Bet365: $18.000 pro Monat für New Yorker Lobbyfirma

Berichten zufolge bezahlt der Sportwettanbieter Bet365 eine Lobby-Firma aus New York City, um die aktuell geführten Verhandlungen zur Legalisierung von Sportwetten im Bundesstaat New York im Sinne des britischen Wettkönigs voranzutreiben. Auf diesbezügliche Anfragen der Fachpresse reagiert Bet365 bislang nicht.

Ein Foto des State Capitols in Albany, New York

Nimmt Bet365 Einfluss auf die Abgeordneten im State Capitol in Albany, New York (Bild)? Hier wird über die mögliche Legalisierung des Wettgeschäfts entschieden. (Bildquelle)

Der größte britische Glücksspielbetreiber und weltweite Sportwettmarktführer Bet365 soll aktuell 18.000 US-Dollar monatlich an die auf Lobbyarbeit spezialisierte Firma ‚Cozen O‘Connor Public Strategies‘ zahlen, um so die Verhandlungen des US-Bundesstaats New York über eine mögliche Sportwettlegalisierung nach eigenen Gunsten zu beeinflussen.

Bei Cozen O‘Connor Public Strategies handelt es sich um eine auf industrielle Interessenvertretung spezialisierte Tochtergesellschaft der in der US-Hauptstadt Washington D.C. sitzenden Anwaltskanzlei Cozen O’Connor, deren namhafte Büros sich über die gesamte Ostküste der USA erstrecken. Das Unternehmen sitzt unter anderem in New York City und New Yorks Hauptstadt Albany, wo derzeit über die legislativen Möglichkeiten einer Sportwettlegalisierung debattiert wird.

Wann genau der Deal zwischen Bet365 und Cozen O’Connor abgeschlossen wurde, ist bis dato noch unklar, jedoch liefe der Vertrag bis zum Ende des Jahres, „wenn nicht früher gekündigt wird“, so heißt es.

Laut dem Fachmagazin EGR stammen diese Informationen von der New Yorker Staatsanwaltschaft. Wie das Branchenmagazin darüber hinaus mitteilt, reagiere Bet365 bisher nicht auf Anfragen in der Sache. Überhaupt sei es das erste öffentliche Anzeichen für die Übersee-Aktivitäten des britischen Buchmachers, seit der Aufhebung des US-weiten Sportwettverbots durch den Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten (United States Supreme Court, USSC) im vergangenen Mai.

Unter diesem Aspekt gewährt das durch EGR zutage geförderte ‚Nacht- und Nebelprojekt‘ des Gambling-Giganten aus dem englischen Stoke-on-Trent einen Einblick in das Ausmaß des Kampfes der europäischen Wettanbieter,um den milliardenschweren US-Markt.

Was macht New York?

Die USSC-Entscheidung zur Sportwettlegalisierung hat das Recht für die Gestaltung entsprechender Regulierungsmaßnahmen in die Hände der 50 US-Bundesstaaten gelegt. Folglich sehen sich die Gesetzgeber und Branchenvertreter des rund 20 Mio. Einwohner zählenden US-Bundesstaats New York mit einer knappen Frist für die Verabschiedung einer neuen Gesetzesgrundlage konfrontiert.

Ein Regulierungsstock, der mobile Sportwetten erlaubt, eine Steuerrate von 8.5% auf die Bruttoeinnahmen von Sportwetten vorsieht sowie den US-Profisportligen eine Lizenzgebühr von 0,25% des Umsatzes gewährt, wurde dem Repräsentantenhaus New Yorks indessen zur Prüfung vorgelegt. Zwecks Analyse hat New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo die Legalisierungsdebatte ausgesetzt und eine Tagung für den 20. Juni geplant. Zwar herrscht in New York Optimismus angesichts des regulatorischen Rahmenentwurfs, doch eine sektorenweite Legalisierung noch vor endgültigem Sitzungsschluss lehne der 60jährige Demokrat Cuomo ab, wie es weiter heißt.

Unterdessen setzten die Medien den Staat New York unter Druck: Ungelöste Fragen könnten die „Action“ demnach stark beeinträchtigen. Besonders als Nachbarstaat New Jerseys – welcher die Sportwettlegalisierung durch etliche Verfassungsklagen innerhalb der letzten Jahre maßgeblich mitvorantrieb – sollte New York „dem Spiel voraus sein“, heißt es.

Das bekannte New Yorker Kulturportal NYupstate wirft der Regierung Unentschlossenheit sowie unlauteres Verhalten gegenüber der Glücksspielbranche vor, die sich unlängst um den Gesetzgeber versammelt hätte. Schlussendlich stelle sich die Frage:

„Wenn also das Urteil des Obersten Gerichtshofs den Staaten erlaubt, Sportwetten zu betreiben, und es gibt ein staatliches Gesetz, warum ist es dann in New York noch nicht passiert?“

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