Glücksspiel-Razzien in Kalifornien und New York

Die Strafverfolgungsbehörden der USA sind in der vergangenen Woche gegen illegal agierende Glücksspiel-Organisationen in den Staaten Kalifornien und New York vorgegangen, es kam zu mehr als 20 Festnahmen. Im Fokus der Ermittlungen steht unter anderem die versuchte Manipulation eines NCAA-College-Basketballspiels durch Bestechung. Hier ein Überblick zum Geschehen.

Ein Blick auf die Brooklyn Bridge in New York City.

Die Nachwuchspolitikerin Nicole Malliotakis musste sich für die Mafia-Verbindungen ihres Mitarbeiters rechtfertigen. (©Wikipedia)

Verbindungen zur Politik

Die US-Strafverfolgungsbehörden befinden zurzeit im Kampf gegen illegale Glücksspiel-Syndikate: Bei zwei großangelegten Polizeirazzien in San Fernando Valley (Kalifornien) und Staten Island (New York) kam es in der Nacht auf den letzten Donnerstag (03.10) zu über 20 Festnahmen. Während in Kalifornien lediglich die Computer von rund ein Dutzend „kleiner Fische“ konfisziert wurden, sollen in New York elf der Beschuldigten der berüchtigten Mafiafamilie Colombo angehören. Neben Erpressung, Kreditwucher und Nachstellung wird den Verdächten auch die versuchte Manipulation eines College-Basketballspiels der NCAA (National Collegiate Athletic Association) vorgeworfen.

Besonders brisant an dem Fall ist die Tatsache, dass sich der 25-jährige Benjamin Bifalco, ein Mitarbeiter der amtierenden New Yoker Senatsabgeordneten Nicole Malliotakis, unter den Tatverdächtigen befindet. Bifalco ist außerdem örtlicher Direktor für Gemeindeangelegenheiten und bekleidet somit ein wichtiges öffentliches Amt.

Jetzt wird dem Politiker vorgeworfen Spielmanipulationen zusammen mit dem Sohn eines New Yorker Mafiapaten, dem 26-jährigen Joseph Amato Jr., geplant zu haben. „Tausende von Dollar“ sollen demnach „an mehrere Mitglieder“ eines bislang „nicht identifizierten Teams“ geflossen sein. Laut Aussagen der Tageszeitung New York Post konnte der Plan aber letztlich nicht umgesetzt werden. Dennoch avancierte die Nachricht über die Verstrickung zwischen Politik und illegalem Glücksspiel in New York binnen kürzester Zeit zur Skandalmeldung.

Malliotakis unter Druck

Infolge des Skandals blinkt nun auch der Name Nicole Malliotakis auf dem Radar der Behörden. In einem offiziellen Statement erklärte die 38-jährige New Yorker Nachwuchspolitikerin, dass sie Bifalco am 16. September als ihren Direktor für Gemeindeangelegenheiten eingestellt hat, nachdem sie von seiner Anklage erfuhr, habe sie ihn jedoch sofort entlassen. Mit Blick auf die fragwürdige Personalie hieß es fortführend:

“Er war in der lokalen Politik aktiv und plante, sich an einer juristischen Fakultät zu bewerben. Mir wurde er von einer Reihe von Leuten empfohlen. Ich bin schockiert und traurig über diese Nachricht. Ich habe keinerlei Toleranz für kriminelle Aktivitäten.”

Zum Verständnis: Benjamin Bifalco ist ein Neffe des ehemaligen US-Republikaners Vito Fosella, ein Staten Island-Republikaner, der mehr als ein Jahrzehnt im Kongress diente. Bifalco sowie auch sein Onkel Fosella, der sich nach einem Skandal um eine außereheliche Affäre und eine geheime zweite Familie im Jahr 2008 gegen eine Wiederwahl entschieden hatte, gaben bislang keine Stellungnahmen in Bezug auf die negative Publicity ab. Die Entwicklungen bleiben somit vorerst abzuwarten.

New York im Kampf gegen die Mafia

Bei der Colombo-Mafiafamilie (früher bekannt als Profaci-Familie) handelt es sich um die jüngste der sogenannten „Fünf Familien“ von New York City, die die organisierte Kriminalität dort weitestgehend beherrschen. Die Mafia wird in New York bereits seit Jahrzehnten massiv bekämpft. Wie präsent und mächtig die Verbrecherfamilien aber dennoch sind, zeigt der aktuelle Fall.

Schon seit ihren Anfängen um 1900 versucht die US-amerikanische Cosa Nostra eigene Wettkundschaften aufzubauen und Einfluss auf die Spiele der großen US-Sportligen zu nehmen. Diese Prozesse ziehen sich bis heute. Erst Anfang Januar nahm die New Yorker Polizei in diesem Zusammenhang drei vermeintliche Mitglieder der Mafia fest: Den 65-jährigen John Adriello, den 60-jährigen Marco Minuto und den 48-jährigen Brian Levine. Allen Verdächtigen wurde vorgeworfen illegale Wetten auf Amateur- und Profi-Footballspiele angeboten zu haben.

Zu einem weiteren Fall kam es im Mai diesen Jahres, als sich der Mafiosi Eugene „Boobsie“ Castelle vor Gericht aufgrund illegaler Buchmachergeschäfte verantworten musste. Der Verdächtige gilt als rechte Hand der ebenso berüchtigten Luchese-Familie. Der 59-jährige wurde gegen eine Kaution in Höhe von 1 Mio. US-Dollar aus der Untersuchungshaft entlassen, letztlich jedoch zu über drei Jahren Haft verurteilt.

US-Ligen wehren sich gegen Spielmanipulation

Aufgrund der brisanten Geschichte – und vor allem aufgrund der bundesweiten Sportwettlegalisierung im Mai 2018 – wappnen sich derzeitig immer mehr US-amerikanische Profisportligen gegen Wettmanipulation und Spielbetrug. Zu diesem Zweck wurden innerhalb der letzten Monate eine Reihe von Abkommen mit den beiden führenden europäischen Sportdaten-Dienstleistern Sportradar und Genius Sports begründet.

Die Londoner Datenschutzexperten von Genius haben derweil bereits Deals mit der NBA (National Basketball Association), der PGA (Professional Golf Association) sowie der nordamerikanischen Stock-Car-Rennserie Nascar abgeschlossen. Außerdem wurde erst letzten Juni ein Integritätsabkommen mit der LPGA, dem weiblichen Äquivalent zur PGA, begründet.

Auf der anderen Seite unterstützt das im schweizerischen St. Gallen stationierte Datenschutzunternehmen Sportradar bereits die NFL (National Football Association) sowie den E-Sports-Anbieter Riot Games. Zudem wurde im März ein Abkommen mit der MLB (Major League Baseball) unter Dach und Fach gebracht. Ob es den Datenschützern tatsächlich gelingt, der Infiltrierung des Sportwettsektors durch das organisierte Verbrechen gänzlich Einhalt zu gebieten, bleibt vorerst abzuwarten.

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