Google: Klage wegen Glücksspiel-Apps

Der Internetgigant Google LLC sieht sich wegen der Vermarktung und dem Verkauf von potenziell illegalen Glücksspiel-Apps in seinem Play Store mit zwei Sammelklagen konfrontiert. Die erste Klage bezieht sich auf die Applikationen von Zynga, die zweite auf die von DoubleU Games. Google soll durch In-App-Käufe an den sogenannten Social Casinospielen mitverdienen. Eine ähnliche Klage wurde kürzlich auch gegen Apple eingereicht. Sind die Vorwürfe berechtigt?

 Eine Geschäftszentrale von Google LLC.

Hat Google durch In-App-Käufe an illegalen Glücksspiel-Apps mitverdient? ©StephenBergin/Unsplash

30 Prozent Provision für In-App-Käufe

Ein Verbraucher hat vergangene Woche im Northern District of California eine Sammelklage gegen Google LLC und die Google Payment Corp. eingereicht. In der Klageschrift wird behauptet, dass der Internetgigant von illegalen Glücksspiel-Apps profitiert, die von Zynga Inc. entwickelt und im Google Play Store angeboten, verkauft und vertrieben werden. Kurz zuvor wurde auch der Entwickler Zynga wegen seiner Casinospiele verklagt.

Ferner behaupten die Kläger, dass Google Spielautomaten und Tischspiele im Casinostil sowie andere typische Glücksspiele über seinen Play Store anbietet, die unter das kalifornische Glücksspielgesetz fallen. Nutzer von Android müssten für den Kauf der Apps bezahlen oder In-App-Käufe über Google Play tätigen, um an den Spielen teilzunehmen.

Weiter heißt es, dass Google von den App-Entwicklern verlangen würde, das eigene Abrechnungssystem zu verwenden, um die Spiele über den Play Store anzubieten. Auf diesem Wege würde Google durch die App-Verkäufe und In-App-Käufe eine 30-prozentige Provision erhalten. Die Kläger fügten hinzu, dass sowohl Google als auch Zynga für die benannte Art von Apps verantwortlich seien. Google würde es zulassen, dass nicht-lizenzierte Casinos im Play Store agieren.

In einer ganzen Reihe von Ländern hatte Google erst kürzlich wieder Glücksspiel-Apps um Echtgeld erlaubt. Bisher waren Angebote um Echtgeld nur in Großbritannien, Frankreich, Irland und Brasilien zulässig. Zu den neuen Ländern gehören Deutschland, Japan, Dänemark, Schweden, Norwegen, Finnland, Spanien, Kanada und die USA, wo die Apps bisher verboten waren. Die Betreiber waren gezwungen, diese über alternative Stores oder die eigene Webseite zu vermarkten. Prinzipiell unterscheidet Google in seinen Richtlinien vier Arten von Glücksspiel-Apps: Online Casinospiele, Sportwetten, Lotterien und DFS (Daily Fantasy Sports).

Besonderheiten bei Zynga und Co.

Bei den besagten Applikationen handelt es sich nicht um Glücksspiele mit Echtgeld, sondern um sogenannte Social Casino-Apps. In der Klage wird erklärt, dass ein Verbraucher, einige kostenlose Spielmünzen oder Chips erhält, wenn er zum ersten Mal bei Zynga (oder DoubleU Games) spielt. Ferner erhalte der Spieler die Möglichkeit, weitere Münzen oder Chips bei spielautomatenähnlichen Games zu gewinnen.

Allerdings würden die Spielchips schnell ausgehen, dann würden Spieler dazu aufgefordert, weitere Chips mit echtem Geld zu kaufen. Ohne die Chips könne man, so die Klageschrift, nicht weiterspielen. Zudem hätten die Spieler keine Möglichkeit, echtes Geld zu gewinnen und zu sammeln, um davon weitere Chips zu kaufen. Stattdessen könne man nur mehr Spielzeit durch die gekauften Chips gewinnen.

Da die Spieler echtes Geld bezahlen müssen, um die Chancen zu erhalten, mehr Spielzeit zu gewinnen, würden die Apps gegen die Glücksspielgesetze von 25 US-Staaten verstoßen. Darüber hinaus wird in der Klage behauptet, dass die Amerikaner 2019 etwa 3,5 Milliarden US-Dollar durch diese Art von Apps verloren haben. Dies, obwohl es sich laut Zynga und Google um sogenannte Free to Play-Apps handelt.

Wegen derartiger Apps wurde erst kürzlich, ebenfalls in Kalifornien, eine Klage gegen Apple eingereicht: Der Konzern soll Milliarden an den In-App-Käufen verdienen und gleichzeitig das illegale Glücksspiel fördern. Es wird Schadenersatz gefordert. Darüber hinaus wollen die Kläger eine Rückerstattung der Verluste erwirken, die durch die Apps entstanden sind. Obendrein wird auf eine Verfügung gegen die weitere Vermarktung gezielt. Apple soll Kenntnisse darüber besitzen, dass es sich bei zahlreichen Free to Play-Apps um ähnliche Social Casino-Apps handelt, deren Betreiber Spielchips gegen Echtgeld anbieten würden.

In der Klage gegen Google wird betont, dass die Spieler zwar kein echtes Geld beim Spielen gewinnen können, jedoch Geld dafür ausgeben müssen und verlieren, um an den Spielen teilzunehmen. Dies könne aus Sicht des Verbraucherschutzes verheerende Folgen haben. Ein großer Teil der Einnahmen würde durch eine sehr kleine Anzahl an Teilnehmern erzielt. Google profitiere daher durch glücksspielbezogene Schäden.

Ungerechtfertigte Bereicherung?

Eine der Kläger erklärte seine Verluste am Beispiel des Spiels Willy Wonka Slots (Zynga), dieses habe er sich kostenlos herunterladen können. In nur drei Monaten habe er 160 US-Dollar für Spielchips ausgegeben, um weiter an dem Spiel teilnehmen zu dürfen. Offizieller Grund der Klage ist daher die Wiedererlangung von Glücksspielverlusten.

Geltend gemacht werden Verstöße gegen zivilrechtliche Rechtsbehelfsgesetze und die ungerechtfertigte Bereicherung von Google. Der Kläger beantragte Schadensersatz, die Rückerstattung und Herausgabe von Kosten und Gebühren sowie Vorfälligkeitszinsen und andere Maßnahmen.

Die Klagen beziehen sich auf alle Personen, die Gelder an Google für Spielchips in den Zynga- oder DoubleU-Casinos bezahlt haben. Betroffen sind Menschen aus Alabama, Arkansas, Connecticut, Georgia, Illinois, Indiana, Kentucky, Massachusetts, Minnesota, Mississippi, Missouri, Montana, New Hampshire, New Jersey, New Mexico, New York, Ohio, Oregon, South Carolina, South Dakota, Tennessee, Vermont, Virginia, Washington und West Virginia. Ob die Klage erfolgreich verläuft, bleibt abzuwarten.

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