Casino-Chef erschleicht Corona-Impfung

Der kanadische Casino-Chef Rod Baker, Vorstandsvorsitzender von Great Canadian Gaming, wollte scheinbar nicht länger auf seine Corona-Schutzimpfung warten: Gemeinsam mit seiner Ehefrau ließ sich der in Vancouver lebende Millionär das Covid-19-Vaccine unter falschen Angaben an einem abgelegenen Ort verabreichen, wo vorwiegend Ureinwohner leben. Politiker sprechen von einem Skandal. Inzwischen ist der 55-jährige Manager von seinem Posten zurückgetreten.

Der Ausblick aus einem Jet während des Fluges.

Mit dem Privatjet ließ sich das Pärchen nach Yukon, einen der entlegensten Orte Kanadas fliegen. ©ChrisJHorvath/Pixabay

5.000 Kilometer im Privatjet

Die Covid-19-Pandemie und die damit einhergehenden Lockdowns bringen Menschen auf der ganzen Welt an die Grenzen der Belastbarkeit. Um möglichst schnell zur Normalität zurückzukehren, diskutieren Politiker und Experten zurzeit über die gerechte Verteilung von Impfstoffen. Dementgegen hat ein kanadischer Casino-Chef einen ebenso fragwürdigen wie skandalösen Weg eingeschlagen, um sich die Corona-Schutzimpfung zu erschleichen.

Rod Baker, bisher Vorstandschef von Great Canadian Gaming, legte mit seinem Privatjet 5.000 Kilometer zurück, um Beaver Creek im Norden Kanadas zu erreichen. Gemeinsam mit seiner Frau reiste er von dort aus weiter nach Yukon, nahe der Grenze zu Alaska. Der Ort wird von gerade mal 100 Indigenen bewohnt, die von den kanadischen Gesundheitsbehörden aufgrund ihrer Abgeschiedenheit als besonders gefährdet eingestuft werden.

Impftermin durch falsche Angaben

Die Ureinwohner werden von Kanada prioritär geimpft. Vor Ort befindet sich eine mobile Impfstation, die den Moderna-Impfstoff verabreicht. Baker und seine Frau wurden dort unter falschen Angaben vorstellig. Dazu gab das Pärchen an, die neuen Angestellten eines örtlichen Motels zu sein. Auf diese Weise fielen sie vorerst nicht als Fremde auf und erschlichen sich tatsächlich einen Impftermin.

Der Plan ging vorerst auf, da Saisonkräfte aus dem Süden in den meisten nördlichen Gebieten von Kanada zum Alltag gehören. Zudem sollen viele dieser Menschen häufig keine regionalen Ausweisdokumente besitzen. Am Ende flogen die beiden auf, weil sie unmittelbar nach der Impfung wieder zurück zum Flughafen wollten, statt in das Motel, wo sie angeblich arbeiteten.

Baker steht nun im Kreuzfeuer: Der Gemeindeminister von Yukon sprach von einem Skandal und forderte harte Strafen. Man sei empört über den Egoismus des Casinos-Chefs. Mike Farnworth, Generalstaatsanwalt der kanadischen Provinz British Columbia, sprach von einem verabscheuungswürdigen Anspruchsdenken, Baker habe den moralischen Kompass verloren. Zugleich ließ ein Sprecher von Great Canadian Gaming verlauten, dass Baker entgegen aller Ziele und Werte des Unternehmens gehandelt habe. Seit Beginn der Pandemie habe man sich darauf konzentriert, sowohl die Mitarbeiter als auch Kommunen vor Covid-19 zu schützen.

Der öffentliche Aufschrei hat inzwischen dazu geführt, dass Baker als Vorstandschef von Great Canadian Gaming zurückgetreten ist. Aus beruflicher Sicht dürfte der Skandal das Aus für ihn bedeuten. Des Weiteren drohen dem schwerreichen Paar bis zu einem halben Jahr Haft und eine Geldstrafe von mehreren Hundert Dollar, so die Nachrichtenagentur Bloomberg.

Verstöße gegen Corona-Auflagen

Aus moralischer Sicht wird das Verhalten des ehemaligen Casino-Chefs scharf kritisiert, zudem hat er gegen die strengen Corona-Schutzauflagen Kanadas verstoßen. Zusammen mit seiner Frau hat Baker sich nicht nur den Impftermin erschlichen, sondern auch gegen die Quarantäneauflagen verstoßen. Diese sehen vor, dass sich alle Personen für zwei Wochen isolieren müssen, die in die entlegene Region um Beaver Creek reisen.

Bereits zwei Tage nach Ankunft hatten die beiden ihr Hotelzimmer wieder verlassen. Damit hätten sie die Gesundheit des Volkes und der Stammesältesten gefährdet, so die Kritik von Stammeshäuptling Angela Demit, zugehörig der Gruppe White River First Nation in Beaver Creek. Aus purem Eigennutz und Egoismus habe man potenziell tödliche Folgen in Kauf genommen.

Die indigenen Dörfer werden von den kanadischen Gesundheitsbehörden aufgrund ihrer Abgeschiedenheit als besonders gefährdet eingestuft. Vor Ort existieren kaum Ärzte oder Krankenhäuser. Darüber hinaus bestehen beengte Wohnverhältnisse – häufig würden gleich mehrere Generationen unter demselben Dach leben. Die Infektionsgefahr ist dementsprechend größer.

Auch die bedrückende Geschichte um die Besiedlung Kanadas spielt vor dem Hintergrund des Skandals eine wichtige Rolle: Im Rahmen der Eroberung hatten viele weiße Siedler unbekannte Krankheiten unter den Ureinwohnern verbreitet. Ganze Familien starben an den Folgen. Während der Spanischen Grippe 1918 waren indigene Dörfer in drastischer Weise betroffen. Die Corona-Schutzauflagen sind in den nordischen Regionen Kanadas daher besonders streng. Die Dörfer wurden infolge der Pandemie weitgehend isoliert. Es gelten strenge Reisebeschränkungen.

Zu Great Canadian Gaming

Great Canadian Gaming zählt zu den größten Glücksspielunternehmen Kanadas. Es wurde kürzlich von der US-amerikanischen Private Equity-Firma Apollo Global Management für rund 2,5 Mrd. US-Dollar gekauft. In Kanada betreibt Great Canadian Gaming 25 Casinos, dazu kommen Hotels, Restaurants und Pferderennbahnen. Der neue Besitzer Apollo war im Oktober 2020 auch an der Bieterschlacht um William Hill beteiligt.

Es ist wahrscheinlich, dass auch Baker von der Transaktion mit Apollo profitiert hat. Der Millionär wird nun aber dennoch auf die zweite erforderliche Dosis warten müssen. Wir das Gesundheitsamt von British Columbia erklärte, müsse Baker sich wie alle anderen hintenanstellen. Der derzeitige Impfplan sieht vor, dass Bakers Altersgruppe erst zwischen Juli und September an der Reihe ist. Bis dahin ist die Frist für die zweite Impfe längst überschritten.

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