Casinos Austria beschließt ReFIT-Plan

Der Sonderaufsichtsrat von Casinos Austria hat eine Einigung in Bezug auf den umstrittenen ReFIT-Plan erzielt. Die Maßnahmen sehen den Abbau von 500 Arbeitsplätzen und Gehaltskürzungen vor. Darüber hinaus plant die tschechische Sazka-Group, seit Juni Hauptanteilseigner der Casinokette, eine Splittung des Casino- und Lotteriegeschäfts. Hintergrund der Umstrukturierung ist die Corona-Krise. Können die Betriebsräte noch einschreiten?

Ein Roulettespiel in einem Casino steht still.

Sollte keine Sanierung stattfinden, droht dem Konzern bis 2021 ein Verlust von 65 Mio. Euro. ©TheAndrasBarta/Pixabay

Einsparung von 40 Mio. Euro

Die österreichischen Casinos Austria blicken auf intensive Monate voller Bewegung zurück. Neben der Affäre um das sogenannte Ibiza-Video und den damit verbundenen Verkauf der Novomatic-Anteile an die Sazka-Group, hat dem Unternehmen auch die Corona-Krise schwerzugesetzt. Die Einbrüche sind so gravierend, dass sich zuletzt ein Sonderaufsichtsrat mit der Sanierung der teilstaatlichen Casinokette befasste.

In der vergangen Woche legte man sich nun auf die Umsetzung des hochumstrittenen ReFIT-Plans fest, einem Sanierungskonzept, das Jobverluste und Gehaltskürzungen vorsieht. Insgesamt sollen die Personalkosten damit um 11 Prozent gemindert werden. Konkret geht es um den Abbau von 500 Vollzeitstellen, womit bis zu 40 Mio. Euro Personalkosten eingespart werden können. Auch die Schließung ganzer Standorte wird inzwischen nicht mehr ausgeschlossen.

Obgleich alle sechs Betriebsräte gegen ReFIT stimmten, teilte das Management am letzten Mittwoch mit, dass die Umsetzung beschlossene Sache sei. Dabei wurden mehrere bedeutsame Eckpunkte festgelegt: Erstens dient der Plan der Neuorganisation und Effizienzsteigerung, zweitens der Sicherstellung der Profitabilität und drittens der strategische Neuausrichtung und Redimensionierung.

Umbau der Konzernstruktur

Neben dem Stellenabbau wird der Aufbau einer neuen Konzernstruktur angestrebt. Hierbei steht die Etablierung einer souveränen Zentrale im Vordergrund. Außerdem soll das Casinogeschäft stärker von an anderen Vertikalen des Konzerns getrennt werden. Separate Projektgruppen sollen die Abläufe in allen Bereichen überprüfen und Einsparungen vornehmen, wo es möglich ist.

Auf diesem Wege könnten immerhin 1.200 Arbeitsplätze gerettet werden, so Robert Chvatal, der CEO der Sazka Group, die mit einem Anteil von knapp über 55 Prozent als neuer Mehrheitsaktionär aus der Bieterschlacht hervorging. Würden zudem noch die durchschnittlichen Gehaltskosten gesenkt werden, ließen sich auch die 12 Casino-Standorte von Casinos Austria erhalten. Die Kürzungen sollen zwischen 15 und 20 Prozent liegen.

Betriebsräte in Aufruhr

Wie bereits erwähnt, haben die sechs Betriebsräte der Casinokette den ReFIT-Plan abgelehnt. Manfred Schönbauer, der Chef des Zentralbetriebsrates, kritisierte vor allem die Darstellungsweise der Verlustzahlen, die weit überzogen sein sollen. Parallel sprach sich Schönbauer dafür aus, Teilzeitangebote für ältere Mitarbeiter einzuführen, um die Personalkosten zu senken. Zu Beispiel könnten die Betriebspensionen bis 2022 um 30 Prozent reduziert werden.

Man suche einen Dialog auf Augenhöhe mit dem Vorstand, (CASAG) um für beide Seiten das bestmögliche Ergebnis zu erzielen. Ein solcher habe bisher nicht stattgefunden, weshalb ReFIT einstimmig abgelehnt wurde. Die Erarbeitung des Sanierungsprogramms hätte zudem hohe Kosten verursacht. Der Konzern hatte dafür den Berater McKinsey beauftragt – innerhalb von sechs Wochen sollen Kosten in Höhe von über 500.000 Euro entstanden sein.

Vielseitige Gründe für Verluste

Die Gründe für die massiven Verluste, die sich, sofern keine Sanierung stattfindet, bis 2021 auf 65 Mio. Euro belaufen sollen, sind komplex. Der Einbruch in den 12 landbasierten Casinos ist vor allem auf die Schließungen während der Corona-Krise zurückzuführen. Dazu kommt ein seit November 2019 geltendes Rauchverbot, das für einen Rückgang der Kunden sorgte.

Die Winwin-Spielhallenmarke des Konzerns fährt ebenfalls Verluste ein. Dasselbe gilt für die Auslandstochter Casinos Austria International. Laut Kurier sanken die Spieleinnahmen im H1 2020 von 87,3 Mio. Euro auf 52,8 Mio. Euro. Gewinne fahren momentan nur noch die Lotterie und die Online Glücksspiel-Seite win2day ein. Letztere galt vor allem während des Lockdowns als Goldesel der Unternehmensgruppe.

Seit dem Austritt von Novomatic AG gehört Casinos Austria mehrheitlich der tschechischen Sazka-Group. Ein Drittel gehört dem Staat, während die übrigen Anteile auf kleinere Aktionäre aufgeteilt sind. Bei Casinos Austria arbeiten insgesamt 3.400 Mitarbeiter im In- und Ausland. 1.700 sind davon in den zwölf österreichischen Spielbanken und in der Wiener Zentrale beschäftigt. Diese sind am stärksten von den drastischen Sparmaßmaßnahmen betroffen.

Management nicht betroffen?

Bedenklich erscheint die Tatsache, dass bis dato nichts darüber erwähnt wurde, ob die Führungskräfte von den Einsparungen betroffen sein werden. Allein das Jahresgehalt der Generaldirektorin Bettina Glatz-Kremsner soll sich auf 700.000 Euro brutto belaufen, dazu kommen etwaige Bonuszahlungen. Eine Abfindung in Höhe von 1,6 Mio. Euro kassierte die Generaldirektorin zudem für ihren Wechsel vom Finanzvorstand in die Unternehmensspitze.

Auch die mittlerweile ausgeschiedenen Vorstände Dietmar Hoscher und Alexander Labak sollen millionenschwere Abfindungen erhalten haben. Labak erhielt 2 Mio. Euro, während Hoscher sogar 4 Mio. Euro kassierte. Hoscher ist sogar noch bei Casinos Austria beschäftigt, obwohl sein Name im Zusammenhang mit Strache-Affäre massiv in die Kritik geriet.

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