Glücksspielwerbung: Disput in Irland

Im Dezember 2020 wurde in Irland der Gaming and Lotteries (Amendment) Act 2019 in Kraft gesetzt – eine vorläufige Gesetzgebung, welche den veralteten Gaming and Lotteries Act von 1956 aktualisiert. Das Land befindet sich nun in einer Reform des Glücksspielwesens und berät schon seit längerem über ein pauschales Glücksspielwerbeverbot. Da die Spielausgaben in der Bevölkerung immer weiter ansteigen, fordert (u. a.) Präsident Michael D. Higgins eine schnelle Umsetzung der Vorschrift. Wie sehen die Entwicklungen im Detail aus?

Ein Kreisdiagramm wird ausgewertet.

Im vergangenen Jahr sollen irische Bürger|-innen 1,36 Milliarden Euro verspielt haben. ©PhotoMIX-Company/Pixabay

Glücksspielwerbung in Irland zu massiv?

Es ist kein Geheimnis, dass das neue Glücksspielgesetz Irlands mit verschärften Regelungen für Glücksspielanbieter einhergeht. Die Situation könnte sich nun jedoch erheblich zuspitzen: Ein pauschales Verbot für Werbung könnte zeitnah eingeführt werden, so die neuesten Meldungen der Zeitung Irish Times. Alan Kelly, Vorsitzender der Labour Party, warnte jüngst vor den zunehmenden Auswirkungen glücksspielbezogener Schäden in Irland.

Laut Kelly würden betroffene Spieler die negativen Auswirkungen oft verstecken, bis es zu spät sei. Unterstützt wurde er dabei von Präsident Michael D. Higgins, der von einer Geißel sprach. Im letzten Jahr sollen die Spielverluste in Irland bei 1,36 Milliarden Euro gelegen haben. Die massive Glücksspielwerbung sei dafür maßgeblich verantwortlich und treibe die Spieler in problematische Bereiche. Die Situation müsse schnellstmöglich verändert werden.

Ein Verbot von Glücksspielwerbung müsse umgehend eingeführt werden, ein entsprechender Gesetzentwurf des Labour-Senators Mark Wall liege bereits vor. Es könne nicht sein, dass derartige Summen an Geld von einer geringen Anzahl an Spielern ausgegeben werden. Dies geschehe vor allem im Bereich Sportwetten. Man müsse sich schnellsten mit dem Thema auseinandersetzen, um eine Zunahme der Probleme zu verhindern.

Präsident Michael D. Higgins wendete sich diesbezüglich sogar mit einem persönlichen Appell an die Bevölkerung: Er habe in den letzten Wochen mit vielen Menschen gesprochen, die Abhängigkeiten aller Art überwunden hätten – Sportwetten hätten an dieser Stelle jedoch die größten Schäden verursacht. Trotzdem sei die komplette Medienlandschaft inzwischen mit Sportwettreklamen übersättigt. Es gäbe diesbezüglich viele Fragen im öffentlichen Interesse zu beantworten, allen voran, wie es so weit kommen konnte, dass ganze Familien von den Auswirkungen der Reklamen betroffen seien. In einigen Jahren würden die Menschen erstaunt sein, dass so viel Werbung in TV, Radio, Internet und Print zugelassen wurde.

Dauert Regulierung in Irland zu lange?

Davon gehen Politiker, Glücksspielkritiker und Zeitungen mittlerweile aus. Laut Alan Kelly sei die Regulierung des Glücksspiels in Irland im Vergleich zu anderen europäischen Ländern rückständig und ließe lange auf sich warten. Zurzeit plane man die Einführung einer Regulierungsbehörde, welche die Befugnis erhalten soll, Glücksspielwerbung schärfer zu regulieren. Die Instanz wird jedoch erst Anfang 2023 einsatzfähig sein.

Dies, obwohl sie ihre Arbeit ursprünglich, wie im Mai 2019 angekündigt, binnen 18 Monaten aufnehmen sollte. Das Hauptziel der Behörde soll sein, die Prinzipien des verantwortungsvollen und sicheren Glücksspiels zu wahren. Ebenso sollen problematische Spielweisen bekämpft und behandelt werden. Es sei nun an der Zeit, von der großen Glücksspielreform zurückzutreten, um konkrete Probleme direkt anzupacken.

Senator Mark Wall sieht das ähnlich: Durch die fehlende Regulierung habe sich das Glücksspiel in Irland zu einem schleichenden Problem entwickelt. Mit neuen Gesetzen wolle man diesem Problem nun entgegentreten und den Verbraucherschutz stärken. Hauptgrund für das derzeitige Fiasko sei die veraltete Gesetzgebung des Landes, die den Anforderungen eines modernen digitalen Marktes nicht mehr gewachsen sei.

Laut Mark Wall habe die irische Bevölkerung im Jahr 2019 eine Summe von rund 9,8 Mrd. Euro für Glücksspiele ausgegeben. Dies entspreche 379,51 Euro pro Kopf, was die siebthöchsten Glücksspielausgaben der Welt markiere. Fast die Hälfte davon (~ 4,8 Mrd. Euro) wurde in Casinos, Spielautomaten und Bingo investiert. Die restliche Summe floss in Sportwetten, Pferderennen und Lotterien. Allein aufgrund dieser enormen Summen sei es, so Wall, bedeutsam, unnötige Förderungen des Glücksspiels zu verhindern. Dazu diene ein Werbeverbot in den Medien, in öffentlichen Verkehrsmitteln, auf Plakatwänden und im Internet.

Bombardement an Wettreklamen?

Wie auch Präsident Higgins kritisierte Senator Wall jüngst insbesondere das hohe Aufgebot an Wettreklamen bei größeren Sportevents. 75,4 Prozent der TV-Übertragungen würden mindestens eine Glücksspielreklame enthalten. Zudem sei Glücksspielwerbung die häufigste Form, die bei Sportübertragungen im TV gezeigt wird und die siebthäufigste Art von Werbung in ganz Irland. So, sei eine feste Verbindung zwischen Wetten und Sport entstanden.

In Bezug auf die Reklamen bei Sportereignissen sprach Wall von einem regelrechten Bombardement. Hinzu käme die hohe Verfügbarkeit von Sportwetten auf Mobiltelefonen. Jederzeit könnten Geldbeträge gesetzt werden, während früher die Notwendigkeit bestanden habe, zum Tippen in ein Wettbüro zu gehen. Aus der allgemeinen Verfügbarkeit der Angebote hätten sich in Irland zunehmend problematische Spielweisen entwickelt.

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