ANJ Hand in Hand mit Polizei

Um für ein sicheres Spielumfeld zu sorgen, hat die französische Glücksspielbehörde ANJ (L’Autorité nationale des jeux) ein formelles Abkommen mit der SCCJ (Service Central des Courses et des Jeux) unterzeichnet. Bei der Instanz handelt es sich um die nationale Polizeieinheit, welche für die Überwachung von Casinos und Pferderennbahnen zuständig ist. Im Vorfeld wurde die Erneuerung veralteter Betreiberlizenzen vorgenommen.

Ein Pferderennen in Paris, Frankreich.

Trotz Corona stiegen die Einsätze bei Pferderennen im zweiten Quartal um 34,6 Prozent. ©PhilippeGras/Unsplash

Engere Bindung zwischen Staatsorganen

Nur wenige Monate nachdem die ANJ in Frankreich etabliert wurde, geht die Aufsichtsbehörde vermehrt in die Vollen. Ein Abkommen mit der nationalen Polizeieinheit SCCJ, zuständig für Casino- und Rennstreckenüberwachung, soll zur Regulation des Marktes beitragen. Unterzeichnet wurde das Abkommen von Isabelle Falque-Pierrotin, Präsidentin der ANJ und Frédéric Veaux, Generaldirektor des SCCJ und der nationalen Polizei (DGPN).

Ziel des Vertrags ist eine stärkere Bindung der beiden Institutionen, welche sich die Verantwortung für die Regulierung des französischen Glücksspiels teilen. SCCJ ist laut Gesetz dem Innenminister unterstellt und für die Lizenzierung und Regulierung von Casinos, Spielhallen und Rennbahnen zuständig. Die ANJ überwacht hingegen den Verbraucherschutz von landgestützten Glücksspielbetreibern und reguliert außerdem das Online Glücksspiel.

Drei Schlüsselbereiche im Fokus

Das Abkommen konzentriert sich auf drei Schlüsselbereiche. Erstens formalisiert es den Informationsaustausch zwischen beiden Gremien, womit ein besserer Überblick über die Aktivitäten im Glücksspielsektor gewonnen werden soll. Zweitens sollen Regulierungsmaßnahmen besser koordiniert werden. Drittens wolle man sich über regulatorische Maßnahmen auf dem Laufenden halten, Fachwissen austauschen und das Personal gremienübergreifend schulen.

Die Zusammenarbeit wird sich vorwiegend auf drei Unternehmensgruppen konzentrieren: Erstens steht das Lotteriemonopol FDJ im Fokus, welches im November 2019 privatisiert wurde und als Volksaktie an der Börse eingestiegen ist. Zweitens geht es um Pari-Mutuel Urbain (PMU), den europäischen Marktführer für Pferdewetten. Drittens steht die Überwachung der 202 lizenzierten Casinos auf der Agenda. Die Verhinderung von Regelverstößen, besonders in Bezug auf den Kinder- und Jugendschutz, hat dabei die oberste Priorität.

Laut Aussagen der ANJ sei das Abkommen fortan die Grundlage für eine lebhafte Zusammenarbeit zwischen den beiden Staatsorganen. Man wolle in ständigem Dialog bleiben und auch die Gerichtshöfe miteinbinden. Einmal jährlich soll Bilanz über alle getroffenen Maßnahmen gezogen werden, um weitere Verbesserungen der Partnerschaft vorzunehmen.

Verlängerungen von Betreiberlizenzen

Kurz bevor die Kooperation zwischen ANJ und SCCJ bekanntwurde, setzte sich die neue Glücksspielbehörde mit den alten Betreiberlizenzen der abgeschafften Aufsichtsbehörde ARJEL (L’Autorité de régulation des jeux en ligne) auseinander. Die Lizenzen wurden allesamt verlängert. Darunter die der Online Glücksspielanbieter B.E.S., Betclic, France Pari, GM Gaming, Joaonline, FDJ, Netbet, PMU, Reel Malta, SPS Betting France, Vivaro, Winamax und Zeturf France.

Zehn der Lizenzen, die 2015 vergeben wurden, wären Ende dieses Jahres ausgelaufen. Welche genau, gab die Behörde nicht bekannt. In der Zwischenzeit genehmigte die ANJ auch eine neue Lizenz für das sogenannte NJJ-Projekt, wobei es sich um die 14. Online Glücksspiellizenz des Landes handelt. NJJ soll das Online Pferderenn- und Sportwettangebot übernehmen, welches zuvor von Geny Infos unter der Marke GényBet betrieben wurde.

Die Betreiber wurden im Vorfeld von der ANJ überprüft, wobei besonders die Werbestrategien im Fokus standen. Diesbezüglich hat die Behörde einen erweiterten Auftrag, denn es gelten strenge Vorgaben in Bezug auf Suchtprävention und den Kinder- und Jugendschutz. Alle Lizenznehmer sind dazu verpflichtet, der Behörde ihre Werbekonzepte jedes Jahr bis zum 30. Oktober vorzulegen. Die ANJ ist dazu befugt, Änderungen anzuordnen. Wie sich am Beispiel Winamax zeigte, droht bei Nichteinhaltung schlimmstenfalls der Lizenzentzug.

Glückspielmarkt unter Corona

Auch der französische Glücksspielmarkt bleibt von den Auswirkungen der Corona-Krise nicht verschont. Für das zweite Quartal meldete die ANJ jüngst einen Umsatzrückgang von 5,6 Prozent im Vorjahresvergleich. Hauptgrund war ein Einbruch der Sportwett-Vertikale um 57,2 Prozent auf 513 Mio. Euro wegen der weltweiten Aussetzung des Spitzensports.

Das Wachstum im ersten Quartal 2020 – in Verbindung mit einer widerstandsfähigen Leistung bei Pferdewetten im zweiten Quartal – führte jedoch dazu, dass die Einnahmen im ersten Halbjahr um 8,3 Prozent gestiegen sind. Obwohl die französischen Rennen vom 17. März bis zum 11. Mai eingestellt wurden, ist eine Zuwachsrate von 34,6 Prozent auf 362 Mio. Euro festzustellen.

Ein weiterer herausragender Akteur war die Poker-Vertikale. Gemessen am Vorjahr haben sich die Einnahmen im zweiten Quartal hier fast verdoppelt und sind auf 142 Mio. Euro gestiegen. Die Cash Game-Umsätze stiegen um 81,4 Prozent auf 39 Mio. Euro, was den höchsten Beitrag aller Glücksspielprodukte vor dem Hintergrund des Lockdowns markiert.

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