Australien: Industrie befürchtet Verluste durch POC Steuer

Nach Südaustralien, Queensland, Westaustralien und dem australischen Capital Territory (ACT) hat nun auch der Bundesstaat New South Wales (NSW) die Einführung einer POC-Steuer für Onlinewetten von 10% bestätigt. Der britische Wettriese Paddy Power Betfair rechnet bereits mit Verlusten.

Ein Foto des Parlamentsgebäudes von New South Wales, Australien

Das Parlament von New South Wales hat die Einführung einer Verbrauchsortsteuer beschlossen. (Bildquelle)

Von den flächenmäßig kleinsten australischen Staaten Tasmanien und Victoria abgesehen, gliedert sich mit New South Wales aktuell nicht nur der vorvorletzte, sondern – mit über 7,5 Mio. Einwohnern – vor allem der bevölkerungsreichste Bundestaat Down Unders in die Reihe der Befürworter, einer nicht unumstrittenen, ortsgebundenen Glücksspielsteuer für Onlinewetten ein.

Im Klartext: Die sogenannte Point of Consumption-Steuer (z. dt. Ort des Verbrauchs) rekurriert konkret auf den Abschlussort einer Onlinewette – sie kommt unabhängig vom jeweiligen Haupt- oder Lizenzstandort eines Anbieters zum Tragen und gilt in diesem Sinne für sämtliche Nettowetteinnahmen, die innerhalb einer Region durch Onlinewetten generiert werden.

Wie es heißt ziele die Steuerreform insbesondere darauf ab, sowohl die internationalen Onlinebetreiber mit Sitz in europäischen Steueroasen – als auch die australischen Gambling-Firmen, welche häufig im steuerlich günstigeren Northern Territory (NT) lizensiert sind, an die Staatskassen zu bitten, um die Fiskallöcher der australischen Bundesländer zu stopfen.

Im Rahmen einer vermeintlich australienweiten, politischen De-Liberalisierungs-Kampagne des außer Kontrolle geratenen Glücksspielsektors, soll die offizielle Etablierung der POC-Steuer zum 01. Januar 2019 erfolgen. Und das nach Möglichkeit bundesweit.

Einzig Victoria lehnt die POC-Reform bis dato noch ab, stattdessen sei die Einführung einer Umsatzsteuer von lediglich 8% für Online-Wettbüros geplant, wie es heißt. Der zwar kleine, doch fast 6 Mio. Einwohner zählende Staat, ist nicht der einzige Bundesstaat mit Extrawünschen.

Der Sonderfall New South Wales

Während Anfang diesen Juni zuletzt gar das australische Hauptstadtterritorium ACT die Einführung der POC-Steuer für 2019 bestätige, ließ sich NSW auffallend viel Zeit mit einer Stellungnahme – obgleich der Gambling-Sektor dort floriert wie nirgendwo sonst auf dem fünften Kontinent. Eine POC-Sonderstellung beansprucht NSW indessen trotzdem und zwar in vierfacher Ausführung:

Erstens plant man eine auf 10% verminderte POC Variante, um eine „übermäßige Belastung“, besonders ausländischer Marktteilnehmer zu vermeiden, wie es heißt – während der Steuersatz in Südaustralien, Queensland, Westaustralien und ACT (Australian Capital Territory) dahingegen satte 15% betragen soll. Der NSW-Schatzmeister Dominic Perrottet erläutert dazu knapp:

„Wir denken, dass 10% die richtige Balance kreiert, damit Online-Buchmacher ihren gerechten Anteil erhalten, aber auch leisten.“

Zweitens will der Staat die Steuer nicht nur auf Onlinewetten, sondern ebenso auf die Nettoeinnahmen hiesiger Online Casinos erheben, wovon sich der Staat einen entsprechenden Ausgleich erhofft. Drittens plant die NSW-Regierung keineswegs eine endgültige Etablierung. Die tatsächliche Leistung der Steuerreform soll nach 18 Monaten einer Wirtschaftlichkeitsprüfung unterzogen werden.

Zu guter Letzt will NSW bereits im Vorfeld sicherstellen, „dass die Pferderennindustrie unter den Veränderungen keineswegs schlechter gestellt wird“. Schatzmeister Perrottet betont, dass hierzu bereits erste Maßnahmen erarbeitet worden seien. Der Pferdebranche solle nach wie vor „eine faire Vergütung“ garantiert werden können. Sämtliche bestehenden Paritätsregelungen des Sektors sollen demnach unverändert bleiben.

Die Einführung der POC-Steuer bewertet der Schatzmeister unter dem Strich aber dennoch als „wichtigen Schritt für faire Wettbewerbsbedingungen“.

Paddy Power Betfair unter Druck

Im Schnitt verspielt jeder Australier etwa 1.000 Euro im Jahr. Über 180.000 Poker-Automaten wuchern weitgehend unreguliert auf dem ganzen Kontinent. Gezockt wird fast überall – in Spielhallen, Clubs und Einkaufzentren. Die australischen Regierungen sowie auch die Industriezweige haben hier schlicht zu lange Laissez-fair-Politik betrieben.

Dass der Glücksspielmarkt Down Under spätestens im Angesicht des nicht mehr abklingen wollenden Internetbooms neu reguliert und die Gesetzgebung vor allem auch exekutiv umgesetzt werden muss, war längst abzusehen. Die anstehende POC-Steuerreform trifft die australische wie auch internationale Gambling-Branche allerdings sehr akut. In diesem Zug meldet sich jüngst der irisch-britische Wettriese Paddy Power Betfair (PPB) zu Wort. Durch die geplante Einführung der POC-Steuer sieht der börsennotierte Glücksspielkonzern aus London seine laufenden Projekte in Australien als stark gefährdet an.

Laut Prognosen hauseigener Analysten könne PPBs Gewinnerwartung für 2018 bei Einführung der Steuer ab Oktober diesen Jahres um fast 1,5% sinken. Verschiedene Börsenmakler sollen diese Rechnung unterstützen, wie es heißt. Die Prognosen für 2019 sehen noch deutlich düsterer aus: Es wird mit Mindereinnahmen von über 65 Mio. Euro gerechnet – ein Rückgang von über 10 %.

Die Aktien des Unternehmens sanken bereits um mehr als 4 Prozent, nachdem New South Wales seinen Beitritt zur australischen POC-Initiative verkündet hatte. PPB-CEO Peter Jackson zeigt sich darüber hinaus vor allem um die kleineren nationalen Glücksspielanbieter Australiens besorgt:

„Es ist unvermeidlich, dass einige der kleineren Player der Branche hier die weiße Flagge schwingen werden, weil sie nicht mehr in der Lage sein werden, dem harten Wettbewerb auf dem Markt unter der Einführung der POC-Verbrauchssteuer standzuhalten.“

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