Datenpanne bei Ladbrokes: Kundendetails auf der Straße entsorgt

Dem britischen Buchmacher Ladbrokes sind hochsensible Daten abhandengekommen. Ein Wettbüro des Anbieters in Glasgow hat offenbar Unterlagen gesperrter Spieler über den Hausmüll zu entsorgen versucht. Es wurden Akten mit Namen, Adressen und Fotos der Kunden gefunden. Das Unternehmen war erst kürzlich im Zusammenhang mit irreführender Werbung aufgefallen.

Ladbrokes Wettbüro

Hochsensible Daten im Hausmüll eines Ladbrokes Wettbüros gefunden. (Quelle)

Die Akten enthalten Informationen über Spieler, die sich selbst über das „Moses“-System (Multi-operator self-exclusion scheme) gesperrt haben. Die landesweite Sperrliste ermöglicht es, sich branchenweit von Sportwetten auszuschließen. Dazu reichen die Spieler einen Antrag ein, der neben Personendaten auch den Grund für die Selbstsperre enthält. Häufigste Begründung ist der Kontrollverlust über das eigene Spielerverhalten aufgrund einer Suchterkrankung. In der Folge droht den Spielern der finanzielle Ruin durch den Versuch, erlittene Verluste mit riskanten Wetten auszugleichen. Die Möglichkeit einer Selbstsperre ist für diese Menschen von essentieller Bedeutung.

Entsprechend streng sind die Vorschriften zum Umgang mit den Informationen der Kunden. Die Unternehmen müssen die Daten sicher verwahren und sie nach Ablauf der Selbstsperre vernichten. Wie es zu dem Zwischenfall in Glasgow kommen konnte, ist bisher nicht bekannt. Üblicherweise verwendet Ladbrokes ein zentralisiertes System: Die auf die Niederlassungen verteilten Kopien werden eingesammelt und vernichtet. Die britische Glücksspielbehörde UKGC hat nun eine Untersuchung angekündigt. Denn ein unvorsichtiger Umgang mit derartig persönlichen Informationen könnte den Ruf des „Moses“-Systems beschädigen und Spieler von der Nutzung abhalten. Die Anzahl der „entsorgten“ Datensätze in Glasgow wurde nicht bekannt.

“Die Kunden gehen davon aus, dass ihre Daten sorgfältig aufbewahrt und geschützt werden. Wir erwarten die Einhaltung der Datenschutzvorschriften seitens der Glücksspielunternehmen […].“ Tim Miller, Geschäftsführer der UK Gambling Commission

Die Datenpanne kommt zur Unzeit für den britischen Buchmacher Ladbrokes. Erst letzte Woche war ein Verfahren gegen das Unternehmen wegen irreführender Bonusbedingungen bekanntgeworden. Entsprechend schnell reagierte der Buchmacher auf den neuerlichen Vorfall, man nehme die Sache sehr ernst und werde eine gründliche Untersuchung vornehmen.

Betroffen sind nicht nur Ladbrokes‘ eigene Kunden, denn über „Moses“ sind alle Buchmacher vernetzt. Die Mitarbeiter in den Wettbüros prüfen anhand der Listen, ob ein Spieler seine selbst veranlasste Sperre zu umgehen versucht. Das als sehr effektiv geltende System soll ein mögliches Ausweichverhalten in andere Spielstätten verhindern.

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