EM-Aus für Deutschland: Kritik an Löw

Mit einer 2:0-Niederlage gegen England ist Deutschland im Achtelfinale aus der EM 2021 ausgeschieden. Bereits in der Gruppenphase hatte das Team um Joachim Löw einen holprigen Start hingelegt – einziger Hoffnungsschimmer war ein dominanter Sieg gegen Portugal (2:4). Kritik wird nun am scheidenden Bundestrainer Löw geübt. Was sagen die Pressestimmen zur Leistung der deutschen Nationalmannschaft und wie geht die EM weiter?

Das legendäre Wembleystadion in London, England.

Durch zwei Toren von Sterling (75. Min.) und Kane (86. Min.) steht England im Viertelfinale. ©maxopt/Pixabay

Ein Meilenstein der Fußballgeschichte

Mit Ach und Krach war die deutsche Nationalelf vergangene Woche ins Achtelfinale der Fußball-EM gegen England eingezogen. Für einen Sieg in Wembley hat es aber nicht gereicht: Deutschland unterlag seinem Erzrivalen nach einer zähen Partie mit 2:0. Für Joachim Löw markiert das Aus das Ende seiner 15-jährigen Karriere als Bundestrainer. England kann hingegen seinen ersten Sieg gegen Deutschland in einem K.o.-Spiel seit 55 Jahren feiern.

Nachdem Raheem Sterling den Ball in der 75. Minute hinter Manuel Neuer im Tor versenkt hatte, lag Thomas Müller der rettende Ausgleich auf dem Fuß. Doch der 31-jährige FC Bayern-Star verfehlte trotz freien Laufs auf Tor. In der 86. Minute versetze Harry Kane Deutschland dann den Gnadenstoß und bescherte England den durchaus verdienten und langersehnten Sieg vor 41.973 Zuschauern im legendären Wembleystadion.

Der dreimalige Titelträger Deutschland, der bei den letzten Europameisterschaften immer mindestens das Halbfinale erreicht hatte, ist damit raus. England spielt nun im Viertelfinale (03.07.) gegen die Ukraine, die sich in letzter Sekunde überraschend mit 2:1 gegen Schweden durchsetzen konnten. Spanien wird einen Tag vorher (02.07.) auf die Schweiz treffen, die nach einem Elfmeterschießen gegen Weltmeister Frankreich ebenfalls ins Viertelfinale eingezogen ist.

Der Sieg Englands gegen Deutschland ist ein Meilenstein der Fußballgeschichte – die Rivalität beider Teams ist nicht nur wegen des berüchtigten Wembley-Tors 1966 legendär, sondern auch aufgrund von zwei dramatischen Halbfinalspielen bei der WM 1990 und der EM 1996, welche die deutsche Nationalmannschaft beide nach Elfmeterschießen gewinnen konnte. Darüber hinaus hatte Deutschland England im Achtelfinale der WM 2010 mit 1:4 abgeschossen. Diese Klatsche ist unvergessen und markiert die bis dato höchste WM-Niederlage der englischen Nationalmannschaft. Der Siegtreffer von Harry Kane markiert daher auch die Erlösung von einem Trauma.

Kritik am scheidenden Bundestrainer

Das Aus gegen England markiert einen bitteren Abschied für Joachim Löw (61), der nun – nach knapp 15 Jahren und dem Gewinn der Weltmeisterschaft 2014 – das Zepter des Bundestrainers an Hansi Flick weiterreicht. Löw wird derweil von einigen Experten kritisiert, allen voran meldete sich Ex-Nationalspieler Michael Ballack (44) zu Wort und kritisiert die späten Umstellungen und Wechsel des Bundestrainers.

Ballack habe sich laut eigenen Aussagen ohnmächtig gefühlt – er habe nicht verstanden, warum Löw erst so spät Umstellungen vorgenommen hat. In der 68. Minute hatte Löw Serge Gnabry für Timo Werner eingewechselt. Die Einwechslung von Leroy Sané erfolgte erst in der 87. Minute. Warum wisse keiner, so Ballack, der Rückstand sei daher zu erwarten gewesen.

Unverständlich ist Ballack auch, dass Jamal Musiala, der im dritten Gruppenspiel gegen Ungarn entscheidende Akzente setzten konnte, erst zwei Minuten vor Ende, bei einem Rückstand von 2:0 eingewechselt wurde. Dies sei ein Alibi gewesen, so Ballack, der an dieser Stelle Unterstützung von Fredi Bobic (49) erhielt. Man hätte fünf Wechsel, so Bobic, in der Vergangenheit sei Löw bereits durch fragwürdige Wechsel aufgefallen.

Einen anderen Blick zeigte Kapitän Manuel Neuer: Gefühlt habe sich das Spiel immer mehr in die eigene Hälfte verlagert, Kontermöglichkeiten seien nicht ausgenutzt worden, so der fünfmalige Welttorhüter. In einer K.o.-Runde habe man gegen gute Engländer gespielt, das Spiel sei lange auf der Kippe gewesen. Löw selbst räumte ein, es nicht geschafft zu haben, die letzte Kaltschnäuzigkeit auf den Platz zu bringen.

Trotz aller Kritik kann der scheidende Bundestrainer Joachim Löw auf eine beeindruckende Erfolgsbilanz zurückblicken: Als 10. Bundestrainer in 113 Jahren markiert das Spiel gegen England sein 198 Länderspiel. 124 davon wurden von Löw gewonnen. Unvergessen bleibt der Gewinn der vierten Weltmeisterschaft in Brasilien 2014. Im selben Jahr wurde er von der FIFA zum Fußballtrainer des Jahres gewählt. Trotz einiger Schwächephasen spielte die deutsche Nationalmannschaft unter Löw immer weit oben mit.

Englische Pressestimmen zum Sieg

In England wurde wahrscheinlich das lauteste Fußballfest seit 1966 gefeiert: Etliche Zeitungen und Magazine berichteten unlängst vom Erwachen aus dem deutschen Alptraum oder vertriebenen alten Geistern. So bekundete Daily Mail aus einem Traum erwacht zu sein – Prinz George (7), der im Stadion zugegen war, habe sich als royaler Glücksbringer erwiesen.

Die Tageszeitung The Times erklärte hingegen von einem Fluch befreit worden zu sein – Deutschland sei verdient bezwungen worden. Humorvoller bekundete die Boulevardzeitung The Sun, das deutsche Team zu Tode gelangweilt zu haben, während The Independent die Heimkehr des Fußballs feierte. Es scheint als müsste England nicht Europameister werden, damit diese EM in die Geschichte des Landes eingeht.

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