EGBA kritisiert finnisches Monopol

Finnland gehört zu den letzten Ländern in Europa, die noch an einem staatlichen Glücksspielmonopol festhalten. Der Betreiber Veikkaus zählt dadurch zu den größten Anbietern des Kontinents. Nun wurde die finnische Glücksspielpolitik von der EGBA (European Gaming and Betting Association) scharf kritisiert. Der in Brüssel stationierte Branchenverband forderte eine Marktöffnung für internationale Firmen. Mit welchen Entwicklungen ist zu rechnen?

Spielautomaten in einer herkömmlichen Spielbank.

Veikkaus hat das 500 Euro-Tagesverlustlimit für Spielautomaten bis März 2021 verlängert. ©deluxtrade/Pixabay

Hohe Dichte an Veikkaus-Spielautomaten

Europas größter Glücksspielverband EGBA hat das finnische Glücksspielmonopol kritisiert und Helsinki zum Umdenken aufgefordert. Die Glücksspielpolitik des Landes müsse schnellstens korrigiert werden. Der Verband erklärte, dass Finnland eines der letzten Länder der Europäischen Union (EU) sei, das immer noch an einem Glücksspielmonopol festhalte. Dies habe es dem Betreiber Veikkaus ermöglicht, zu einem der größten europäischen Betreiber zu werden, mit einem Jahresumsatz von 1,6 Mrd. Euro.

Laut EGBA-Generalsekretär Maarten Haijer, sei Veikkaus innerhalb der letzten Jahre immer mehr in die Kritik geraten, was besonders an seiner Omnipräsenz in der finnischen Gesellschaft läge. Das Spielautomatennetz von Veikkaus sei inzwischen so groß, dass auf einen Geldautomaten im Land zehn Spielautomaten kommen. Es sei daher nicht verwunderlich, dass Veikkaus kürzlich ankündigte, über 8.000 Automaten bis Jahresende vom Netz zu nehmen.

Die expansive Firmenpolitik von Veikkaus soll bereits dazu geführt haben, dass sich die öffentliche Meinung zugunsten einer Beendigung des Monopols verschiebt. Diesen Sachverhalt führte die EGBA auf das Ergebnis einer Bilendi-Umfrage von 2019 zurück. Parallel dazu entstehe ein wachsendes Bedürfnis nach alternativen Spielformen. Vor allem online steige die Nachfrage, es sei jedoch unmöglich, ein Online Glücksspielangebot über ein Monopol einzuführen.

Veikkaus hat in den letzten Jahren bereits versucht, auf dem boomenden Onlinemarkt Fuß zu fassen, war dabei allerdings auf die Hilfe internationaler Provider angewiesen. So kam es im Juli 2019 (u. a.) zu einem Deal zwischen Veikkaus und SBTech. Ziel des Abkommens war die Überarbeitung der hauseigenen Sportwettplattform. Folglich wurde die SBTech-Sportwettlösung auf den Online- und Mobile-Plattformen des staatlichen Betreibers installiert. Ebenso wurde das gesamte Einzelhandelsnetz von Veikkaus, mehr als 3.000 Filialen in ganz Finnland, mit entsprechender Sportwettsoftware ausgestattet.

Finnland entgehen Steuereinnahmen

EGBA-Generalsekretär Haijer betonte, dass die wachsende Nachfrage nach alternativen Spielformen vor allem auf die Monopolstellung von Veikkaus zurückzuführen sei. Immer mehr Spieler würden online spielen, dies jedoch immer seltener beim staatlichen Anbieter. Eine kürzlich durchgeführte Studie habe gezeigt, dass im letzten Jahr 16,4 Prozent der finnischen Glücksspieleinnahmen – was 105 Mio. Euro an steuerpflichtigen Einnahmen entspricht – bei ausländischen Betreibern generiert wurden.

Diese Betreiber würden ihre Steuern nicht in Finnland, sondern in anderen Ländern bezahlen. Parallel böten die Seiten den Kunden bessere Renditen, höhere Gewinne und eine größere Auswahl an unterhaltsamen und seriösen Casinospielen. Darüber hinaus gebe kaum Anzeichen dafür, dass die finnischen Bürger unter dem Monopol besser vor glücksspielbezogenen Schäden geschützt werden, so Haijer weiter.

Das Institut für Gesundheit und Wohlfahrt des Landes schätzt, dass die Rate der problematischen Spieler momentan bei etwa 3 Prozent liegt. Sie liegt damit zehnmal höher als die 0,3 Prozent-Rate in Spanien, obwohl das Land viel größer ist und über ein reguliertes Online Glücksspielangebot verfügt. Veikkaus eigene Umfrage, die zwischen Februar und April durchgeführt wurde, deutete hingegen auf eine niedrigere Rate von 2,3 Prozent hin.

Auch in Spanien, wo seit Oktober verschärfte Werbevorschriften gelten, hatte die EGBA interveniert und scharfe Kritik an der spanischen Regierung geübt. Die neuen Regularien würden laut EGBA gegen das geltende EU-Recht verstoßen. Grund ist, dass die Regeln nur für private Glücksspielfirmen, nicht jedoch für die staatlichen Lotterieanbieter ONCE und SELAE gelten. Die Vorgaben sehen für private Glücksspielfirmen ein umfassendes Verbot audiovisueller Werbung vor. Ausnahmen gelten lediglich zwischen 01:00 und 05:00 Uhr morgens. Dazu kommt ein umstrittenes Sponsoringverbot für Wettanbieter.

Besserer Schutz durch Monopol?

Laut EGBA sei die Idee, dass ein Glücksspielmonopol zu einem besseren Verbraucherschutz beitragen würde, nur ein Mythos. Andere nordische Nationen, zum Beispiel Schweden, hätten von der Marktöffnung profitiert. In Schweden sank der Anteil des Offshore-Glücksspiels nach der Marktöffnung 2019 von 56 auf 15 Prozent. Auch in Dänemark sank der Anteil von 28 auf nur noch 8 Prozent, nachdem der Markt 2012 reguliert wurde.

Gefordert wird von der EGBA die Ersetzung des Monopols durch ein offenes Lizenzsystem. Dieser Schritt würde nicht bedeuten, mehr Menschen zum Spielen zu bewegen oder Veikkaus vom Markt zu drängen. Vielmehr ginge es darum, eine zeitgemäße Lösung zu finden und den Ansprüchen und Wünschen der finnischen Kunden gerecht zu werden. Das Lizenzmodell würde gleichsam zu höheren Steuereinnahmen führen und den Spielerschutz verbessern.

Währenddessen hat Veikkaus angekündigt, das maximale Verlustlimit für Casinospiele von 500 Euro in der Coronakrise bis zum März 2021 beizubehalten. Für die Kunden gilt dieses reduzierte Limit bereits seit dem 01. Mai. Eine Ausnahme bildet lediglich Poker. Zumindest in diesem Fall hat sich Finnland scheinbar am Nachbarland Schweden orientiert, wo ebenfalls verschärfte Limits während der Coronakrise gelten.

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