CCC-Kette endgültig geschlossen

Die europaweit bekannten Concord Card Casinos (CCC) des österreichischen „Pokerkönigs“ Peter Zanoni werden „endgültig“ geschlossen. Hauptgrund ist ein jahrelanger Rechtsstreit mit den Finanzbehörden wegen millionenschweren Steuerschulden. Schon seit Juni 2019 war die größte Poker-Casinokette des Landes insolvent. Von der Schließung betroffen sind über 600 Mitarbeiter. Hier ein Überblick.

Die Skyline von Wien bei Nacht.

Der CCC-Standort Wien galt als Aushängeschild der europäischen Pokerszene. ©DimitryAnikin/Unsplash

„Eine erdrosselende Wirkung“

„Mit großem Bedauern sehe ich mich veranlasst bekanntzugeben, dass ich mit dem heutigen Tage die Concord Card Casinos endgültig schließen muss“, so das Statement des Firmeninhabers Peter Zanoni gegenüber seinen Mitarbeitern. Der selbsternannte Pokerkönig hat den Kampf gegen die Behörden verloren und aufgegeben. Seit Jahren befand sich Zanoni in einem Rechtstreit um seine Steuerschulden, er selbst sprach von einem Kampf „David gegen Goliath“.

„Das ist schlicht und ergreifend eine Hetzjagd, die jetzt zu Ende ist“, so Zanoni gegenüber lokalen Medien. Zanoni kritisierte seit längerem, dass die österreichischen Finanzbehörden nicht seine Gewinne, sondern die Spieleinsätze der Pokerspieler besteuern. Hierauf habe er jedoch keinen Einfluss, man habe ihn zu Gunsten der teilstaatlichen Casinos Austria ins Abseits gedrängt. Im Wortlaut hieß es:

“Für jeden Brutto-Euro muss ich fünf Euro Abgabe zahlen, und da sind die Kriegsopfer-Abgabe und die Vergnügungssteuer noch nicht dabei, die jede für sich eine erdrosselnde Wirkung haben.”

600 Mio. Euro Steuerschulden

Das Ende der österreichischen Pokercasinos erfolgt, obwohl mehrere eingereichte Beschwerden beim Verfassungsgerichtshof (VfGH) noch unbeantwortet sind. Auch am Europäischen Gerichtshof ist noch ein Verfahren anhängig. Laut Zanoni könne man die Schließung der Casinokette jedoch nicht mehr aufschieben. Grund sind Steuerschulden in Höhe von rund 600 Mio. Euro. „Nicht einmal der liebe Gott kann dies bezahlen“, so Zanoni.

Der Geschäftsmann, dem in Österreich über 600 Mitarbeiter unterstehen, erklärte in diesem Kontext, dass sich seine Jahresumsätze derweil auf 30 Mio. Euro belaufen. Der Betrieb sei daher unmöglich aufrechtzuerhalten, jeder Tag sorge für negatives Wachstum. Schon im Juni 2019 hatte man die Insolvenz der Pokercasinos bekanntgegeben.

Aufgrund der millionenschweren Schulden war es im Januar zu mehreren Razzien der Finanzpolizei gekommen. Die Casinos wurden „freiwillig geschlossen“, ein 100.000 Euro-Pokerturnier fiel ins Wasser. Zuletzt hatte Zanoni sieben von zwölf Etablissements wieder geöffnet. Noch im Februar ließ er verlauten, dass Spielen gratis anzubieten und die Entscheidungen der Justiz abzuwarten. Darüber hinaus wurde eine Bürgerinitiative für freies Poker gestartet.

Freies Pokerspielen gefährdet?

Mit der Initiative wollte Zanoni auf die Monopolisierung des freien österreichischen Pokerspielens aufmerksam machen. Der Öffentlichkeit wolle er aufzeigen, was in Österreich alles „unter dem Deckmantel des Spielerschutzes und der Kriminalitätsbekämpfung“ passiert. Hintergrund ist, dass Zanonis Pokerlizenzen zum 31. Dezember 2019 ausliefen. Gespielt werden darf seitdem nur noch bei Casinos Austria. Laut Zanoni eine „hinterhältige Gesetzgebung“.

„Heimisches Gut, Spielerschutz, Arbeitsplätze, ein ordentliches Gewerbe, alle diese Dinge werden geopfert“, lautete das deutliche Kredo der Initiative. Das bisher frei gewerbliche Pokerspiel Österreichs würde durch Monopolisierung vom Markt verschwinden, was die Spieler „unausweichlich in illegale Bereiche“ oder Nachbarländer wie Tschechien drängen würde.

Der Grund, dass die Spieler nicht auf die lizenzierten Casinos Austria ausweichen, sind laut Zanoni die hohen Split-Limits. Während diese bei CCC lediglich zwischen 50 Cent und 1 Euro liegen, was einen Stundenverlust von 50 bis 60 Euro ausmache, hätten ungeübte Spieler bei Casinos Austria mit Stundenverlusten zwischen 2.000 und 2.500 Euro zu rechnen. Dies könne sich nicht jeder leisten, weshalb die Kunden bei illegalen Anbietern landen würden.

CCC-Kette international bekannt

Mit dem endgültigen Aus der CCC-Kette verlieren 600 Mitarbeiter ihre Arbeitsplätze. Dazu kommt Europa ein international anerkanntes Pokerzentrum abhanden. In den Wiener Etablissements wurden regelmäßig zwei der größten Pokerturnierserien überhaupt ausgetragen: Die European Poker Tour (EPT) und die World Poker Tour (WPT). Durch die Turniere habe der Wirtschaftsstandort Österreich laut Zanoni „Tourismuseinnahmen von tausenden Nächtigungen jährlich“ verzeichnet.

Für Schlagzeilen sorgten die Wiener Standorte außerdem durch ihre Pokerturniere mit Prominenten. In der Vergangenheit spielten dort unter anderem Boris Becker, Pamela Anderson, EAV-Frontmann Klaus Eberhartinger oder der kanadische Pokerstar Daniel Negreanu. Außerdem war es ein Dealer des CCC-Wien, der für den 2006 erschienenen James Bond-Film Casino Royale engagiert wurde.

26 Jahre langer Rechtsstreit

Laut Aussagen der österreichischen Zeitung Kurier geht der Schließung der CCC-Kette ein 26 Jahre langer Rechtsstreit voraus. Im Vorfeld des Konkursverfahrens hatte Zanoni sämtliche anhängigen Verfahren der letzten Jahre verloren. Zuletzt ging es in einem Gerichtsverfahren in Vorarlberg unter anderem um die besagte Kriegsopferabgabe – 97,6 Mio. Euro wurden fällig.

Laut Creditreform wurde das negative Eigenkapital der CCC-Kette zuletzt mit 130.478.8800,34 Euro beziffert, die Eigenkapitalquote lag bei minus 5.472 Prozent. Die Instanz verweist darauf, dass Peter Zanoni „bereits mit der CBA Spielapparate – und Restaurationsbetriebs GmbH in eine Großinsolvenz involviert“ gewesen ist. Auch hier wurde der Bankrott laut Zanoni von „teils enormen Steuern“ begünstigt.

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