Football Index: Erstes Urteil gefällt

Im März meldete die im britischen Jersey stationierte Sportwettplattform Football Index Insolvenz an. Die Abgeordnetengruppe APPG (All-Party Parliamentary Group) sprach gegenüber BBC von einem Skandal und leitete eine Untersuchung ein. Nun wurde ein erstes Urteil gefällt: Die Verwalter von BetIndex, dem Betreiber der zusammengebrochenen Fußballbörse, müssen umgerechnet 5,1 Millionen Euro an die Spieler zurückzahlen. Hier die Details.

Britische Fußballspieler beim Warmup.

Bei Football Index konnte (u. a.) auf die individuellen Leistungen von Fußballspielern gesetzt werden. ©NathanRogers/Unsplash

Welche Kunden haben Anspruch?

Im März sorgte die unerwartete Insovenz von Football Index in ganz Großbritannien für Schlagzeilen. Die Fußballbörse des Porno-Moguls Adam Cole (70) hatte unmittelbar zuvor signifikante Verluste gemeldet. Diese sollten mit einer Senkung der Dividendenausschüttung um bis zu 82 Prozent behoben werden. Kurz nach Insolvenz wurde die Lizenz des Unternehmens entzogen.

Infolge schaltete sich die APPG (All-Party Parliamentary Group) ein, sprach von einem Skandal, erhob schwere Vorwürfe gegen die UKGC (UK Gambling Commission) und ordnete eine Untersuchung an. Nun wurde ein erstes Urteil in der Angelegenheit gefällt: Die Dachgesellschaft BetIndex muss einen Betrag in Höhe von 4,5 Millionen Pfund an Spieler zurückzahlen, die teils von massiven Verlusten betroffenen sind.

Die Verwalter von BetIndex sollen bereits erste Schritte unternommen haben, um die Gelder auszuzahlen – es stellt sich jedoch die Frage, wie diese verteilt werden. Die Rückzahlung muss gegen die Beträge, die einzelne Kunden verloren haben, abgewogen werden.

Ein Antrag zur Bestimmung der angemessenen Verteilung der Gelder befindet sich bereits auf dem Football Index Player Protection Trust Account. Zudem muss eine Identifizierung der Kunden vorgenommen werden, die Anspruch auf Rückzahlungen hätten. Damit betraut wurde der Insolvenzverwalter Begbies Traynor. Ziel sei es, das bestmögliche Ergebnis für die jeweiligen Kunden auszuschlagen.

Die Plattform Football Index war dem Börsenhandel ähnlich: Spieler hatten die Möglichkeit, Anteile zu erwerben und sowohl auf die zukünftigen Leistungen von Fußballspielern als auch auf die Plattform selbst zu wetten. Zuletzt hatten die Spieler über 90 Millionen Pfund in das Unternehmen investiert. Dies aufgrund des offensiven Marketings von Inhaber Adam Cole, der sein Vermögen mit dem ersten VHS-Porno-Unternehmen der Welt generierte. Cole hatte die Spieler (u. a.) dazu aufforderte, ihre Kreditkarten voll auszuschöpfen, um maximale Renditen zu kassieren. Dies sorgte dafür, dass Football Index regelmäßig in Konflikten mit der britischen Werbeaufsicht (ASA) stand.

Überschuss von 1,3 Millionen Pfund

Erste Beschlüsse wurden im Rahmen des Insolvenzverfahren bereits getroffen: Auf dem Konto von BetIndex befinden sich laut neuesten Meldungen derzeitig 4,5 Millionen Pfund – die Haftung von BetIndex gegenüber den Kunden beläuft sich auf 3,2 Millionen Pfund, sodass ein Überschuss von 1,3 Millionen Pfund verbleibt. Dieser soll nun unter den Kunden verteilt werden, die noch Guthaben auf ihren Konten haben oder deren Wetten noch aktiv sind.

Unterdessen hat der Betreiber mit Verweis auf seine Geschäftsbedingungen zugesichert, dass Investitionen durch Spieler vor potenziellen Gläubigern geschützt sind. Gelder, die hingegen durch Wetten auf der Plattform platziert wurden, verfügen jedoch nicht über einen derartigen Schutz. Diese Gelder werden als Risikosummen betrachtet und wurden infolgedessen als verloren eingestuft. Ausgeschlossen davon sind wiederum Wetten, die noch aktiv sind.

BetIndex äußerte im Zuge des Insolvenzverfahrens auch die Hoffnung, dass es seinen Betriebsstatus in einer umstrukturierten Form beibehalten könne. Die derzeitige Dividendenstruktur wurde allerdings sowohl von der APPG als auch von der UK Gambling Commission als nicht tragbar eingestuft. Die Entwicklungen bleiben vorerst abzuwarten.

Insolvenz mit politischen Auswirkungen

Die Meldung des Bankrotts der 2015 gegründeten Plattform Football Index hatte unmittelbar für einen Aufschrei der APPG gesorgt – die parteiübergreifende Abgeordnetengruppe befasst sich in UK mit den Risiken und Schäden von Glücksspiel. Die Vorsitzende Carolyn Harris sprach in einem Brief an Kulturminister Oliver Dowden von einem Skandal, der die Notwendigkeit einer Reform des Glücksspielgesetzes unterstreiche.

Folglich stellte die APPG die Verluste der Spieler ins Zentrum der Debatte. Jeder Spieler habe durchschnittlich 3.000 Pfund verloren. Dies aufgrund von Fahrlässigkeit, denn die Glücksspielkommission habe Football Index nur unzureichend kontrolliert.

Die Pleite werfe erhebliche Fragen an die Glücksspielkommission auf, welche die Plattform lizenzierte und es versäumt habe, sie angemessen zu regulieren. Nun müsse ein Ombudsmann für Glücksspiele zum Einsatz kommen, der zwischen den Lagern vermittelt.

In der Zwischenzeit hatte eine Gruppe von Spielern die Anwaltskanzlei Leigh Day kontaktiert, um im Namen Tausender Spieler alle rechtlichen Schritte in Bezug auf potenzielle Schadensersatzforderungen überprüfen zu lassen. Die Untersuchungen laufen auch gegen die UKGC. Die Arbeitsweise der Glücksspielkommission werde nun auf den Prüfstand gestellt, hieß es von Nichola Marshall, einer Partnerin von Leigh Day. Es müsse untersucht werden, was die UKGC überhaupt von dem Geschäftsmodell der Fußballbörse verstanden hat und welche Rolle sie bei der Pleite spielte.

Matt Zarb-Cousin von der Clean Up Gambling-Kampagne, die ebenfalls mit enttäuschten Football Index-Kunden und Leigh Day zusammenarbeitet, ergänzte, dass die Geschäfte auf eine völlig inakzeptable Weise geführt wurden. Football Index habe sich in einer Situation befunden, in der Neukunden notwendig waren, um die Dividendenzahlungen an bestehende Kunden auszugleichen. Von einem lizenzierten Betreiber in einem regulierten Markt sei dies nicht zu erwarten.

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