BHA führt Whistleblower-Service ein

Unter dem Titel „RaceWISE“ hat die britische Pferderennbehörde BHA (British Horseracing Authority) einen anonymen Meldedienst für spezifische Integritätsprobleme eingeführt. Im Fokus steht die Wahrung von Fairness, die Prävention von Wettmanipulation und Geldwäsche sowie das Wohlergehen der Tiere. Binnen letzter Jahre wurden die Sicherheitsstandards immer weiter erhöht. Hier ein Überblick zur Entwicklung.

Ein Pferderennen in York, Großbritannien, mit vielen Zuschauern.

Nach Fußball wird in UK am liebsten auf Pferderennen gewettet. ©ChrisKendall/Unsplash

Behörde garantiert Anonymität

„Die Einführung von RaceWISE erweitert den Umfang unserer bisherigen Berichterstattungsdienste“, so das Statement von Chris Watts, Leiter der Integritätsabteilung der BHA. Der neue Meldedienst soll allen Beteiligten die Möglichkeit bieten, ihre Meinung zu äußern und potenzielle Verstöße gegen die Regeln des Rennsports sowie unlautere Praktiken in Bezug auf den Tierschutz kostenlos per Telefon oder online zu melden.

Hierbei garantiert die BHA allen „Whistleblowern“ absolute Anonymität. Jeder der einen Regelverstoß bemerkt oder vermutet, wird dazu angehalten von dem neuen Service Gebrauch zu machen. Das Spektrum ist weitläufig. Es geht um mögliche Wettmanipulationen, Drogen- und Dopingmissbräuche, die Verbreitung von Insiderinformationen oder die Meldung irregulärer Trainingseinheiten. Watts erklärte:

“Wenn es Menschen gibt, die von einem Fehlverhalten im britischen Pferderennsport hören oder sich dessen bewusst werden, sollen sie sicher sein, dass sie es anonym und gefahrlos melden können. Wir werden alles tun, was wir können, um die Identität derer zu schützen, die sich an uns wenden.”

Schutz der „ehrlichen Mehrheit“

Bei dem neuen System handelt es sich um eine Aktualisierung des bisherigen Whistleblower-Systems „Racestraight“. Integriert werden fortan nicht nur Jockeys und Trainer, sondern auch Sportfans und Wettkunden. Die Behörde plant den Dienst daher im Rahmen einer öffentlichen Kampagne bekannt zu machen. Hierfür sind sowohl TV-Reklamen als auch Grafiken an den Rennstrecken geplant.

RaceWISE wird dabei in Partnerschaft mit der unabhängigen Wohltätigkeitsorganisation Crimestoppers betrieben. Das Update wurde durchgeführt, um noch strategischer vorgehen zu können, wenn es darum geht, relevante Informationen zu verarbeiten und zu untersuchen. Man wolle den Rennsport „fair und sauber halten“ und somit die Integrität des Sports sichern. In einer Presseerklärung hieß es:

“Wir sind hier, um die ehrliche Mehrheit zu schützen und sicherzustellen, dass diejenigen, die versuchen, sich einen unfairen Vorteil zu verschaffen oder in einer Weise zu handeln, die der Integrität unseres Sports schaden könnte, zur Verantwortung gezogen werden.”

Unterstützt wird die BHA in diesem Punkt von Mark Hallas, CEO der Wohltätigkeitsorganisation Crimestoppers. Dieser erklärte, dass „Transparenz und Offenheit“ die wichtigsten Eckpfeiler seien, um dafür zu sorgen, dass der Pferderennsport für alle Beteiligten auch weiterhin ein vertrauenswürdiger Sport bleibt. Man wisse, dass an manchen Stellen Regelverstöße vorliegen, „weshalb wir als Wohltätigkeitsorganisation diesen erweiterten Whistleblowing-Service anbieten möchten“.

Kritik an Pferderennen

Die BHA hatte bereits im März 2019 angekündigt ihren Whistleblowing-Service auszuweiten, um gegen Probleme vorzugehen, die die Integrität des Sports bedrohen. Ein entsprechender Service stand bisher nur den Mitarbeitern des BHA zur Verfügung. Gleichzeitig hatten die Bedenken der Öffentlichkeit gegenüber dem Sport immer mehr zugenommen. Eine Reihe von Verfehlungen sorgte für vermehrtes Misstrauen.

Neben Korruptionsvorwürfen stand vor allem das Wohlergehen der Tiere im Vordergrund. Kritisiert wurden nicht-artgerechte Trainingsmethoden und Dopingmissbräuche. Insbesondere die Tierschutzorganisation PETA sorgte immer wieder für negative Schlagzeilen und sprach von Tierquälerei. Einer der populärsten Fälle ereignete sich im März 2019 in den USA. Hier ging es um den bis heute rätselhaften Tod von 21 Rennpferden im Santa Anita Park.

Neue Anti-Doping-Regeln

Aufgrund der zunehmenden Kritik hatte die BHA ihre Sicherheitsstandards in den letzten Jahren immer weiter erhöht. Neue Anti-Doping-Regeln wurden eingeführt, die dazu beitragen sollten, das Image des Sektors zu verbessern. Ein unabhängiges Disziplinargremium, bestehend aus der BHA, dem Nationalen Trainerverband (NTF) und dem Verband der Rennpferdebesitzer (ROA) wurde eingerichtet, welches die „unparteiische und unabhängige“ Überprüfung der Regeln des Sports gewährleistet.

Dazu wurde eine Verpflichtung unterzeichnet, die das Wohlergehen der Pferde sicherstellen soll. Die BHA erklärte, dass dies der richtige Ansatz sei, um dem Rennsport die Glaubwürdigkeit gegenüber der Wett- und Zuschaueröffentlichkeit wiederzugeben. „Führende Ausbilder und die NTF haben ihre Unterstützung für eine Null-Toleranz-Grenze von verbotenen Substanzen bestätigt“, hieß es vonseiten des BHA-Geschäftsführers Nick Rust.

Das Image des Pferderennsports ist höchstbedeutsam, denn besonders in Großbritannien gelten Pferderennen als wahrer Volkssport. Nach dem Fußball handelt es sich außerdem um den wirtschaftlich wichtigsten Sport für die Wettindustrie. Allein zwischen 2017 und 2018 erzielten die Buchmacher Umsätze in Höhe von umgerechnet 16 Mrd. Euro. Die Umsätze der Online Industrie lagen bei etwa 6 Mrd. Euro, was rund 37 Prozent des gesamten Online Glücksspielmarktes ausmachte.

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Rennpferde im vollen Galopp.

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