Britische Regierung legt Reformvorschläge vor

Nach dreijähriger Erarbeitungsphase hat das britische Ministerium für Digitales, Kultur, Medien und Sport (DCMS) seinen Bericht zum Glücksspiel vorgelegt. Zentrale Elemente der Reform sind Einsatzlimits für bestimmte Geräte und Werbebeschränkungen für Onlinespiele.

Wenige Länder haben eine derart ausgeprägte Glücksspielkultur- und Industrie wie Großbritannien. Die ersten Buchmacher öffneten ihre Geschäfte bereits im 18. Jahrhundert. Jährlich wetten etwa sechs Millionen Briten, insbesondere auf Pferderennen und Fussballspiele. Im Jahr 2013 wurde die Anzahl an Wettbüros auf beinahe 10.000 beziffert. Für die Regierung stellt die Regulierung dieses Marktes eine besondere Herausforderung dar. Einerseits ist sie am Erhalt und Wachstum der Spielindustrie mit ihren über 100.000 Arbeitsplätzen interessiert. Andererseits ist es ihre Aufgabe, den durch exzessives Glücksspiel verursachten sozialen Problemen zu begegnen. Das versuchen die britischen Behörden mittels stetiger Überprüfung der Branche zu erreichen.

Die letzte große Reform des Sektors, der Gambling Act, wurde 2005 unter Tony Blair erarbeitet und ist seit 2007 in Kraft. Der Gambling Act hat den Markt vor allem liberalisiert. Insbesondere wurde Fernsehwerbung für Glücksspielprodukte erlaubt, wovon die Anbieter bis heute ausgiebigen Gebrauch machen. Seitdem ist der Markt förmlich explodiert. Alleine von 2008-2016 haben sich die Einnahmen der Industrie von etwa 8,4 Mrd. auf etwa 14 Mrd. Pfund erhöht – ein Anstieg um sagenhafte 65%.

Das Problem mit den FOBTs

Einen gewichtigen Anteil daran haben die sogenannten “Fixed Odds Betting Terminals” (FOBTs). Seit 2009 haben sich die Einnahmen dieser Geräte beinahe verdoppelt, heute bringen sie jährlich etwa 1,8 Mrd. ein. Dabei hat sich die Anzahl der Automaten um nicht mal zehn Prozent erhöht. Die Kunden verlieren also zunehmend mehr Geld an den Maschinen, die überwiegend virtuelle Roulettespiele anbieten. Woran liegt das? Die Geräte gelten aufgrund hoher Einsatzlimits und kurzer Spielrunden als besonders riskant. Alle 20 Sekunden können Spieler bis zu 100 Pfund setzen.

Virtuelles Roulette an einem FOBT

Roulette am FOBT: Extrem schnelles Spiel mit hohen Einsätzen machen die Geräte besonders riskant. (Bildquelle)

Zwar beträgt die Gewinnquote bei Roulette 97%, doch im Mittel ist man seinen Einsatz bei dieser Spielgeschwindigkeit binnen einer Stunde los. Jedes einzelne FOBT Gerät nimmt so im Schnitt 55.000 Pfund pro Jahr ein – das ist der zweifache Durchschnittslohn der Briten. Die schnelle Spielweise und die hohen Einsätze machen die Geräte besonders für suchtgefährdete Spieler zum Problem – sie werden in der britischen Presse daher auch als das “Crack Cocaine” des Glücksspiels bezeichnet.

12 Wochen Zeit für Stellungnahmen

Insbesondere diese Spielform versucht die britische Regierung in den Griff zu bekommen. Die FOBTs standen im Mittelpunkt der Untersuchung und gelten als mitverantwortlich für zunehmende Spielsucht. Doch eine endgültige Entscheidung bezüglich der künftigen Regeln steht noch aus. Ministerin Tracy Crouch räumt Industrie und Verbrauchern eine Zwölfwochenfrist für Stellungnahmen ein. Erst danach soll entschieden werden, wie es mit den Geräten weitergeht.

Klar ist bereits, dass die Einsatzlimits verschärft werden. Sie werden in Zukunft nicht mehr 100 Pfund, sondern 50, 30, 20 oder 2 betragen. Das Ministerium räumt in dem Bericht (PDF) ein, auch nach länglicher Vorbereitungszeit noch keinen Wert ermittelt zu haben, der sowohl der Industrie als auch dem Spielerschutz genügt. Es ist bereits absehbar, dass die Unternehmen sich für hohe Limits einsetzen werden. Sie befürchten hohe Einnahmenverluste durch eine Begrenzung und sprechen von zehntausenden bedrohten Arbeitsplätzen.

Besondere Regeln für Onlinespiele

Einen weiteren Schwerpunkt des Reports machen Online Glücksspiele aus. Sie gewinnen zunehmend an Bedeutung und machen laut Zahlen der Regierung bereits beinahe die Hälfte der Umsätze aus. Zukünftig wollen die Behörden, dass die Unternehmen ihre gesammelten Daten verstärkt zum Spielerschutz einsetzen. So soll problematisches Spielen früher erkannt und gemindert werden. Dazu soll das geplante GAMSTOP System möglichst zeitnah eingeführt werden. Mit diesem soll es den Spielern möglich sein, sich über Anbieter hinweg für das gesamte Onlinespiel effektiv sperren zu lassen. Dieses Tool wird allerdings aller Voraussicht nach nicht wie geplant 2017 aktiviert werden können.

Der Bericht befasst sich daneben auch mit der zunehmenden Werbung für Glücksspiele. So seien Erwachsene heute der fünffachen Menge an entsprechenden Inhalten ausgesetzt sein als noch 2005. Zwar deuteten Studien darauf hin, dass TV-Werbung nur eine geringe Rolle bei der Entstehung von Spielsucht einnehme. Dennoch wolle man die inhaltlichen Vorgaben präzisieren und damit der Irreführung durch Gewinnversprechen entgegenwirken. Ebenso solle gezielte Onlinewerbung überprüft werden, diese sei insbesondere für Spielsüchtige verheerend, da sie permanent an ihre Schwäche erinnert und zum Spiel animiert würden. Insgesamt soll es den Betroffenen erleichtert werden, solche Inhalte auszublenden. Hierzu sollen auch soziale Netzwerke in die Konsultationen eingebunden werden.

Letzte Warnung an die Branche?

Insgesamt fallen die Reformvorschläge recht milde aus. Abhängig von den neuen Regeln für FOBTs wird die Branche wohl mit Einbußen rechnen müssen, doch im Bereich Onlinespiele sind die Vorstellungen der Regierung eher vage. Der Spielerschutz soll zwar verbessert werden, wirklich konkrete Einschränkungen sind bislang allerdings nicht vorgesehen. Dennoch lesen einige Anbieter das Papier als deutliche Kritik. So äußerte sich unter anderem Joe Saumarez Smith, Vorstandsmitglied von Bede Gaming. Für ihn sei der Bericht eine “letzte Warnung”. Die Onlinebranche habe noch diese eine Chance, das verantwortungsvolle Spiel in Eigenregie zu regulieren. Sollte dies nicht zur Zufriedenheit der Behörden gelingen, erwarte er neue gesetzliche Vorgaben. Problematisch sei dabei vor allem das GAMSTOP System. Der Bericht gehe davon aus, dass dieses noch bis Ende des Jahres eingeführt werde. Laut Smith hat aber keines der Onlineunternehmen bislang auch nur die technischen Spezifikationen erhalten, sodass die Entwicklung wesentlich länger dauern werde. Es ist also gut möglich, dass die Regierung diese Verzögerung zum Anlass für eigene Maßnahmen nutzen wird.

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