Google: Tool gegen Glücksspielwerbung

Der Internetriese Google hat ein neues Tool eingeführt, welches es den Nutzern von YouTube erlaubt, mehr Kontrolle über Glücksspielwerbung zu gewinnen. Das Steuerelement ermöglicht es sowohl glücksspiel- als auch alkoholbezogene Reklamen größtenteils zu deaktivieren. Mit dem Schritt reagiert Google auf die zunehmende Kritik von Nutzern und Gesetzgebern. Wie sehen die Entwicklungen im Detail aus?

Ein Nutzer startet die YouTube-App auf dem Smartphone.

Google muss zurzeit auf verschiedene neue Werberegeln in mehreren Ländern reagieren. ©StockSnap/Pixabay

Tool geht ab 2021 in die Vollen

Knapp zwei Monate nach einer Geldstrafe gegen Google in Italien hat der Suchmaschinengigant erneut an seinen Steuerelementen in Bezug auf Glücksspielwerbung gefeilt. Eine neue Einstellung soll es den Nutzern von YouTube in Zukunft ermöglichen, weniger Werbung für Glücksspiele und Alkohol zu sehen. Laut eigenen Aussagen sei es im Vorfeld immer öfter zu negativen Feedbacks vonseiten der Nutzer gekommen.

Viele Personen würden sich demnach wünschen, weniger Werbung für Glücksspiele und Alkohol zu sehen. Schon seit längerem bietet Google die Möglichkeit, bestimmte Anzeigen stumm zu schalten. Nutzer können angeben, welche Anzeigen sie lieber nicht sehen wollen. Außerdem hat Google eigene Richtlinien darüber festgelegt, wann und wo Glücksspiel- und Alkoholwerbung geschaltet werden darf, um gefährdete Gruppen und Minderjährige zu schützen.

Mit der neuen Funktion können Nutzer durch einen einzigen Klick in ihren Einstellungen festlegen, dass weniger Glücksspiel- und Alkoholwerbung angezeigt werden soll. Der Schritt kann, sofern gewünscht, jederzeit wieder rückgängig gemacht werden. Eine 100-prozentige Eindämmung sei zwar nicht möglich, dennoch ließe sich die Werbung damit stark reduzieren. Beginnend in den USA soll das Tool Anfang 2021 weltweit verfügbar sein.

Laut Google sei die neue Funktion ein wichtiger Schritt für die Verbesserung der Kontrollmöglichkeiten. Zukünftig sollen die Einstellungen immer weiter optimiert werden. Die Personalisierung der Anzeigen müsse sich in gleicher Weise entwickeln, wie sich anderweitige Produkte und Dienstleistungen entwickeln. Lediglich in Ländern mit gesetzlichen Beschränkungen gegen Glücksspiel- oder Alkoholwerbung, so zum Beispiel in Italien, wird es keine derartigen Neueinführungen geben, da dort eine komplette Unterbindung der Reklamen stattfindet.

Google kooperiert mit IARD

Bei der Entwicklung der neuen Funktion hat Google mit der International Alliance for Responsible Drinking (IARD) und ihren Mitgliedern zusammengearbeitet. Ziel war es, die umfassenden Erfahrungen bei den Standards für verantwortungsvolle Glücksspiel- und Alkoholwerbung auszunutzen. Albert Baladi, Vorsitzender der IARD, erklärte, festentschlossen zu sein, weitere neue und robuste Standards für verantwortungsvolles Marketing durchzusetzen.

Laut Google seien viele der Werbetreibenden, mit denen der US-Konzern zusammenarbeitet, darin bestrebt, die Entscheidungen und kulturelle Unterschiede der Menschen in Bezug auf Werbung zu respektieren. Aus diesem Grund habe man sich mit der IARD zusammengetan. Die Partnerschaft ermögliche es, näher auf die Wünsche und Vorstellungen der Nutzer einzugehen. In punkto Werbung sei ein hohes Maß an Sensibilität erforderlich, man hoffe, dass das neue Tool der Beginn einer größeren Bewegung ist.

Druck durch neue Regulierungen

Das Update von Google erfolgt zu einem Zeitpunkt an dem Glücksspielwerbung Bestandteil zahlreicher neuer Regulierungen und Beschränkungen ist. Neben dem seit Sommer 2019 bestehenden Werbeverbot in Italien, auf das Google reagieren musste, bahnt sich auch in Spanien eine Reform an. Neue Regularien gehen mit drastischen Werbebeschränkungen einher. Nur die staatlichen Lotterien ONCE und SELAE sind ausgeschlossen.

Für alle privaten Betreiber gilt ein strenges Werbeverbot außerhalb von 01:00 und 05:00 Uhr morgens. Dies gilt auch für Streamingdienste und Plattformen wie YouTube, womit eine Reaktion von Google erneut erforderlich ist. Jedoch werden die Maßnahmen vonseiten der Branche massiv kritisiert. Spaniens Regierung, so die Kritik von Jdigital und der EGBA, bevorzuge die staatlichen Lotterien, womit die Regeln gegen die EU-Recht verstoßen würden.

Änderungen in UK und Deutschland

Auch im Vereinigten Königreich bahnt sich derzeitig eine Reform des Glücksspielgesetzes an. Im Rahmen der Überarbeitung des Gambling Acts wird aktuell auch Glücksspielwerbung unter die Lupe genommen. Zum Oktober nächsten Jahres drohen gravierende Beschränkungen, die vor allem den Sportbereich betreffen könnten. Ob und inwieweit Google in Großbritannien reagieren muss, bleibt vorerst noch abzuwarten.

Parallel bahnt sich die Legalisierung des Online Glücksspiels in Deutschland an: Der Markt soll ab Juli 2021 öffnen, seit dem 15. Oktober gelten bereits Übergangsregeln. Allerdings ist immer noch unklar, ob und inwieweit lizenzierte Betreiber für ihre Produkte werben dürfen. Ein Verbot würde eine erfolgreiche Kanalisierung in den legalen Markt behindern. Es bleibt abzuwarten, wie sich Google positionieren muss.

Eine Branchenlösung hatte zuletzt der Deutsche Verband für Telekommunikation und Medien (DVTM) in Zusammenarbeit mit dem Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft (ZAW) erarbeitet. Das Konzept bezieht sich allerdings nur auf die bundesweite TV-Werbung, die auf höchsten 17.000 Minuten pro Monat begrenzt werden soll. Ob das Konzept Anklang findet, bleibt ebenfalls abzuwarten.

Euch gefällt unser Beitrag? Dann teilt ihn gern euren Freunden mit.

Ähnliche Beiträge