FOBT-Debatte: Sportministerin Tracey Crouch tritt zurück

Die britische Politikerin Tracey Crouch (Conservative Party) ist überraschend von ihrem Amt als Sportministerin zurückgetreten. Grund dafür ist die Aussetzung des FOBT-Einsatzlimits von 2 Pfund pro Spin auf Oktober 2019.

Ein Foto von Großbritanniens Ex-Sportministerin, Tracey Crouch.

Die scheidende Sportministerin Tracey Crouch nahm schon seit Donnerstag (01.11.) nicht mehr an Tagungen teil – sie sei „sehr verärgert“, heißt es laut Insidern. © Wikipedia

In einem offiziellen Schreiben an die britische Premierministerin, Theresa May, bezieht Crouch ausführlich Stellung zu den Gründen ihres Rücktritts: Einen „richtigen Zeitpunkt“ dafür gebe es demnach nie, doch sei die FOBT-Politik der Regierung „gegen ihre Wünsche und ihr eigenes Portfolio gerichtet“ – dass über weitere sechs Monate „Geld und Leben“ durch FOBTs verloren gehen sollen, sei inakzeptabel. Das Kabinett um May müsste sich seiner „kollektiven Verantwortung“ stellen und dürfe dieser „nicht widersprechen“, so das ambitionierte Kredo der 43-jährigen Ex-Sportministerin.

Das FOBT-2-Pfund-Limit wurde zuerst im vergangenen Mai von UKs Regierung für April 2019 bestätigt – dem folgte jedoch ein Hin und Her:

Im letzten Juli war zwischenzeitlich von einer Aufschiebung bis 2020 die Rede. Die schlussendliche Aussetzung bis Oktober 2019 ging hingegen letzte Woche aus der Haushaltserklärung des Schatzkanzlers Hammond hervor. Die Inkraftsetzung des Limits soll hiernach mit der Einführung einer 20 Prozent-lastigen Onlineglücksspiel-Steuer einhergehen.

Zum Vorverständnis: Zusammen mit Schatzkanzler Philip Hammond und DCMS-Minister Matt Hancock (Department for Digital, Culture, Media and Sport) zählte Tracey Crouch, Sportministerin seit 2015, zu den führenden Stimmen im Kampf für die FOBT-2-Pfund-Grenze.

Bei FOBTs (Fixed-Odds-Betting-Terminals) handelt es sich um digitale Wett-Terminals, vorwiegend bei Buchmachern aufgestellt, die unter anderem auch klassische Casinospiele á la Roulette in digitaler Form anbieten. Seit ihrer Einführung 2001 dürfen an den Maschinen deshalb Maximaleinsätze bis zu 100 Pfund pro Spin verpulvert werden. Dass die inzwischen als `Crack-Cocaine´ berüchtigten Spielautomaten sowohl Suchtforschern wie auch Ex-Zockern und Glücksspielkritikern ein Dorn im Auge sind, verwundert kaum.

Die gänzlich unregulierten Roulette-Roboter sind in weniger als 20 Jahren zu einem tragenden Eckpfeiler der britischen Glücksspielbranche avanciert. Über 33.000 FOBTs sind inzwischen auf dem ansonsten streng regulierten Markt des Vereinigten Königreichs registriert. Jeder bringt seinem Besitzer durchschnittlich rund 55.000 Pfund pro Jahr ein. Eine 2-Pfund-Angleichung an herkömmliche Slots hätte laut Schätzungen ein Haushaltsdefizit von bis zu 400 Mio. Pfund zur Folge.

Politische Reaktionen

Im Anschluss an die Protest-geladene Rücktrittserklärung lobte der stellvertretende Labour-Chef, Tom Watson, Crouchs politisches Engagement sowie ihren Mut in Bezug auf die „prinzipientreue Entscheidung“. Wie der Vize-Vorsitzende weiter erklärt habe auch die Allparteiliche Parlamentarische Fraktion (APPG) bereits ihren Unmut über die „grundlose Verzögerung“ geäußert – mit dieser würden „Unternehmensinteressen, Gewinne und Gier“ vor die „öffentliche Gesundheit“ gestellt, heißt es.

In einer geschlossenen Sitzung der APPG in wenigen Tagen sollen folglich die nächsten Schritte der Regulierungs-Kampagne besprochen werden.

Zu Crouchs Rücktritt meldete sich unterdessen auch Regierungschefin Theresa May persönlich zu Wort – eine Verzögerung bezüglich der „wichtigen Maßnahme“ habe es demnach überhaupt nicht gegeben. Im Wortlaut heißt es:

„Wie haben vereinbart, dass die Änderung innerhalb eines Jahres – Oktober 2019 – vorgenommen werden soll. Nachdem wir uns entschieden haben, diese sehr signifikante Senkung der maximalen Einsätze vorzunehmen, müssen wir nun sicherstellen, dass die Änderung auf geordneten Bahnen und auf effektive Weise implementiert wird, um sicherzustellen, dass die Ergebnisse erzielt werden, die wir wollen.“

Dass die Premierministerin gerade angesichts des für Ende März 2019 angesetzten Brexit schwarze Zahlen schreiben will und muss, liegt auf der Hand. Andererseits ist eine mehr oder minder offensichtliche Abwälzung von Kosten auf das FOBT-Geschäft in diesem Kontext durchaus streitbar – vor allem da die Debatte in UK bereits seit Jahren Thema ist.

Ob und inwieweit die APPG in der Sache weiter in Opposition treten wird, bleibt vorerst abzuwarten. Sicher ist dagegen, dass mit Tracey Crouch eine der wohl sozial-engagiertesten Politikerinnen Großbritanniens die politische Bühne verlässt – was unter dem Strich keine Lösung darstellt, Exempel hin oder her.

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