Glücksspiel-Razzien in Österreich

Bereits seit 2018 führen die österreichischen Behörden einen erbitterten Kampf gegen illegales Glücksspiel. Nun kam es erneut zu Razzien in Oberösterreich, bei denen etliche nicht-registrierte Spielautomaten sichergestellt wurden. Außerdem wurde ein illegales Pokerturnier in Wels gesprengt, wo es zu zwei Festnahmen kam. Trotz des immer größeren Polizeiaufgebots scheint das Land die Situation aber nicht zu kontrollieren.

Herkömmliche Spielautomaten in einer Spielothek.

Österreich zählt Tausende illegale Spielautomaten, beschlagnahmte Geräte werden schnell ersetzt. ©djedj/Pixabay

Betreiber erschweren Beschlagnahmung

In Österreich ist es letzte Woche erneut zu großangelegten Razzien der Finanzpolizei gegen illegales Glücksspiel gekommen. Insgesamt wurden 38 Spielautomaten sichergestellt, darüber hinaus wurden zwei Pokertische beschlagnahmt. Mit der Aktion einher ging die Schließung mehrerer illegaler Glücksspielbetriebe im Bundesland Oberösterreich. Konkret wurden sechs Standorte in den Städten Linz und Wels ins Visier genommen.

Die Finanzpolizei, welche dem österreichischen Finanzministerium untersteht und sich mit Steuer- und Sozialversicherungsbetrug sowie illegalem Glücksspiel und Verstößen gegen die Arbeitsrechte befasst, erklärte, dass man der Dreistigkeit und Gier der Täter nur mit offensiven Reaktionen entgegentreten könne. Finanzminister Gernot Blümel betonte, dass durch illegale Automaten nicht nur Steuern hinterzogen werden, sondern auch das Leben von Problemspielern gefährdet wird.

Eine der Örtlichkeiten, an denen die Razzia durchgeführt wurde, ein Restaurant, wurde bereits zum siebten Mal innerhalb von sieben Wochen untersucht, wobei die Finanzpolizei jedes Mal aufs Neue nicht-lizenzierte Spielautomaten am Ort des Geschehens vorfand. Seit Ende Mai wurden allein in diesem Restaurant über 20 Geräte beschlagnahmt. Die Besitzer hatten die Automaten mehrfach am Boden befestigt, um die Beschlagnahmung zu verhindern.

An einem weiteren Standort wurde versucht, das Eindringen der Polizei zu verhindern, indem die Türen versiegelt wurden. Um sich Zutritt zu verschaffen, sah sich die Finanzpolizei gar gezwungen, einen Schlosser einzuschalten. Ein Angestellter wurde später aufgrund von mangelnder Kooperationsbereitschaft mit der Polizei bei der Staatsanwaltschaft angezeigt.

Illegales Pokerturnier ausgehoben

In der Stadt Wels, zurzeit ein Zentrum von illegalen Glücksspielaktivitäten, hob die Finanzpolizei obendrein ein illegales Pokerturnier aus, ebenfalls in einem Restaurant. Insgesamt waren 30 Personen an dem Spiel beteiligt. Die illegale Veranstaltung wurde umgehend von den rund 21 Beamten gestoppt. Zwei Spieltische und vier illegale Spielautomaten wurden konfisziert.

Hierbei wurden zwei Personen, ein 44-jähriger Serbe, der sich illegal in Österreich aufhielt sowie ein 37-jähriger Albaner, festgenommen. Ermittlungen wurden in allen Fällen gegen die Betreiber der Lokalitäten eingeleitet. In diesem Sinne gratulierte Finanzminister Blümel zu der bedeutsamen Großaktion. Der Erfolg verdeutliche einen Trend, dass sich illegale Glücksspiele momentan vor allem auf Ballungsräume beziehen, so der Politiker laut Kronen-Zeitung.

Anfang des Jahres sprach sich Blümel (ÖVP) im Übrigen auch für die Einrichtung einer neuen unabhängigen Glücksspielaufsicht aus. Diese soll die Marktaufsicht des Finanzministeriums künftig übernehmen. Nur so ließen sich die vielfältigen Funktionen der Behörde entwirren, womit eine bessere Kontrolle des Glücksspielsektors ermöglicht würde.

Kampf gegen die Automatenmafia

Bereits seit 2012 gelten in Österreich strenge Vorgaben für das Aufstellen von Spielautomaten. In guter Lage erzielen die Geräte Einnahmen von über 10.000 pro Monat. Da die Behörden zu lange nicht stringent genug gegen illegale Spielautomaten vorgingen, hat sich inzwischen eine regelrechte Automatenmafia etabliert, die nur noch schwer zu kontrollieren ist und seit 2018 von der Finanzpolizei bekämpft wird.

Die Offensive der Finanzpolizei gleicht jedoch einem Kampf gegen Windmühlen. Teilweise werden die illegalen Spielautomaten über Nacht ersetzt. Zudem lassen sich die Drahtzieher immer gewieftere Methoden einfallen, um den Ermittlern ihre Arbeit zu erschweren. Die Spielgeräte werden teils mit Gewindestangen und Spezialbefestigungen fest am Boden verankert. Häufig werden sie sogar einbetoniert.

Die Situation gleicht seit längerem einem bewaffneten Kampf. Immer häufiger sehen sich die Beamten mit tätlichen Angriffen konfrontiert. Berichte von präparierten Geräten, welche bei Öffnung Reizgas verströmen, sorgten schon häufiger für Schlagzeilen. Außerdem werden Türen teils unter Strom gesetzt, sobald sich die Ermittler dem jeweiligen Einsatzort nähern.

Operation Joker größter Erfolg

Die größte und erfolgreichste Polizeiaktion zur Eindämmung der Spielautomaten erfolgte im Mai 2019. Bei der sogenannten Operation Joker wurden über 600 illegale Spielautomaten sichergestellt. Diese wurden in einer Halle in Niederösterreich gebunkert. Die Staatsanwaltschaft sprach folglich von einem Nachschublager für illegales Glücksspiel in Hinterzimmern und dem größten Schlag gegen die Automatenmafia in der Geschichte des Landes.

Im Rahmen der Aktion, an der 320 Polizeibeamte beteiligt waren, kam es außerdem zu 43 Hausdurchsuchungen, bei denen fünf Personen festgenommen wurden. Einsatzorte waren unter anderem Wien, Salzburg, Niederösterreich, das Burgenland und die Steiermark. Beschlagnahmt wurden auch Gold, Silberbarren und Bargeld in Höhe von rund 382.000 Euro. Obendrein erhielt die Polizei Zugriff auf über 30 Bankkonten.

Unter den festgenommenen Personen befand sich auch der Kopf einer kriminellen Gruppierung, die als Wiener Gruppe bezeichnet wird. Diese gilt als mafiaartige Organisation. Die Polizei geht davon aus, dass die Gruppierung mindestens 1,6 Mio. Euro an Glücksspieleinnahmen unterschlagen hat. Wie sich an den jüngsten Aktionen zeigt, ist der illegale Automatenmarkt in Österreich jedoch alles andere als unter Kontrolle. Die weiteren Entwicklungen bleiben abzuwarten.

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Das Blaulicht eines Polizeiwagens beim Einsatz.

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