Großbritannien: Werbestopp & Geld für GambleAware

In Großbritannien sollen Spieler durch einen Werbestopp in der Coronakrise besser geschützt werden. Zudem soll die GambleAware 9 Mio. Pfund erhalten. Letzteres teilte die britische Gambling Commission jüngst in einem Statement mit. Wie es heißt, sei der Bedarf der Unterstützung im Zuge der Corona-Pandemie deutlich gestiegen. Aus diesem rund soll die gemeinnützige Organisation finanzielle Hilfe erhalten. Der Werbestopp wiederum wurde von der Industrie beschlossen und soll ab dem 7. Mai gelten.

Das britische Parlament in London.

Auch im britischen Parlament ist das Werbeverbot immer wieder ein Thema. Jetzt kommt die Idee für einen Werbestopp aber aus der Branche. ©272447/Pixabay

GambleAware erhält 9 Millionen Pfund

In der aktuellen Gesundheitskrise ist der Bedarf an Hilfsangeboten offenbar auch in der Glücksspielbranche gestiegen. Das jedenfalls geht aus einer Pressemitteilung der UK Gambling Commission hervor. Die britische Glücksspielbehörde teilte jüngst mit, dass der Bedarf nach Unterstützung im Bereich des pathologischen Glücksspiels aufgrund der Corona-Pandemie zugenommen habe. Aus diesem Grund solle die Hilfsorganisation GambleAware insgesamt rund neun Millionen britische Pfund erhalten.

Die Behörde erklärt, dass es sich bei diesen Geldern um Strafzahlungen handelt. Heißt: Glücksspiel- und Sportwetten-Anbieter mussten diese Summen in der Vergangenheit aufgrund von Verstößen gegen die Regulierungsvorgaben an die UKGC zahlen. Bereits seit vielen Jahren werden diese Gelder dafür genutzt, um mögliche Schäden durch das Glücksspiel zu bekämpfen und zu behandeln.

Von Seiten der GambleAware heißt es, dass die Summe in die Behandlung und Unterstützung von Spielsüchtigen investiert werden soll. Nicht die erste große Finanzspritze in diesem Jahr. Bereits Anfang 2020 konnte sich die GambleAware über rund 27 Millionen Pfund freuen, die in Form eines Hilfspakets von der UKGC überwiesen wurden.

Jetzt kommt noch einmal ein Nachschlag, da aufgrund der Corona-Pandemie offenbar noch mehr Geld erforderlich ist. Zu dieser Entscheidung kam ein Untersuchungsausschuss der britischen Glücksspielbehörde. Dieser analysierte, dass aufgrund von Absagen zwar weniger Sportwetten platziert werden, dafür aber ein deutlich gestiegenes Interesse an anderen Glücksspielprodukten erkennbar sei.

Erhöhte Gefahr für Verbraucher?

Gerade in der aktuellen Zeit der Gesundheitskrise sei die Gefahr für die britischen Verbraucher deutlich höher, erklärt William Moyes als Vorsitzender der britischen Glücksspielkommission. Es sei daher enorm wichtig, dass Organisationen wie die GambleAware trotz aller Widrigkeiten ihre Arbeit fortsetzen könnten. Der Vorsitzende im Detail:

”Neben einem strengen und flexiblen Regulierungssystem ist es äußerst wichtig, dass Organisationen wie die GambleAware und ihre Partner ihre großartige Arbeit fortsetzen können. Insbesondere in Zeiten, in denen ein erhöhtes Risiko besteht, dass Menschen aufgrund der Maßnahmen zur sozialen Distanzierung zu Hause glücksspielbedingt Schaden nehmen.”William Moyes, Vorsitzender/UK Gambling Commission

Wenig überraschend äußerte sich auch die GambleAware sehr erfreut über die Finanzhilfe der Gambling Commission. Wie Marc Etches als CEO der Organisation erklärte, könne man dank dieser Hilfen nun weiterhin Präventions- und Behandlungsdienste anbieten. Hierzu gehören Dienstleistungen in ganz England, Schottland und Wales, die in Zusammenarbeit mit verschiedenen Experten, wie zum Beispiel dem NHS (National Health Service) betrieben werden.

Branchen-Support: BGC-Mitglieder wollen Werbemaßnahmen pausieren

In Sachen Spielerschutz engagiert sich derweil auch die britische Glücksspielbranche selbst. Wie die Glücksspielvereinigung vom Betting and Gaming Council (BGC) mitteilte, haben sich die Mitglieder der Vereinigung auf eine Werbepause einigen können. Diese soll spätestens ab dem 7. Mai greifen und dafür sorgen, dass sämtliche TV- und Radiowerbungen für Glücksspielprodukte ausgesetzt werden.

In der Pressemitteilung heißt es weiter, dass diese Maßnahme eine freiwillige Reaktion auf die Folgen der COVID-19-Pandemie sei. Rund 50 Prozent der aktuell aktiven Werbemaßnahmen würden demnach von den Mitgliedern der Vereinigung stammen. Diese hofft nun laut eigener Aussage, dass auch andere Glücksspielunternehmen dem Beispiel folgen.

Bis wann die Werbemaßnahmen konkret heruntergefahren werden sollen, ist noch nicht klar. Sicher ist aber, dass die Maßnahme mindestens einen Monat lang, bis zum 5. Juni, andauern soll. Gelockert werden soll die Werbepause demnach erst dann, wenn auch die britische Regierung ihre Maßnahmen zum Infektionsschutz mindert.

Ernsthafter und konstruktiver Ansatz

Gerade in der jüngeren Vergangenheit hatten sich Glücksspielgegner immer wieder dafür ausgesprochen, die Werbemaßnahmen deutlich zu bremsen. Dies sei bei dieser freiwilligen Entscheidung jedoch kein Grund gewesen, erklärt Michael Dugher als Geschäftsführer des BGC. Stattdessen arbeite die Vereinigung eng mit den Ministern zusammen, um so optimale Spielerschutzmaßnahmen für diese speziellen Zeiten umsetzen zu können. Dugher erklärt:

”Es wird immer wieder alarmschlagenden Lärm auf Seiten der Glücksspielgegner geben, die es auf Schlagzeilen abgesehen haben. Aber diese neue und weitreichende Maßnahme ist das Ergebnis eines ernsthaften, konstruktiven und evidenzbasierten Ansatzes aller lizenzierten Mitglieder des BGC.”Michael Dugher, Geschäftsführer/Betting and Gaming Council (BGC)

Anders als von den Gegnern des Glücksspiels angenommen, sei es auch nicht zu einem Anstieg der Beteiligungen am Online-Glücksspiel gekommen, so Dugher weiter. Stattdessen hätten die Mitglieder des BGC einen Umsatzeinbruch von insgesamt rund 60 Prozent zu verzeichnen. Der Grund hierfür liege laut Dugher nicht zuletzt darin, dass die Menschen deutlich weniger Zeit auf Online-Glücksspielseiten verbringen als vor der Corona-Krise.

Dem BGC liegt laut Dugher viel daran, die Risiken rund um das Glücksspiel nicht nur während, sondern auch nach der Gesundheitskrise einzudämmen. Ob sich dies auch künftig auf die Werbemaßnahmen der Glücksspielanbieter in Großbritannien auswirken wird, bleibt abzuwarten. Bisher hat die Branche ihre Maßnahmen immer erfolgreich verteidigen können. Das aktuelle Entgegenkommen ist zudem ein Beleg dafür, dass man sich der sozialen Verantwortung durchaus bewusst ist. Und allzu viel Erfolg dürften die Werbemaßnahmen speziell im Sportwetten-Bereich derzeit wohl ohnehin nicht bringen.

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Roulettekessel mit gestapelten Chips.

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