Berlin: Razzien gegen illegales Poker

Die deutschen Gesetzeshüter sind inzwischen sicher: Das illegale Glücksspiel in Hinterzimmern nimmt während der Lockdowns zu. Ein Beispiel dafür ist Berlin, wo es erneut zu zwei Razzien gegen illegale Pokerrunden in nur kurzer Zeit gekommen ist. Tausende Euros an Bargeld und Spielautomaten wurden beschlagnahmt. Dazu wurden etliche Anzeigen erstattet. Die DAW (Deutsche Automatenwirtschaft e. V.) hat Alarm geschlagen und vor einer gefährlichen Verlagerung gewarnt.

Ein Pokerspieler setzt seine Chips an einem verdunkelten Tisch.

In den teils verdunkelten Hinterzimmern spielte der Infektionsschutz keine Rolle. ©KeenanConstance/Unsplash

Glücksspiel plus Waffen und Drogen

Razzien der Polizei gegen illegales Glücksspiel sind in Zeiten der Lockdowns keine Seltenheit. Die Bundeshauptstadt Berlin nimmt diesbezüglich eine Spitzenposition ein – in kaum einer anderen deutschen Stadt kam es binnen letzter Monate zu so vielen Polizeieinsätzen wegen illegaler Glücksspielaktivitäten. Dabei geht es den Behörden weniger um das Spielen, sondern vielmehr um die Einhaltung der Schutzmaßnahmen gegen Covid-19.

Der Infektionsschutz spielt in den Hinterzimmern keine Rolle, wie zwei aktuelle Razzien gegen illegale Pokerrunden zeigen, die im Stadtteil Kreuzberg durchgeführt wurden. In beiden Fällen hatte die Polizei vorab anonyme Hinweise erhalten. Eine der Razzien fand an der Kochstraße statt. Laut Polizeibericht habe man schon im Eingangsbereich eine Ansammlung von alkoholisierten Männern festgestellt.

Nachdem ein Durchsuchungsbeschluss eingeholt war, erfolgte der polizeiliche Zugriff: In der Wohnung fanden die Ermittler gleich 20 Personen vor, die sich allesamt nicht an die Hygiene- oder Abstandsregeln hielten. Die Polizei begann folglich mit der Aufnahme der Personalien. Die Spieler waren zwischen 23 und 56 Jahre alt und mit unterschiedlichen Glücksspielaktivitäten beschäftigt. Der Wohnungshalter konnte bisher nicht ermittelt werden.

Laut Polizeibericht wurde eine dubiose Mixtur aus Glücksspiel, Drogen und Waffen sichergestellt: Neben einem Pokertisch und einem Spielkoffer wurden allein sieben illegale Spielautomaten beschlagnahmt. Außerdem 16 Behälter mit Kokain, zwei Tütchen Cannabis, eine Schreckschusspistole, ein Schlagring sowie 8.000 Euro in bar, die vermutlich als Spieleinsatz dienten. Die Polizei formulierte Anzeigen wegen unerlaubten Glücksspiels, Verstößen gegen das Betäubungsmittel- und Waffengesetz sowie Verstößen gegen die Infektionsschutzverordnung. Für weitere Ermittlungen wurde die Wohnung polizeilich versiegelt.

Mehrere 10.000 Euro konfisziert

Bei einer weiteren Razzia, die nur wenige Tage zuvor ebenfalls in Kreuzberg stattfand, wurden 13 Männer festgestellt, die an einem illegalen Pokerturnier teilnahmen. Auch in diesem Fall hielten sich die Personen, die zwischen 27 und 67 Jahre alt waren, nicht an die Hygienevorschriften. Mehrere 10.000 Euro wurden beschlagnahmt, außerdem zwei Spielautomaten. Laut Polizeibericht waren die Fenster der Wohnung von innen abgeklebt. Anfang März habe man dort bereits 19 Personen beim illegalen Spielen hochgenommen. Nun wurde die Wohnung ebenfalls polizeilich versiegelt.

DAW warnt vor Verlagerung

Angesichts der Coronakrise und den damit verbundenen Spielhallenschließungen sieht der Branchenverband DAW (Deutsche Automatenwirtschaft e. V.) eine gefährliche Verlagerung des legalen Glücksspiels in die illegalen Hinterzimmer. Um den Schwarzmarkt zu bekämpfen, bräuchte man einen funktionierenden Vollzug und ein ausreichend attraktives legales Angebot, so DAW-Vorstandssprecher Georg Stecker. Der erneute Lockdown zeige einmal mehr die Problematik.

Beim DAW stehe der Gesundheitsschutz an erster Stelle, so Stecker weiter. Über vermehrtes Testen würde sich die Option bieten, Spielhallen wieder zu öffnen. Momentan befände sich die Automatenbrache, der rund 70.000 Arbeitnehmer angehören, in einer dramatischen Lage. Die Umsatzeinbrüche hätten bereits 2020 bei rund 50 Prozent gelegen. Die Reserven seien bei den meisten Unternehmen aufgebraucht. Hilfen würden nur schleppend gewährt.

Auch der inzwischen von 13 Ländern bewilligte GlüStV sorge für Unmut. Der neue Staatsvertrag sieht nicht nur die Lizenzierung von seriösen Online Casinos ab Juli vor, sondern wartet auch mit strengeren Beschränkungen für Spielhallen auf. So sorgt unter anderem eine neue Mindestabstandsregel für etliche Schließungen. Laut Stecker befänden sich die Bundesländer nun am Scheideweg: Entweder das legale Angebot fördern oder dem Schwarzmarkt den Weg ebnen.

Wie tief die Automatenbranche in der Krise steckt, zeigt sich auch daran, dass Merkur-Inhaber Paul Gauselmann 2020 erstmals in seiner Geschichte rote Zahlen geschrieben hat. Der ehemalige VDAI-Vorsitzende ließ in diesem Zusammenhang kein gutes Haar an der Corona-Politik der Regierung, welche an der Realität vorbeilaufe. Man müsse hart gegen bürokratische Abläufe kämpfen, um Coronahilfen zu erhalten. Eine Besserung sehe man zurzeit nicht, obwohl bereits eigene Hygiene- und Infektionsschutzprogramme in den Spielhallen angelaufen seien.

Berlin plant Spielhallenreduktion

Trotz der negativen Entwicklungen rund um Schließungen und illegales Glücksspiel hält der Berliner Senat weiterhin an Plänen für eine drastische Reduktion von Spielhallen fest. Ein Beschluss aus Juni 2020 sieht einen Abbau um drei Viertel auf gerade einmal 120 Spielhallen vor. Neben der neuen Mindestabstandregel, die in Berlin 500 Meter beträgt, soll die Reduktion auch zu einem verbesserten Stadtbild beitragen. Kieze und Einkaufsmeilen dürften nicht länger von Spielhallen dominiert werden, hieß es aus Regierungskreisen.

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