Barcelona plant Spielhallen-Reduktion

Der Stadtrat der spanischen Katalonien-Hauptstadt Barcelona hat ein Gesetzentwurf verabschiedet, der sämtliche Neueröffnungen von Spielhallen und Wettbüros stoppen soll. Langfristig soll auch die Zahl bereits bestehender Glückspielstätten reduziert werden. Der Maßnahme geht eine landesweite Razzia der Nationalpolizei in 1.800 Spielhallen und Wettbüros voraus. Im Rahmen der sogenannten „Operation Arcade“ wurden unter anderem Mängel im Bereich des Kinder- und Jugendschutzes festgestellt.

Der Eingang des Casinos Barcelona.

Das Casino Barcelona ist das einzige Casino der Stadt und könnte von der Spielhallen-Reduktion profitieren. (©Jorge Franganillo auf flickr)

Die Regierung „wachrütteln“

Im Kampf gegen problematisches Glücksspiel in Spielhallen und Wettbüros hat der Stadtrat von Barcelona eine Gesetzesnovelle verabschiedet, die alle künftig geplanten Neueröffnungen von Glücksspielstätten unterbinden soll. Bei der Maßnahme handelt es sich um ein Pilotprojekt, laut eigenen Aussagen wolle man die spanische Regierung auf diesem Wege „wachrütteln“ und für die vorherrschenden regulatorischen Mängel des landbasierten Glücksspielsektors sensibilisieren. Konkret verweist der Stadtrat an dieser Stelle auf eine Zunahme problematischer Spieler sowie einen unzureichenden Kinder- und Jugendschutz.

Dem Gesetzentwurf geht eine Anfang Oktober durchgeführte Razzia der spanischen Nationalpolizei voraus, die unter dem Namen „Operation Arcade“ Schlagzeilen machte. 1.881 von über 3.000 spanischen Spielhallen und Wettbüros wurden überprüft. Die Polizei registrierte dabei 28 minderjährige Spieler und 184 Erwachsene, die sich nicht ausweisen konnten.. Insgesamt kam es bei der Aktion zu vier Festnahmen. Die 5,5 Mio. Einwohner zählende Metropole Barcelona ist die erste spanische Stadt, die derartige Maßnahmen infolge der großangelegten Polizeiaktion ergreift.

Fast alle Arten von Glücksspiel gelten in Spanien als legal. Dem Staat obliegt dabei die Regulation des Online Glücksspielsektors, der Nationallotterie und der staatlichen Sportwetten, den Regierungen der 17 Einzelregionen des Landes untersteht hingegen die Regulation des landbasierten Glücksspiels. Sowohl in Bezug auf die Anzahl von Casinos, Spielhallen und Wettbüros als auch mit Blick auf die Mindestabstände, lassen sich laut aktuellen Untersuchungen jedoch erhebliche Differenzen zwischen den regionalen Vorschriften feststellen.

Problematische Region Katalonien

Aufgrund der uneinheitlichen Gesetzgebung nimmt die Zahl der problematischen Spieler in vielen Regionen, unter anderem in Katalonien, seit Jahren zu. Zwischen 2017 und 2018 waren laut einer Studie des spanischen Gesundheitsministeriums 0,4 Prozent der katalonischen Spieler zwischen 15 und 64 problematisch. In der Region sollen zurzeit etwa 20.000 Menschen leben, die sich als „spielsüchtig“ bezeichnen. Hiervon gaben wiederum 44,8 Prozent an, schon als Minderjährige gespielt zu haben, was für den Stadtrat Barcelonas ein Hauptargument darstellt, um weitere Eröffnungen von Glücksspielstätten zu verhindern.

Auf langfristige Sicht fordert die Stadt sogar die Schließung bereits bestehender Etablissements, man wolle die Gesamtanzahl an Spielhallen und Wettbüros „nach und nach reduzieren“, so das aktuelle Kredo des Stadtrats gegenüber spanischen Medien. Barcelona verfügt derweil über 35 Spielhallen, 17 Bingohallen sowie ein Casino. Außerdem existieren zahlreiche Wettbüros und Spielautomaten an öffentlichen Orten. In diesem Kontext plant der Stadtrat künftig auch die Anzahl der Glücksspielreklamen einzudämmen, zudem werden strengere Werbevorschriften geplant.

Online Glücksspiele besser reguliert

Auch andere Regionen von Spanien haben innerhalb der letzten Jahre ihre Vorschriften für das landbasierte Glücksspiel verschärft. Ein Schwerpunkt lag dabei auf den Mindestabständen zwischen den einzelnen Glücksspielbetrieben sowie zwischen den Spielstätten und Schulen oder Kitas. In der spanischen Hauptstadt Madrid beträgt der Mindestabstand zurzeit lediglich 100 Meter. In Valencia gilt dagegen ein stringenter Abstand von ganzen 700 Metern. Aufgrund der Diskrepanzen zwischen den Regularien kritisieren spanische Spielerschutzverbände schon seit längerem, dass der Online Glücksspielsektor des Landes deutlich besser reguliert werde als der landbasierte Sektor. Der Leiter der andalusischen Spielsuchtorganisation (Federaciòn Andaluza de Adictos al Juego de Azar) José Abad erklärt diesbezüglich:

“Bei Glücksspielen im Internet werden Identifikationsdokumente und Kreditkartendaten verlangt und es gibt maximale Einsatzlimits. In Spielhallen ist das jedoch nicht der Fall.”

Auch vonseiten der Bevölkerung Spaniens wird derzeitig eine strengere Regulierung von landbasierten Glücksspieleinrichtungen gefordert. Erst vor wenigen Wochen kam es vermehrt zu Protesten vor etwaigen Spielhallen und Wettbüros. In der Hafenstadt Alicante (Costa Blanca) kam es beispielweise zu einer Demonstration an der 70 Personen beteiligt waren. Gefordert wurde ein besonders hoher Mindestabstand zwischen Spielhallen und Schulen von einem Kilometer. Laut den Protestanten seien die Spielstätten häufig ohne Umstände für Minderjährige zugänglich.

Inspektorenteam auf Mallorca

Bessere Eingangskontrollen stehen zurzeit übrigens auch auf Mallorca im Fokus: Die Behörden der Balearen-Hauptstadt Palma kritisieren, dass immer mehr Spielsalons auf Mallorca entstehen – dies besonders in den ärmeren Gegenden Palmas, da die Mieten dort günstiger sind als in wohlhabenderen Stadtvierteln. Inzwischen gehört Palma de Mallorca sogar zu den Städten mit der höchsten Dichte an Spielhallen in ganz Spanien.

Auch in Palma werden vor allem die unzureichenden Eingangskontrollen kritisiert. Außerdem halten die Betreiber die Mindestabstände zu Schulen oft nicht ein. Um für maximale Sicherheit in Bezug auf Kinder und Jugendliche zu sorgen, soll ein Inspektorenteam bereits ab November mit den Überprüfungen einzelner Spielstätten beginnen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Einhaltung der Vorschriften sowie der Überprüfung der Lizenzen. Bei Verstößen drohen den Betreibern hohe Geldstrafen von bis zu 700.000 Euro sowie der Lizenzentzug. Auch auf Mallorca sorgten letztendlich die Ergebnisse der Operation Acarde der Nationalpolizei für die Einleitung der Maßnahmen.

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