Fördern Smartphones die Spielsucht?

Die britische Suchtklinik NPGC hat Informationen bezüglich ihrer Patienten veröffentlicht. Demnach spielen Süchtige heute zu einem großen Teil über Smartphones und Tablets. Innerhalb von nur vier Jahren hat sich ihr Anteil beinahe verdreifacht. Liegt das nur an der hohen Verbreitung der Geräte oder sind sie besonders gefährlich?

Während bei der ersten Erhebung der „National Problem Gambling Clinic“ in den Jahren 2012 und 2013 bereits 24% der Patienten über ein problematisches Verhältnis zu mobilem Glücksspiel berichteten, beläuft sich dieser Anteil heute auf ganze 63%. Dass es sich dabei nicht nur um eine Verschiebung bei der Wahl des bevorzugten Gerätes handelt, zeigt eine deutlich gestiegene Gesamtzahl der Behandelten. Dennoch dürfte die in den letzten Jahren fortgeschrittene Verbreitung von Smartphones und Tablets ihren Anteil an der Entwicklung haben.

Bedenkt man ihre Allgegenwärtigkeit, ist die zunehmende Nutzung von Mobiltelefonen als Plattform für Glücksspiele in den letzten Jahren nicht überraschend.Dr. Neil Smith Psychologe an der NPGC

Hinzu kommen aber sicherlich auch die gesteigerten Bemühungen der Anbieter, ihre Spiele mobil nutzbar zu machen und ihre Apps offensiv zu bewerben. So sind spezielle Boni für das Herunterladen der Software keine Seltenheit und auch auf Mobilnutzung spezialisierte Anbieter wie LeoVegas sind mittlerweile etabliert. Auch die Buchmacher liefern sich ein Rennen um die flexibelste App und die aktuellsten Livewetten. Was für die meisten Kunden eine komfortablere Nutzung der Angebote bedeutet, wird für Spielsüchtige zum Problem: Ihren „Stoff“ können sie immer und überall bekommen, solange sich noch Guthaben auf dem Konto befindet.

Leichter Einstieg

Ohne Frage hat das Internet den Zugang zu Gamblingangeboten deutlich vereinfacht. Dass Smartphones den Weg zum Spiel um Geld jedoch in besonderer Weise ebnen, machten Fachleute beim bundesweiten „Aktionstag gegen Spielsucht“ letzte Woche deutlich. Nach ihrer Auffassung sind es Geldspielelemente in normalen Spieleapps, die den Einstieg ins Glücksspiel fördern. Es seien dabei vor allem Jugendliche, die ihr Handy zum Spielen verwenden. Zunächst zwar meistens mit vermeintlich harmlosen Apps – doch auch diese enthalten oft suchtfördernde Elemente. Während der Download zumeist kostenlos erfolgt, wird spätestens für Werbefreiheit Geld fällig. Die Möglichkeiten, danach immer mehr Geld auszugeben, sind nahezu endlos.

Kinder und Jugendliche besitzen immer früher Smartphones. In Spieleapps kann dann zum Beispiel ein Level für einen bestimmten Geldbetrag übersprungen werden. Genau da fängt es an.Yella Lennartz von der Suchtberatung Kontakt – Rat – Hilfe

Es sind vor allem diese In-App-Käufe, die problematisch werden können. Denn wer in einer Spieleapp vorankommen möchte, kann dies gegen Bezahlung oftmals beschleunigen. Einige Funktionen sind ausschließlich gegen Geld erhältlich. Die meist kleinen Beträge können sich schnell summieren, vor allem wenn die gekauften Funktionen einer zeitlichen Begrenzung unterliegen. Nicht nur Jugendliche verlieren da schnell den Überblick über die wirklichen Kosten. Es ist auch kein Wunder, dass die Nutzer solcher Apps früher oder später Interesse an echten Casinospielen auf ihrem Smartphone entwickeln. Immerhin besteht so eine Chance, Geld zurückzubekommen oder sogar große Gewinne abzuräumen.

Zwar steht nur für wenige Menschen am Ende dieser Entwicklung eine Sucht nach Glücksspielen, die meisten spielen zur eigenen Unterhaltung und um wenig Geld. In Deutschland ist die Zahl der Betroffenen ohnehin rückläufig. Doch die inhaltliche Ähnlichkeit von modernen Computerspielen (insbesondere der Mobilvarianten) zu Glücksspielen lässt sich kaum von der Hand weisen. Eine Generation, die das Smartphone und Käufe auf dem Gerät als alltäglich empfindet, könnte in besonderer Weise suchtgefährdet sein.

Den Spielerschutz stärken – aber wie?

Glücklicherweise ist es aber nicht die Technologie, hier das Smartphone, die das Problem verursacht. Sie kann nur die Verfügbarkeit steigern und dadurch Auswirkungen verstärken. Der Suchtkreislauf aus Einsatz – Verlust – Höherer Einsatz usw. ist in den Spielen selbst angelegt. Digitale Geräte bieten im Gegenteil sogar die Chance, dieses Problem besser in den Griff zu bekommen. Möglichkeiten zum Spielerschutz können beispielsweise in die Software integriert werden. Einsatzlimits lassen sich ebenso festlegen wie Spielpausen. Über Vernetzung könnte man solche Mechanismen sogar branchenweit installieren, es bräuchte dazu allerdings eine zentrale Kontrollstelle und die Mitwirkung der Industrie.

Solche Ansätze sind in Großbritannien bereits erkennbar, die lizensierten Online Gambling Unternehmen arbeiten an Sperrlösungen über einzelne Anbieter hinweg. In Deutschland hingegen fehlt es weitgehend an entsprechenden Regulierungen, der Realität zum Trotz gibt es immer noch kein wirkliches Regelwerk zum Online Glücksspiel.

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