Glücksspiel: Ärger in GB und Spanien

Viel Aufregung in der Glücksspielbranche. In Spanien sorgt die Politik mit Reformen für Veränderungen, in England drückt die Corona-Krise die Umsätze. Während vor allem die Online-Glücksspielanbieter in Großbritannien gut durch die Krise gekommen sind, dürfen die stationären Casinos noch immer nicht wieder öffnen. Das sorgt für viel Frust bei den Betreibern. In Spanien ist die Branche hingegen aufgebracht wegen eines neuen Gesetzesentwurfes. Dieser sieht deutliche Einschnitte im Bereich der Werbung für Glücksspielangebote vor.

Das Fußballstadion von Real Madrid.

Glücksspielwerbung auf Fußballtrikots sowie in Stadionnamen ist in Spanien künftig untersagt. ©juanmaalmazan/Pixabay

GB: Corona bringt schwere Folgen für Glücksspielbranche

Die weltweite Corona-Krise hat in der Glücksspielbranche ganz unterschiedliche Spuren hinterlassen. Zu den Gewinnern sind in diesem Zusammenhang die Online Casinos zu bezeichnen. Auf der Verliererseite stehen hingegen die stationären Spielbetriebe. Wie dramatisch die Lage aktuell in Großbritannien ist, hat nun ein Beteiligter selbst geschildert. Matt Rutt, der General Manager des Grosvenor Casinos in Birmingham, hat sich in einem Statement an die Öffentlichkeit gewandt. Der britische Glücksspielfachverband Betting and Gaming Council (BGC) veröffentlichte das Statement auf seiner Webseite.

Stellung genommen hat der Casino-Manager zur Lage auf dem Markt unmittelbar nach einer für die Branche brisanten Entscheidung. Am 9. Juli hatte die britische Regierung Lockerungen in den Corona-Maßnahmen verabschiedet. Nicht aber für die stationären Casinos im Land. Diese müssen weiterhin geschlossen bleiben. Der Druck auf die Branche wächst, insgesamt 14.000 Menschen sind direkt in diesem Sektor beschäftigt.

Fehlende Zeitpläne sorgen für Unsicherheit

In den Augen des Casino Managers sorgt die Regierung in der Branche vor allem dadurch für Unmut, dass keine konkreten Zeitpläne oder wenigstens Hinweise auf zeitliche Planungen bekannt sind. Stattdessen würde die Branche mit ihren 14.000 Angestellten vollends im Dunkel tappen. Allein in seinem Casino in Birmingham würden 73 Mitarbeiter von den Maßnahmen und der fehlenden Informationsweitergabe betroffen sein. Unverständlich sei für die Casino-Betreiber zudem, warum andere Glücksspielunternehmen bereits wieder öffnen dürfen. So dürften die Kunden die Bingohallen und Wettbüros im Land bereits wieder besuchen, die Spielcasinos aber nicht.

Das sei nicht nur aus wirtschaftlicher Sicht bitter, sondern auch aus persönlicher Sicht. Der Manager gab an, er und viele andere aus der Branche hätten sich im Kampf gegen das Virus für die Allgemeinheit eingesetzt. So hätte er sich zum Beispiel beim Rettungsdienst des National Health Service (NHS) gemeldet und warme Mahlzeiten an bedürftige Personen ausgeteilt. Laut den Aussagen des Managers seien zudem zuletzt zahlreiche Vorkehrungen getroffen worden, mit denen den Gästen ein sicheres Umfeld ermöglicht werden könne. So würde es in den Casinos eine umfangreiche Beschilderung geben, gleichzeitig seien Plexiglas-Trennwände an den Spieltischen, Automaten und Terminals angebracht worden. Schutzausrüstung für Kunden und Mitarbeiter stünde bereit, ebenso das Desinfektionsmittel für die Hände.

Spanien: Werbeverbot erzürnt Glücksspielbranche

Während in Großbritannien die allgemein geltenden Corona-Maßnahmen für Unmut in der Glücksspielbranche sorgen, sind es in Spanien branchenspezifische Regelungen. Vor wenigen Tagen hat die spanische Regierung einen Gesetzesentwurf für die Regulierung der Werbung für Online-Glücksspiele vorgelegt. Dieser sieht eine enorme Verschärfung der Vorgaben in Spanien vor und hat damit die Kritik der Branche auf sich gezogen. Diese fühlt sich zum einen ungerecht behandelt, warnt zum anderen aber auch davor, dass man mit den neuen Vorgaben zwangsläufig das illegale Glücksspiel stärken würde.

Trotz alledem liegt der Gesetzesentwurf der EU-Kommission jetzt erst einmal zur Prüfung vor. Darin enthalten sind unter anderem Vorgaben für die Werbezeit der Werbemaßnahmen. So sollen diese in Internet, Radio und TV auf die Zeiten zwischen 1 Uhr und 5 Uhr nachts fallen. Ärgerliche Änderungen bringt die Reform zudem für Spieler. Willkommensangebote sind in den Online Casinos künftig untersagt. Ebenso wird es gemäß Gesetzesentwurf Einschränkungen in den Werbeaktivitäten im Sport geben. Auf Trikots und der Ausrüstung von Vereinen darf nicht mehr für Online Casinos geworben werden. Darüber hinaus dürfen die Casinos auch nicht mehr als Namensgeber für Stadien oder andere Sporteinrichtungen auftreten.

Gesetz könnte den Markt schwer belasten

Branchen-Experten halten den Gesetzesentwurf für enorm gefährlich. So erklärte die Geschäftsführerin vom Compliance-Unternehmen Asensi Technologies, Aurora Merino, dass eine Gefahr für die Abwanderung auf den illegalen Markt bestünde. Dieser würde zunehmen, gleichzeitig würden sich vermutlich viele legale Anbieter vom spanischen Markt zurückziehen. Der Grund hierfür liegt in den Augen der Expertin auf der Hand. Die Unternehmen könnten es sich schlicht nicht mehr leisten, hier aktiv zu sein. Immerhin müsse man enormen Aufwand betreiben, um die Vorgaben zum Spielerschutz einhalten zu können. Gleichzeitig sei die Werbung der einzige Weg, um sich auf dem hart umkämpften Markt ins Gespräch bringen zu können.

Für zusätzlichen Ärger sorgt dabei der Umgang mit der spanischen Lotteriegesellschaft SELAE. Das staatliche Unternehmen ist von den Gesetzesreformen nämlich ausgenommen. Es sei denn, diese bewirbt explizit das Glücksspiel. Darüber hinaus steht SELAE ohnehin derzeit scharf in der Kritik. Nur einen Tag nach dem Bekanntwerden der Gesetzesreform teilte das Lotterieunternehmen mit, dass man die beliebte Weihnachtslotterie in diesem Jahr wieder ausrichten wolle. Kritiker werfen dem Konzern vor, dass die Tickets für diese Mega-Lotterie (Gesamtgewinne über zwei Milliarden Euro) zum Teil ohne entsprechende Altersprüfungen verkauft werden.

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Gut besetzter Spieltisch beim Roulette.

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