seine höchstlukrativen, aber rechtlich-skizzenhaften türkischen Geschäfte an eine Person abgetreten haben, die mit dem ehemaligen Geschäftsführer in Verbindung stand. Alexander selbst war nur wenige Tage vor der Ankündigung des HMRC abrupt in den Ruhestand getreten.

Bereits letzten Sommer sah sich GVC gezwungen, öffentliche Berichte zu dementieren, in denen es hieß, dass Kenny Alexander über Umwege immer noch von früheren türkischen Geschäftspartnern profitiert. Am Donnerstag gab GVC eine kurze Erklärung heraus, in der es hieß, dass sich die Untersuchung des HMRC lediglich auf ehemalige dritte Zahlungsdienstleister bezieht. Es gebe, wie bereits erwähnt, keine Beweise für etwaige dubiose Aktivitäten.

Der Ladbrokes-Inhaber wiederholte, die HMRC-Untersuchung in diesem Zusammenhang vollständig unterstützen zu wollen. Es sei geplant, dass das Unternehmen am 13. August einen Analystenbesuch abhält, um seine H1-Ergebnisse zu diskutieren. Laut GVC wurden 96 Prozent der Einnahmen aus national-regulierten Märkten gewonnen, was man mit der Analyse hervorheben wolle.

Wirecard auch in Deutschland Thema

Die Debatte um Wirecard im Zusammenhang mit Glücksspiel ist auch in Deutschland Thema. So meldete sich kürzlich der Deutsche Spielbankenverband zu Wort und kritisierte, dass Wirecard auch bei der Nutzung von Online Casinos beliebt gewesen sei. Auch im Zusammenhang mit dem Skandal um die sogenannten Paradise Papers seien ähnliche Affären aufgedeckt worden.

Der Verband kritisiere außerdem die deutsche Rechtsprechung in Bezug auf Zahlungstransfers im Glücksspiel. Hier würde immer noch mit zweierlei Maß gemessen. Von Spielbanken würde eine hohe Transparenz und Sicherheit bei Transaktionen verlangt, während man beim Online Glücksspiel anders verkehrt. Online Casinos ohne deutsche Lizenz würden demnach das deutsche Gesetz umgehen.

Derartige Debatten könnten mit der geplanten Regulierung des deutschen Online Glücksspiels endgültig von der Bildfläche verschwinden. Ab Juli 2021 werden Online Casinos, Online Poker und Online Sportwetten legalisiert, was eine bessere Kontrolle des Sektors ermöglicht. Eine entsprechende Gesetzesnovelle wird derweil in Brüssel ratifiziert. Eine neue Glücksspielbehörde in Sachsen-Anhalt wird die Aufsicht übernehmen und zudem Lizenzen an seriöse Anbieter vergeben.

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