Forscher in Finnland testen Nasenspray zur Bekämpfung von Spielsucht

In Finnland wird an einer neuartigen Methode der Spielsuchtbehandlung gearbeitet. Ein Nasenspray mit dem Wirkstoff Naloxon soll den Impuls zum Spielen unterdrücken. Das Mittel wird seit geraumer Zeit zur Behandlung von Opiat-Überdosierungen eingesetzt.

Während einer dreimonatigen Erprobungsphase wollen die Mediziner prüfen, ob Naloxon auch zur Behandlung von Spielsucht eingesetzt werden kann. Bei dem Mittel handelt es sich um einen sogenannten Opioid-Antagonisten – es besetzt im Gehirn Andockstellen (Rezeptoren) für Stoffe auf Opiumbasis und synthetische Medikamente wie Heroin, Morphin und Methadon. Daher wird es seit Jahrzehnten als schnell wirkendes Gegengift bei Überdosierungen mit diesen Stoffen gespritzt.

Vor allem in den USA hat der Opiatmissbrauch in den letzten Jahren allerdings zugenommen und betrifft weite Teile der Gesellschaft. Damit auch nicht-medizinisches Personal das Notfallmedikament verabreichen kann, entwickelte das irische Unternehmen Adapt Pharma ein Nasenspray auf Naloxonbasis. Das Spray ist seit 2015 in den USA zugelassen. Dass Naloxon aber auch Abhilfe bei anderen Süchten schaffen könnte, wird schon länger diskutiert. Ähnliche Präparate kommen zum Beispiel bei Alkoholabhängigen zum Einsatz.

In Finnland wollen die Forscher um Hannu Alho, Professor der Suchtmedizin am Nationalen Institut für Gesundheit und Wohlfahrt in Helsinki, das Spray an 130 spielsüchtigen Probanden ausprobieren. Es ist die weltweit erste Studie ihrer Art. Eine Hälfte der Patienten erhält drei Monate lang das echte Mittel, die Kontrollgruppe ein Placebo. Zuvor hatten die Mediziner bereits mit Naloxon in Tablettenform experimentiert, diese Darreichungsform erwies sich wegen der langen Dauer bis zum Wirkungseintritt allerdings als untauglich. Grundsätzlich halten sie den Wirkstoff allerdings als für Spielsüchtige geeignet, wenn er als Spray eingesetzt schnell seine Wirkung entfaltet:

Das Spray gelangt innerhalb von Minuten ins Gehirn, daher ist es sehr nützlich für Spieler. Wenn das Verlangen nach dem Spiel einsetzt, benutzt man einfach das Spray.Hannu Alho, Professor der Suchtmedizin, Helsinki

Doch wie kann ein Mittel gegen stoffgebundene Süchte Spielern überhaupt helfen? Schließlich nehmen diese keine Stoffe zu sich, gegen die ein Gegengift denkbar erscheint. Doch die chemischen Abläufe im Körper des Spielsüchtigen ähneln weitgehend denen des Drogensüchtigen. Der Unterschied besteht vorwiegend darin, dass hier körpereigene „Glückshormone“ (Endorphine und andere) an die Opioid-Rezeptoren andocken, was zunächst als auslösend für den Spielimpuls gilt, und in der Folge das Verlangen nach immer mehr Endorphinen weckt. Diese „bekommt“ der Spieler beispielsweise am Automaten, häufig durch zunehmend schnelles und riskantes Spielen. Werden die Rezeptoren allerdings durch Naloxon blockiert, so die These der Forscher, sollten Rausch und Glücksgefühl beim Spielen ausbleiben – dem Süchtigen fiele es somit leicht aufzuhören, weil es ihm schlicht keinen Spaß brächte.

Risiken und Nebenwirkungen

Mann alleine am SpielautomatenOb sich das Mittel als echte Hilfe für Spielsüchtige erweisen wird, ist derzeit noch nicht abzusehen. Eine wichtige Aufgabe der finnischen Mediziner besteht unter anderem darin, Nutzen und Risiken des Präparats abzuwägen. Bekannte Nebeneffekte von Naloxon sind unter anderem Bluthochdruck, Entzugssymptome, Kopfschmerzen, Übelkeit und Muskelschmerzen. Als süchtig machend gilt der Stoff dabei nicht. Problematisch dürfte aber die schnelle Verstoffwechselung des Präparats sein. Die Wirkdauer beträgt zwischen einer und vier Stunden und könnte dadurch häufige Wiedereinnahme nötig machen. Wie sich aber eine dauerhafte Blockierung der Glückshormonrezeptoren auf das allgemeine Wohlbefinden auswirkt, wird sich zeigen müssen. Möglicherweise wird sich das Präparat bei Erfolg der Studie aber zu einer Ergänzung bestehender Behandlungsmethoden entwickeln.

Bislang wird Spielsucht vor allem mit Psychotherapien begegnet. Der Erfolg dieser stationär oder ambulant erfolgenden Behandlungen ist allerdings begrenzt. Die Rückfallquote liegt bei enormen 60%, und das bei einem vergleichsweise hohen finanziellen Aufwand durch monatelange Einzel- und Gruppentherapien. Die Betroffenen könnten zusätzliche und einfache Hilfe durch das Spray also sehr gut gebrauchen.

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