Belgien verbietet Online Casino-Werbung

Die belgische Regierung hat sämtliche Werbung für Online Casinos in TV, Radio und Internet verboten und gleichzeitig die Werbung für Sportwetten stark eingeschränkt. Indessen warnt die schwedische Kindred Group Brüssel davor, illegale Anbieter durch die drastische Entscheidung zu bestärken.

Der belgische Justizminister Koen Geens hatte die stringente Reduktion „übermäßiger Glücksspielwerbung“ im Fernsehen, Radio wie auch Internet bereits im Juni angekündigt – nun ist es offiziell: Auf allen drei Ebenen, mit Ausnahme der eigenen Homepage, gilt in Belgien fortan ein gänzliches Werbeverbot für Online Casinos. Außerdem sehen die Maßnahmen ein Online-Werbeverbot für Live-Sportwetten vor, obendrein dürfen anderweitige Sportwett-Reklamen, zum Beispiel im TV und Radio, in Zukunft nur noch nach 20 Uhr ausgestrahlt werden. Darüber hinaus müssen sämtliche Glücksspielanzeigen ab sofort Problemspiel-Warnungen enthalten. Den Betreibern ist es zudem untersagt, Athleten oder Prominente als Gesichter ihrer Marketingkampagnen zu nutzen.

Als wäre dies nicht genug, gilt zusätzlich eine neue Obergrenze für Boni von maximal 275 Euro pro Monat. Ebenso dürfen Spieler und Spielerinnen wöchentlich maximal nur noch 500 Euro bei den Betreibern einzahlen, wobei Überweisungen per Kreditkarte fortan untersagt werden. Die Vorschriften gelten laut Behörden für alle medialen Plattformen, die „für Minderjährige zugänglich“ sind – bei Nichteinhaltung drohen „empfindliche Strafen“, heißt es. Das Justizministerium verweist darauf, dass die extremen Maßnahmen in Kraft gesetzt worden seien, nachdem festgestellt wurde, dass die Branche die Anzahl ihrer Reklamen auf selbst regulatorischer Basis nicht eingeschränkt hat – die Gespräche zwischen den Interessengruppen seien „gescheitert“, lautet das Fazit an dieser Stelle.

Verbote unter Kritik

Das Walten und Schalten der Justiz wird unterdessen von der belgischen Anwaltskanzlei Pharumlegal infrage gestellt – die Kanzlei ist in Rechtsfragen auf EU-regulierten Märkten spezialisiert. Geschäftsführer Robbe Verbeke bezweifelt hier konkret die juristische Wirksamkeit der drastischen Gesetzgebung im Kontext der EU-Richtlinien. Im Wortlaut heißt es:

„Die große Frage ist, ob dieses Dekret und die darin enthaltenen Beschränkungen, in Bezug auf die Zuständigkeit der belgischen Regierung wirklich absolut idiotensicher ist. Es wäre keine Überraschung, wenn ein oder mehrere EU-lizenzierte Glücksspielanbieter beim Staatsrat Antrag auf eine Nichtigkeitserklärung stellen. Erst, wenn das geschieht, werden wir es wissen.“

Vorab müssen sich die Anbieter laut Verbeke allerdings an die neue belgische Gesetzesordnung halten: Wenn die Anbieter nicht riskieren wollen ihre Lizenz zu verlieren, haben sie „keine andere Wahl“, so der Jurist, der fortführend darauf hinweist, dass der neue Gesetzeskatalog – sollte er die juristische Feuerprobe überstehen – die Werbelandschaft auf Belgiens Glücksspielmarkt „für immer verändern“ könnte.

Kindred warnt vor illegalen Anbietern

Die auf Malta lizenzierte, Kindred Group – unter anderem Inhaber von Unibet, Bet24 und 32Red – hat indessen eine Warnung an die belgischen Behörden veröffentlicht: Die neuen Regeln drängen die Spieler und Spielerinnen dazu, bei unregulierten Betreibern zu spielen, lautet das Kredo der börsennotierten Unternehmensgruppe. Die Änderungen könnten sich demnach negativ auf den „allgemein erfolgreich regulierten Markt Belgiens“ auswirken. Rund 80 Prozent aller Kunden würden „an nicht-lizenzierte Betreiber weitergeleitet“, heißt es. Die Fachpresse zitiert Dennis Mariën, CEO von Kindred-Belgien, demnach wie folgt:

„Das Regelwerk ist für regulierte Betreiber möglicherweise zu streng, um ein wettbewerbsfähiges Angebot gegenüber den nicht-regulierten Anbietern aufrechtzuerhalten. Es stellt also letztlich eine mögliche Gefahr für Kunden dar, denn die nicht-regulierten Betreiber sind keinesfalls dazu verpflichtet, ähnliche Sicherheitsmaßnahmen einzuhalten. Außerdem werden problematische Spieler dadurch höchstwahrscheinlich unter das Radar fallen.“

Laut eigenen Aussagen habe Kindred erst vor Kurzem eine neue Kampagne für verantwortungsbewusstes Spielen auf dem belgischen Markt angekündigt – ebenso sei unter dem Motto Royal Decree ein Konzept zur Begrenzung von Glücksspielwerbung vorgestellt worden. Dass der Frust für das Unternehmen angesichts der stringenten Gesetzesnovelle des Justizministers Koen Geens entsprechend tief sitzt, ist durchaus verständlich. Die weiteren Entwicklungen in Brüssel sind jedoch vorerst abzuwarten. In puncto Spielerschutz macht Kindred derweil nicht nur auf dem belgischen Markt von sich Reden: Erst vergangenen September hatte der ursprünglich schwedische Konzern Pläne präsentiert, eine Gambling Therapy-App sowie einen Reactive-Telefondienst zu etablieren.

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