Betrugsfall bei Penn

Wegen des Verdachts auf Betrug und Diebstahl muss sich die frühere Direktorin des US-Casinoriesen Penn National Gaming vor Gericht verantworten. Konkret geht es um den Diebstahl und Missbrauch von Geschenkarten im Wert von 75.000 US-Dollar (~ 67.000 Euro). Hier ein Überblick zum Geschehen.

Ein Sortiment an Geschenkgutscheinen.

Die Ex-Direktorin war eigentlich für die Betreuung der Geschenkkarten zuständig. ©KRiemer/Pixabay

Komplexe Polizeiarbeit

Die ehemalige Direktorin für Unternehmensleistungen bei Penn National Gaming, Denise Bitler, steht wegen schweren Betrugs und Diebstahls vor Gericht. Die 56-Jährige soll in ihrer Angestelltenzeit Geschenkkarten im Wert von 75.000 US-Dollar gestohlen und zum privaten Gebrauch verwendet haben. Der Einzelwert der Karten liegt zwischen 25 US-Dollar und 50 US-Dollar, es ist daher davon auszugehen, dass sich die Angestellte immer wieder an den Karten bedient hat. Diese waren eigentlich als Bonusgeschenke für die Mitarbeiter|-innen des Hollywood Casino-Inhabers vorgesehen.

Die Anklage wegen Betrugs und Diebstahls sind das Ergebnis monatelanger Untersuchungen. Es kam zu mehreren Hausdurchsuchungen, ebenso zu Computer- und Telefonüberwachungen, bis die Polizei auf der richtigen Spur war. Wie sich im Zuge weiterer Ermittlungen herausstellte, war die Angeklagte als „Director of Benefits“ zwischen Oktober 2015 und Juni 2019 für ein unternehmensinternes Bonusprogramm verantwortlich. In dieser Zeit erhielten die Angestellten regelmäßig Preise, unter anderem in Form von Gutscheinen und Geschenkkarten.

Die Karten sollten die Angestellten eigentlich für die Teilnahme an gesundheitsfördernden Aktivitäten oder freiwilligen Aufgaben erhalten. Die Angeklagte wurde in diesem Kontext mit der Bestellung und Vergabe der Karten betraut. Doch anstelle diese an ihre Kollegen zu verteilen, nutzte sie diese für eigene Zwecke, laut Aussagen des Nachrichtendienstes PennLive unter anderem zum Einkaufen, für Arztrechnungen oder sogar zum Reisen.

Trickreicher Betrug

Da Bitler als Aufsichtsperson für die Bonusprogramme auch das Controlling der Bonuszahlungen oblag, nutzte sie diese Stellung ferner dazu aus, um ihren Arbeitgeber immer wieder um vierstellige Geldsummen zu betrügen. Die Polizei spricht von rund 1.200 US-Dollar pro Jahr, die der Angeklagten auf diesem Wege in die Kasse flossen.

Doch damit nicht genug: Die Angeklagte soll auch beim Thema Rauchen geschwindelt haben. Gegenüber Penn National Gaming gab Bitler an Nichtraucherin zu sein. Dasselbe behauptete sie auch von ihrer Familie. Für den Nichtraucherstatus hat Penn ihr folglich jeden Monat Gesundheitsboni zukommen lassen. Wie sich im Rahmen der polizeilichen Ermittlungen herausstellte, hatte die Angeklagte auch in diesem Fall gelogen. Ihrer Glaubwürdigkeit vor Gericht dürfte dieser Sachverhalt kaum zugutekommen.

Die veröffentlichte Anklageschrift gegen die Ex-Mitarbeiterin umfasst indessen sechs Schwerpunkte, gleichermaßen involviert sind an dieser Stelle Vorwürfe der Unterschlagung sowie der illegalen Nutzung von Computern. Dem Haftbefehl gegen Denise Bitler folgte zuletzt die Festlegung einer Kaution in Höhe von 80.000 US-Dollar (~ 71.000 Euro). Dass die Angeklagte vor Gericht eine Chance hat, ist aufgrund ihres Verhaltens eher unwahrscheinlich. Die weiteren Entwicklungen bleiben dennoch abzuwarten.

Kein Einzelfall

Dass US-Casinobetreiber Opfer von Betrug werden, ist besonders in den USA keine Seltenheit, immer wieder kommt es zu Schlagzeilen. Wie trickreich die Täter in den Etablissements agieren zeigte sich erst kürzlich am Beispiel des MGM National Harbor Casinos im 6 Mio. Einwohner zählenden Bundestaat Maryland.

Das Casino wurde durch den dort arbeitenden Baccarat Dealer Ming Zhang um über 1 Mio. US-Dollar erleichtert. Erst vor wenigen Tagen wurde der Dealer zu einer Haftstrafe von 18 Monaten plus dreijähriger Bewährung verurteilt. Auch den Gesamtbetrag von genau 1.046.560 US-Dollar muss Zhang an MGM zurückzahlen.

Borgata lässt grüßen

Ein weiterer Fall, der in seiner Zielstrebigkeit durchaus an den Fall Denise Bitler erinnert, ist ein im September bekanntgewordener Kreditkartenbetrug im Borgata. Insgesamt wurden hier fünf Anklagen wegen Kreditkartenbetrugs und Identitätsdiebstahls erhoben. Einem der Verdächtigen wird zur Last gelegt im Borgata Hotel Casino & Spa 81 Gutscheine im Wert von umgerechnet rund 11.000 Euro mit Hilfe einer gestohlenen Kreditkarte erbeutet zu haben.

Laut Aussagen der Polizei habe der Verdächtige die Gutscheine im Verlauf dieses Sommers an seine vier Kumpanen verteilt, das Geld sei noch vor Ort, in den Shops und Gastronomiebetrieben des 2003 eröffneten Etablissements ausgegeben worden.

Falsche Identität

Den Anklagen geht eine drei Monate langes Ermittlungsverfahren voraus. Dass auf dem Gelände des Borgata gefälschte oder geklaute Kreditkarten im Umlauf sein könnten, hatte das Management des Casinos schon Mitte Juni vermute, die Polizei wurde umgehend konsultiert. Diese setzte folglich ihre Experten der Abteilung für Vermögensstraftaten ein.

In Kooperation mit der Sicherheitsabteilung des Borgata wurden alle auffälligen Kreditkartentransfers überprüft. In diesem Zusammenhang fiel den Ermittlern eine Kreditkarte ins Auge, die unter dem Namen eines Mannes aus Mechanicsburg, Pennsylvania, geführt wurde.

Die Rückverfolgung der Karte machte die Behörden stutzig: Wie die Untersuchungen zeigten, hatte die gelistete Person die Kreditkarte niemals beantragt. Stattdessen wurde eine dritte Person, der 41-jährige William Newhart aus Philadelphia, als Antragssteller identifiziert. Laut den Ermittlern habe Newhart die personenbezogenen Daten auf illegale Weise erlangt und die Karte ohne das Wissen des Opfers beantragt. Nach Erhalt erfolgte die Umsetzung seiner kriminellen Pläne. Ein Urteil steht hier bislang noch aus.

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Ein Dealer in einem US-Casino.

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